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Kulmbach
Entdecker-Tour (170)

Preußen auf der Plassenburg kapitulieren mit Musik

1806 erreichten die Franzosen Kulmbach. Die Besatzung der Plassenburg wehrte sich lange tapfer.
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Der Plan von 1806 zeigt die Lage der vier Geschützstellungen auf dem Buchberg (1 und 2) und am Rehberg (3 und 4) Repro: Erich Olbrich
Der Plan von 1806 zeigt die Lage der vier Geschützstellungen auf dem Buchberg (1 und 2) und am Rehberg (3 und 4) Repro: Erich Olbrich

Im Februar 1806 besetzten die Truppen des französischen Marschalls Bernadotte Ansbach. Die preußische Provinz wurde für die mit den Franzosen verbündeten Bayern eingenommen. Am 2. Oktober stellte Preußen, das als einzigen Verbündeten nur noch Sachsen hatte, ein Ultimatum an Frankreich und forderte den sofortigen Rückzug aller französischen Truppen über den Rhein.

Säbelhiebe gegen den Kopf

Doch die Franzosen dachten gar nicht daran. Auch die preußische Provinz Kulmbach-Bayreuth wurde sehr schnell von bayrisch-französischen Truppen besetzt. In der Nacht vom 9. zum 10. Oktober gegen 2 Uhr standen Reiter des bayerischen 2. Chevaulegers-Regiments "König" vor dem Bayreuther Tor - neben dem heutigen Café Stamm - und wollten in die Stadt Kulmbach hinein.

Die Kulmbacher Bürgerwache öffnete das Tor. Der Wagnermeister Merkel wurde jedoch von mehreren Säbelhieben schwer am Kopf verwundet, weil er sein Gewehr nicht abgeben wollte. Etwa 10 000 bayerische Soldaten lagerten in der Gegend um Kulmbach, bevor sie in Richtung Kronach weiterzogen.

Mit dem Tode bedroht

Die Bayern holten den Stadtdirektor Löwel aus dem Bett und brachten ihn zum Bayreuther Tor, wo er, mit der Todesstrafe bedroht, angeben musste, ob sich preußische Truppen in der Stadt befänden. Die hatten bereits im August 1806 den Befehl erhalten, sich vor herannahenden Franzosen zurückzuziehen.

Das am weitesten im Süden gelegene preußische Bollwerk, die Plassenburg, blieb aber von preußischen Truppen besetzt. Der 64-jährige Generalmajor Johann Adam Sigmund von Uttenhoven hatte das Kommando über die Festung. Zur Besatzung gehörten vier Majore, sieben Hauptleute, sieben Leutnants sowie 620 Unteroffiziere und Gemeine. Sie rüsteten sich für den Angriff des französisch-bayerischen Heeres.

Proviant für drei Monate

Die Plassenburg war mit einem Lebensmittelvorrat von drei Monaten ausgerüstet. Von Generalmajor von Tauentzien hatte der Festungskommandant den Befehl erhalten, die Plassenburg so lange zu halten, bis der Feind in der Verfassung sei, einen Sturm zu unternehmen.

Unter starkem Geschütz- und Gewehrfeuer von der Plassenburg gelang es dem 3. Linien-Infanterie-Regiment "Prinz Carl", den Rehberg und den Buchwald zu besetzen. Das 4. leichte Bataillon "Zoller" zog in die Stadt ein.

Geschütze in Stellung gebracht

Unter dem Kommando des Unterleutnants Freiherrn von Widmann gelang es der Batterie "v. Douwe" mit größter Anstrengung, die Geschütze die steilen Berghänge hochzubringen. Napoleons Bruder, Prinz Jeröme, der Oberbefehlshaber der bayerischen Truppen, quartierte sich im Schloss Steinenhausen ein. Sofort forderte er den Generalmajor von Uttenhoven zur Übergabe der Festung Plassenburg auf.

Dieser ging nicht auf das Ansinnen ein, daher versuchten die Bayern noch in der Nacht einen Handstreich vom Buchwald aus. Die Besatzung der Festung sollte durch einen Scheinangriff abgelenkt werden. Beide Versuche schlugen fehl, die Verteidiger waren auf der Hut und verstanden es zu schießen.

Für die Franzosen erschien die Einnahme der Festung von großer Wichtigkeit, bedrohte sie doch den Vormarsch gegen das in Thüringen stehende preußische Heer.

2110 Mann als Blockade

Für eine erfolgreiche Belagerung stand aber die notwendige schwere Artillerie noch nicht zur Verfügung, so blieb das 13. Bayerische Linien-Infanterie-Regiment mit 2110 Mann als Blockade-Truppe zurück.

Die Stadtbevölkerung litt unter den Schießereien und den Einquartierungen. Die Gerüchteküche über das hin und her wogende Kriegsgeschehen kochte. Die schrecklichen Niederlagen der Preußen vor Saalfeld und bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 mochten schließlich der Plassenburg-Besatzung Anlass zum Umdenken gegeben haben. So wurde vereinbart, dass auf die gegnerischen Posten nicht mehr geschossen werden durfte. Durch die totale Niederlage Preußens wurde die Belagerung eigentlich zu einer Nebensache. Es fielen kaum noch Schüsse, die Bayern beschenkten die gegnerischen Offiziere mit Tabak, Kaffee und Sonstigem.

Die Besatzung der Burg wurde über das Geschehen informiert, lehnte aber eine Übergabe ab. So wurden auf Befehl der Bayern und Franzosen auf den Höhen um die Plassenburg Geschützstellungen aufgebaut. Auf direkten Befehl Napoleons wurden die Belagerung verstärkt und schwere Artillerie aus Rothenberg, München und Ingolstadt herbeigeschafft.

Vier Stellungen

Artillerie-Major Lamey kam nach Kulmbach, um vier gegen die Plassenburg gerichtete Batterien auszubauen. Zwei davon lagen hintereinander auf dem Buchberg, die Wurfbatterie Nummer 1 rund 280 Meter, die Nummer 2 etwa 420 Meter von den östlichen Werken der Plassenburg entfernt. Die beiden anderen befanden sich südlich der Plassenburg auf dem Rehberg. Am Rehturm die Nummer 3 in einer Entfernung von 700 Metern, die Nummer 4 am Gehöft Rehberg, 500 Meter entfernt.

Am 23. November wurden die bisherigen Belagerungstruppen abgelöst. Der neue Kommandeur der bayerisch-französischen Verbündeten, Karl Graf Beckers, ließ die Artillerie gleich in die vorbereiteten Stellungen einrücken - mit sechs Haubitzen und sechs Kanonen.

Diese Aktivitäten blieben auf der Burg nicht verborgen. Ein bayerischer Parlamentär zeigte Generalmajor von Uttenhoven die Sinnlosigkeit einer weiteren Verteidigung auf und drohte mit dem Beschuss. Von Uttenhoven stimmte nun der Kapitulation zu, noch am selben Tag wurde ein Übergabevorschlag mit Garantien, die Behandlung der preußischen Besatzung betreffend, überreicht.

Am 25. November besetzten bayerische Truppen die Festung, am kommenden Tag zog die preußische Besatzung mit klingendem Spiel aus der Plassenburg. Sie sollte ihre Waffen am Stadttor abgeben, ließ es sich aber nicht nehmen, diese zu zerschlagen.