Stadtsteinach
Großeinsatz

Probe für den Ernstfall: Horrorszenen im Seniorenheim

Ein Brand im Seniorenheim ist das Schlimmste, was sich die Feuerwehren und die BRK-Rettungskräfte vorstellen können. Deshalb probten sie den Ernstfall in der Stadtsteinacher Einrichtung St. Marien. Dort fanden sie ein Horrorszenario vor.
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Keine einfache Sache: Die Bergung eines Rollstuhlfahrers und dessen Transport durch das Treppenhaus. Doch die Rettungskräfte meisterten bei der Großübung im Stadtsteinacher Seniorenheim auch diese Aufgabe mit Bravour. Foto: Sonja Adam
Keine einfache Sache: Die Bergung eines Rollstuhlfahrers und dessen Transport durch das Treppenhaus. Doch die Rettungskräfte meisterten bei der Großübung im Stadtsteinacher Seniorenheim auch diese Aufgabe mit Bravour. Foto: Sonja Adam
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Viel Zeit haben sich BRK-Rettungskräfte und die ehrenamtlich Tätigen der Feuerwehren für die Großübung im Seniorenheim St. Marien genommen. Schon lange vor dem Einsatz zeigten sie den Bewohnern die geschminkten Verletzungen und bereiteten die betagten Mitbürger auf das vor, was passieren wird. "Gleich geht der Alarm los, aber es muss niemand Angst haben", versicherten die Organisatoren. "Wir haben zusätzliches Personal hier, wir haben die Angehörigen verständigt und unsere Bewohner immer wieder über die Übung informiert", schildert Doris Ludwig vom Caritas-Pflegeheim die Situation.

Um 18.40 Uhr ging dann der Alarm los. Ohrenbetäubend. Die Bewohner hielten sich die Ohren zu, schauten, wie die Rettungskräfte vorgehen. "Feuer im zweiten Obergeschoss", so die Vorgabe. Wie viele Personen sich dort aufhalten, war nicht bekannt. Doch viele sind auf Hilfe angewiesen - das war klar.

Über hundert Aktive

Mit neun Autos waren mehr als hundert Aktive der Feuerwehren Stadtsteinach, Untersteinach, Presseck, Zaubach, Zettlitz und Gumpersdorf im Einsatz. Die Unterstützungsgruppe örtliche Einsatzleitung war angerückt, ebenso das BRK mit mehreren Einsatzwagen.

"Dieser Einsatz ist geplant, alle wussten Bescheid. Es geht in erster Linie um die Rettung der Menschen, um die Versorgung der Verletzten", erläuterte Kreisbrandrat Stefan Härtlein.

Für die Koordinierung des Einsatzes waren vor Ort Kreisbrandinspektor Horst Tempel und Einsatzleiter Alexander Reinsch zuständig. Die Rettungskräfte versuchten, sich mit Schwerem Atemschutz den Weg ins zweite Obergeschoss zu bahnen. Immerhin, die Treppe war nicht so verraucht, als dass sie nicht hätte benutzt werden können. Ohnehin: Auf echten Rauch hatten die Akteure mit Rücksicht auf die Bewohner des Seniorenheims verzichtet.

Blut und verbrannte Haut

Die Rettungskräfte erwartete ein Horrorszenario. Denn das Schminkteam hatte wirklich ganze Arbeit geleistet und die "Verletzten" wirklich schauerlich zugerichtet: mit verbrannter Haut, Platzwunden, mit Schwellungen, blutenden Wunden. Ein Mann hatte einen Herzinfarkt erlitten, sein Nitrospray wirkte nicht. Und immer wieder hatten es die Helfer mit verwirrten Menschen zu tun, die sich zur Wehr setzten, weil sie nicht verstanden, was um sie herum vorging. So könnte es auch in echt sein. "Das wäre einfach die schlimmste Katastrophe, die man sich vorstellen könnte", kommentierte Heimleiterin Doris Ludwig.

Bei den Bergungsarbeiten stellte sich schnell heraus, wie schwer es ist, einen verletzten Menschen auf einer Trage durchs Treppenhaus zu bugsieren oder einen ausgewachsenen Mann samt Rollstuhl über die Treppe zu tragen. Im Foyer leisteten die BRKler Erste Hilfe, versorgten und stabilisierten die Heimbewohner. Doch der Platz war schnell zu klein, immer wieder musste die nahe gelegene Fachklinik aufgesucht werden.

Fazit: Die Großübung war nicht nur für die Feuerwehr, sondern auch für die anderen Rettungskräfte eine echte Herausforderung. Die Erfahrung sei wichtig, waren sich alle Mitwirkenden zum Schluss einig. Doch alle wünschten sich nur eines: dass solch ein Ernstfall niemals wirklich passiert.



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