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Protest gegen Leitungsbau geht weiter

Der Streit um den Anschluss des Solarparks Dörnhof an das Umspannwerk hört nicht auf. Die Wald- und Feldbesitzer wollen die Trasse auf keinen Fall zulassen.
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Die Wald- und Feldbesitzer sind sauer: Die tatsächlichen Wege stimmen nicht mit den abgemarkten Flächen überein. Der Markt Marktleugast weist alle Schuld von sich. Sonny Adam
Die Wald- und Feldbesitzer sind sauer: Die tatsächlichen Wege stimmen nicht mit den abgemarkten Flächen überein. Der Markt Marktleugast weist alle Schuld von sich. Sonny Adam
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Der Solarpark Dörnhof wird irgendwann einmal elf Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen und damit 4500 Privathaushalt versorgen können. Momentan laufen die Vorbereitungen am Umspannwerk Marktleugast, um den Strom überhaupt ins Netz einspeisen zu können, erklärt Manuel Zeller-Bosse, Geschäftsführer der Südwerk Projektgesellschaft GmbH. Danach steht der Leitungsbau an. Doch genau der hat Proteste der Wald- und Feldbesitzer ausgelöst.

"Wir mischen uns in die Kommunikation zwischen Markt und Eigentümer nicht ein. Wir haben einen Gestattungsvertrag mit dem Markt und der ist ausschlaggebend für uns. Wir wollen aber auch ein gutes Miteinander mit den Nachbarn", sagt Zeller-Bosse. Der Geschäftsführer der Solarfirma geht davon aus, dass der Leitungsbau während der Herbst- und Wintermonate durchgeführt werden kann und dass die Anlage im nächsten Frühling - wie geplant - ans Netz geht.

"Wir prüfen derzeit alle Belange des Marktes und der Grundstückseigentümer. Wir kennen die Proteste. Und wir sind sehr sorgfältig, um festzustellen, ob es sich um berechtigte Einwände handelt oder nicht. Aber wir können jetzt schon sagen, dass wir hundertprozentig sicherstellen, dass wir uns nicht auf privatem Grund bewegen werden", sagt der Geschäftsführer von Südwerk.

Inzwischen hat die Planungsfirma den Anwohnern Vorschläge gemacht, wo Ablageplätze, die den Leitungsbau erleichtern würden, entstehen könnten. Für diese Ablageplätze, die nicht auf Gemeindegrund sind, würde die Solarfirma Entschädigungen zahlen - hohe Entschädigungen. "Wenn wir diese Ablageplätze nicht bekommen und wenn die Eigentümer, was natürlich ihr Recht wäre, diese nicht wollen, dann würde das für uns den Bau der Leitung zwar schwieriger machen, aber nicht verhindern", so Zeller-Bosse. Bislang habe man noch nirgendwo Probleme gehabt, eine Leitung zu realisieren.

Doch in Marienweiher sind die Anwohner auf 180: Sie sind sauer, dass - ohne dass sie informiert worden waren - einfach Pfähle in die Wälder und Felder gesteckt worden sind. Die Anlieger zweifeln den Grenzverlauf an. Sie bemängeln, dass sie für den Unterhalt der Wege finanziell herangezogen worden sind, dass sie aber im Vorfeld vom Markt nicht informiert waren und kein Mitspracherecht haben.

"Es hat aber inzwischen eine Besprechung mit allen Beteiligten gegeben. Wir haben klar gemacht, dass die Firma durch das Abstecken sich absichern wollte, dass sie sich wirklich nur auf öffentlichen Wegen bewegt", sagte Verwaltungsleiter Michael Laaber.

Ein Schreiben der Verwaltung gibt jedoch eine völlig andere Auskunft. "Das Vermessungsamt hat mitgeteilt, dass ein Großteil der Flurstücke der Gemarkung Marienweiher noch nicht festgestellt ist. Die Abweichungen der aus alten Unterlagen digitalisierten Koordinaten nicht festgestellter Grenzen zum tatsächlichen Grenzverlauf vor Ort können durchaus mehrere Meter betragen. Zur exakten Ermittlung des Grenzverlaufs ist eine Grenzermittlung durch das Vermessungsamt vor Ort notwendig. Erst mit der unterschriftlichen Anerkennung des Grenzverlaufs durch die anliegenden Eigentümer steht der Grenzverlauf rechtsverbindlich und zentimetergenau fest."

