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Kulmbach
Nötigung

Rabiater Besuch von Kabel Deutschland

Diesen Nachmittag wird die Kulmbacherin nicht vergessen. Es ist warm, daher steht die Terrassentür ihrer Wohnung offen. Plötzlich erschrickt die Frau: Ein fremder Mann baut sich vor ihr auf und kündigt der Kundin von Kabel Deutschland an, er werde ihr jetzt den Zugang zum Kabelfernsehen und zum Internet kappen.
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Zwischenfall in Kulmbach Foto: imago / Fotomontage: Michael Beetz
Zwischenfall in Kulmbach Foto: imago / Fotomontage: Michael Beetz
Die 50-Jährige ist außer sich: "Ich habe vor Angst gezittert, und er hat gesagt, es sei berechtigt, dass ich vor ihm zittere. Es war wie im Krimi." Das Vorgehen des ungebetenen Besuchers, der sich als Außendienstmitarbeiter von Kabel Deutschland ausgibt, aber seinen Namen nicht nennt und sich auch nicht ausweist, sei äußerst rabiat gewesen. "Er hat mich an den Schultern gepackt und mich immerzu beschimpft, ich würde schwarzsehen."
Ein Vorwurf, der nicht zutrifft, wie Ingolf Winarick auf Anfrage von inFrannken.de bestätigt. Bei dem selbstständigen Medienberater, der am Holzmarkt ein Kabel-Deutschland-Büro betreibt, ist Karin K. Kundin. "Sie hat einen korrekten Vertrag", erklärt er.
Nur die Eingabe der Fernsehdaten sei aufgrund eines technischen Problems verspätet erfolgt, "was aber korrigiert wurde".

Zurück zu jenem Nachmittag in der Wohnung: Mit Ingolf Winarick ("Am Telefon wäre alles zu klären gewesen") will der rabiate Besucher, der als Außendienstmitarbeiter für ein anderes Kulmbacher Kabel-Deutschland-Büro tätig ist, aber nicht sprechen. Er will, dass die Frau einen neuen Vertrag unterschreibt. Irgendwie gelingt es Karin K. dann doch, den Fremden aus der Wohnung zu drängen. Sie verriegelt die Tür und ruft die Polizei.

Der Mann ahnt wohl, dass die Polizei im Anmarsch ist. Als er sich mit seinem Kleinbus davonmachen will, "habe ich mich einfach vors Auto gestellt", sagt die Frau. "Und zum Glück kam gleich der Streifenwagen."

Die Polizisten nehmen die Personalien auf und sorgen dafür, dass die 50-Jährige nicht mehr belästigt wird. Während die Frau noch überlegt, ob sie Anzeige erstatten soll wegen Hausfriedensbruch und Nötigung, ist sie von Kabel Deutschland enttäuscht: Nach einem Anruf bei der Kundenhotline habe man ihr 20 Euro angeboten - als eine Art Entschädigung für die Unannehmlichkeiten. "Bei dem Aufstand - das ist lächerlich."

"Menschlich verwerflich"

Ingolf Winarick bezeichnet das rabiate Verhalten des Außendienstlers als "menschlich verwerflich". Das sei aber kein Einzelfall, der Mann sei ihm schon mehrmals in die Quere gekommen. "Wenn ich so mit meinen Kunden umspringen würde, dann könnte ich mein Büro zumachen", versichert er. Die Kulmbacherin erhebt auch Vorwürfe gegen Kabel Deutschland. "Offenbar werden die Leute geschult, so rabiat vorzugehen. Es geht um Provisionen und Vertragsabschlüsse", meint sie. "Aber es kann doch nicht in Hausfriedensbruch und Nötigung ausarten. Solchen Leuten gehört das Handwerk gelegt."

Ein Missverständnis

Gisela Bauer, bei Kabel Deutschland für Bayern zuständige Pressereferentin, bedauert den Vorfall, der auf ein Missverständnis zurückzuführen sei. Der "Besucher" von Kabel Deutschland sei berechtigt gewesen, den Anschluss zu verplomben beziehungsweise den Abschluss eines neuen Vertrags anzubieten, weil die Kulm bacher Kundin ihren Vertrag für den Fernsehempfang vorher gekündigt habe.

"Er musste davon ausgehen, dass zu diesem Zeitpunkt noch kein neuer Vertrag vorlag", so die Kabel-Deutschland-Sprecherin. Dass die Frau kurz vorher mit einem anderen Medienberater einen neuen Vertrag abgeschlossen hatte, der im Kundenverwaltungssystem noch nicht aktiv war, sei dem Mann nicht bekannt gewesen.

Angemessenes Auftreten

Kabel Deutschland bedauere, dass Frau K. das Auftreten des Medienberaters als unangenehm empfunden hat.
Er selbst beschreibe sein Auftreten aber als angemessen und im Einklang mit den Anforderungen als für Kabel Deutschland tätiger Medienberater. "Insbesondere den Vorwurf des Eindringens in die Wohnung oder des Drohens weist er zurück, weil er sich nach seiner Aussage nur im Treppenhaus aufhielt, zu dem er vom Vermieter vorgelassen wurde", erklärt die Pressereferentin.

Weiter betont sie, dass die Medienberater von Kabel Deutschland regelmäßig geschult werden. Kabel Deutschland gehe Beschwerden von Kunden nach und habe bei gravierendem Fehlverhalten die Verträge mit den selbständigen Handelsvertretern sofort gekündigt und sich von den Medienberatern getrennt. "Der mehr als überwiegende Teil unserer Kunden ist jedoch mit dem persönlichen Service der Medienberater vor Ort sehr zufrieden."






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