Doch nicht die Gemeinde, die ja mit der Solarfirma den Gestattungsvertrag abgeschlossen hat, möchte diese Grenzen feststellen lassen, sondern die Anlieger sollen zur Kasse gebeten werden: Der weitere Verlauf des Briefes, der von Verwaltungsleiter Michael Laaber unterzeichnet ist, bringt die Anlieger erneut auf die Palme: "Sollten Zweifel an der Trassenabsteckung bestehen, kann jeder der Beteiligten durch Stellung eines Vermessungsantragen, die abgesteckte Trasse überprüfen lassen. Die Kosten trägt der Antragssteller", erklärt der Verwaltungsleiter.

Norbert Lauterbach und die anderen Anlieger hatten dem Markt Marktleugast bereits eine Haftbarmachung für unrechtmäßiges Vorgehen angekündigt.

"Das Problem ist, dass der Markt nicht nachweisen kann, wo der Weg verläuft. Und wenn wir einen Nachweis wollen, sollen wir das auch noch bezahlen", schimpft Adalbert Kraxner.

Die Anlieger bemängeln zudem, dass die Breite nicht abgepflockt worden ist. "Ich habe keine Nutzungsvereinbarung erteilt", sagt Klaus Pezold. "Ich halte es für einen Skandal, dass Bäume in einem Wald, der durch den Klimawandel schon genug in Mitleidenschaft gezogen ist, jetzt auch noch gefällt werden sollen", sagt Pezold und hat diese Einwände auch per Einschreiben an die Leitungsplanungsfirma in Feldkirchen geschickt. "Ich habe Angst, dass die Wurzeln der Bäume durch die Leitung beschädigt werden. Ich will das einfach nicht haben", so Pezold. Max Ott befürchtet durch Wärmeabstrahlung eine Beeinträchtigung der Erträge auf den Feldern.

Manuel Zeller-Bosse betont, dass die Leitung weder Bäume noch Feldfrüchte beeinträchtigen würde. Die Leitung werde unterhalb der Fichtenwurzeln durchgeführt - in einer Tiefe, die für die flachwurzelnden Bäume unproblematisch ist. Auch die Wärmeabstrahlung sei minimal und an der Oberfläche nicht mehr messbar.

Inzwischen haben die Anlieger in Erfahrung gebracht, dass ein anderer Betreiber eine weitere Solaranlage plane: Im Bereich Alte Schmölz solle eine weitere 70 000 Quadratmeter große Freiflächenphotovoltaik entstehen. Die Mitglieder des Marktgemeinderates sollen in einer der nächsten Sitzungen darüber entscheiden.

"Jetzt wird langsam ein Schuh draus. Alles ist ein abgekartetes Spiel. Jetzt verstehen wir auch, warum die Leitung genau hier verlaufen soll", monieret Norbert Lauterbach. Diese zweite Anlage könnte dann die jetzt entstehende Leitung mitnutzen, bestätigen Mitglieder des Marktgemeinderates die noch nicht öffentlich vorgestellten, neuerlichen Planungen. "Die sollen doch die Leitung entlang der Hauptstraße bauen", schlug Lothar Schott vor. Doch genau dies hatten die Räte abgelehnt - aus finanziellen Gründen.

Inzwischen sind die meisten Abmarkungs-Pfähle für die Leitungstrasse entfernt oder zerstört. Offizieller Grund: Um keine Plastikteile in die Felder einzutragen. Vielleicht aber auch aus Mutwilligkeit und Ärger? "Die Grenzpunkte sind digital erfasst und vermessen, es stört nicht, wenn die Pfähle jetzt wieder weg sind", kommentiert Manuel Zeller-Bosse. In ländlichen Räumen ist es nicht ungewöhnlich, dass Felder "sich verlegt" haben. "Aber die digitalen Daten sind die exakten Grenzverläufe - das muss man immer sehen. Über GPS sind die Grenzverläufe bis auf zwei Zentimeter genau festgestellt", ist Manuel Zeller-Bosse zuversichtlich, dass auch in Marienweiher eine Lösung gefunden werde.

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