Kulmbach
Interview

Polizeikontrollen in Kulmbach: Autofahrer sind genervt

Stimmt der Eindruck, dass die Kulmbacher Polizei mehr kontrolliert? Polizeichef Peter Hübner stellt sich unseren Fragen.
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Da wird jeder Autofahrer nervös: Wenn  er bei einer Verkehrskontrolle von der Polizei angehalten wird. Foto: Stephan Tiroch
Da wird jeder Autofahrer nervös: Wenn er bei einer Verkehrskontrolle von der Polizei angehalten wird. Foto: Stephan Tiroch
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Dieses Gefühl kennt jeder Autofahrer: Wenn im Rückspiegel die Aufforderung auftaucht: "Stop! Polizei!" - dann wird die brävste Klosterfrau nervös. Eine Verkehrskontrolle empfinden die meisten Autofahrer als unangenehm. Man soll Fragen beantworten und fast immer in den Alkomaten pusten.

Am Arbeitsplatz, auf dem Wochenmarkt oder am Stammtisch wird unter Autofahrern derzeit viel über die Polizei diskutiert. Fast jeder kennt eine Geschichte: Der Opa, der frühmorgens seine Enkelin zur Berufsschule fährt, der Mann, der mittags im Gasthaus Gögerla holt, oder der Handwerker, der am Nachmittag im Baumarkt Material besorgt - zu jeder Tages- und Nachtzeit wird in Kulmbach und Umgebung kontrolliert. Viel mehr als früher, so der Eindruck der Leute.

Hat die Kulmbacher Polizei ihre Kontrollen ausgeweitet? Und wenn ja, warum? Darüber haben wir mit Erstem Polizeihauptkommissar Peter Hübner gesprochen. Der Bayreuther (53) ist seit eineinhalb Jahren Chef der Kulmbacher Polizei.

Wie oft wurden Sie von der Polizei kontrolliert?

Peter Hübner: Öfters schon, das letzte Mal vor zwei Jahren in Bayreuth.

Was wollten Ihre Kollegen?

Verkehrskontrolle, haben Sie was getrunken? Es war früh um drei Uhr, als ich meinen Sohn von der Disko abholte.

Hatten Sie was getrunken?

Nein, natürlich nicht. Bei der Kontrolle war alles korrekt. Die Kollegen haben mich so behandelt, wie ich es mir vorstelle. Sie wissen bis heute nicht, dass ich Polizeibeamter bin.

Ist der Eindruck richtig, dass die Kulmbacher Polizei in letzter Zeit verstärkt kontrolliert?

Das subjektive Empfinden der Bürger stimmt. Wir versuchen mehr zu kontrollieren. Aber das machen alle Polizeiinspektionen. Genaue Zahlen kann ich zurzeit noch nicht nennen.

Können Sie verstehen, dass manche Autofahrer genervt sind?

Jeder Polizist weiß, dass es für einen Autofahrer eine Ausnahmesituation ist, wenn er angehalten wird. Wir verstehen die Nervosität des Bürgers und wollen schnell klar machen, worum es geht. Zum Beispiel kann es eine Fahndung sein, wenn Fahrzeuge gestohlen wurden. Dann suchen wir diesen speziellen Fahrzeugtyp, das hat dann nichts mit dem Autofahrer persönlich zu tun. Man sollte keine Angst vor der Polizei haben, sehr häufig ist es eine reine Routinekontrolle.

Hat die Polizei bestimmte Autofahrer auf dem Kieker? Ein Kulmbacher wurde in einer Woche dreimal kontrolliert und sollte dreimal pusten ...

Wir kontrollieren in Bereichen, wo wir vermuten, dass es sinnhaft ist. In Gegenden, wo Einbrüche oder Diebstähle begangen wurden. Deshalb werden dort so viele Autos wie möglich kontrolliert. Da wir im Schichtdienst arbeiten, weiß man nicht, was die Kollegen am Vortrag gemacht haben. So etwas kann also vorkommen. Aber es ist nicht so, dass wir jemand auf den Kieker haben. Ich habe auch schon solche Beschwerden bekommen, und konnte es jedes Mal widerlegen. In Einzelfällen kriegen wir auch mal Hinweise, aber das sind die absoluten Ausnahmen.

Gibt es Anordnung von oben, verstärkt zu kontrollieren?

Ja, das Innenministerium und das Polizeipräsidium haben in bestimmten Bereichen der Kriminalität und des Verkehrs festgestellt, dass präventiv mehr getan werden muss. Zum Beispiel ist die Zahl der Geschwindigkeitsunfälle und der Trunkenheitsunfälle mit schweren Folgen sehr hoch. Oder: Kulmbach ist eine Transitregion. Deshalb müssen die überörtlichen Straßen kontrolliert werden. Dazu bekommen wir Verstärkung von anderen Dienststellen. Wir haben auch schon Erfolge. Unter anderem sind in der Region die Einbrüche tagsüber deutlich weniger geworden. Denn auch die Gegenseite kriegt mit, dass wir mehr kontrollieren.

Geht es nur darum, Alkoholsünder zu erwischen?

Nein, es geht vor allem um die Erhöhung der Sicherheit und des Sicherheitsgefühls der Bevölkerung in allen Bereichen.

Was bezweckt die Polizei mit den Kontrollen?

Die Menschen sollen wissen, dass sie in einer der sichersten Regionen leben. Diesen Standard wollen wir halten und wenn möglich noch verbessern. Unser Ziel ist es, so viel Personal wie möglich auf die Straße zu bringen. Das wird sich in nächster Zeit nicht ändern. Denn nur durch viele Kontrollen kommen wir an Informationen ran, um die Kriminalität zu bekämpfen und die Verkehrssicherheit weiter zu fördern. Wie hören auch von den Leuten: Gut, dass mehr kontrolliert wird, wir fühlen uns sicherer.

Rechtsanwalt: Das sind Ihre Rechte

Kontrolle Der Mainleuser Rechtsanwalt Ulrich Gödde erklärt, welche Rechte Autofahrer bei Polizeikontrollen haben. Er sagt: "Anhalten, wenn das Signal kommt, und Scheibe runterdrehen. Aussteigen erst mal nicht." Pflicht sei es, Angaben zur Person zu machen, Fahrzeugschein und Führerschein vorzuzeigen - nach Aufforderung auch Warndreieck, Verbandskasten und Warnweste. Fragen nach der roten Ampel oder Alkoholkonsum müssten nicht beantwortet werden. Pusten oder Drogentests vor Ort seien freiwillig. Gibt es aber einen konkreten Verdacht, müsse man Tests im Krankenhaus oder auf der Polizeiwache über sich ergehen lassen. Auto, Taschen oder Handy dürfen nicht durchsucht werden - es sei denn, es liegen Anhaltspunkte für eine Straftat vor.

Kulmbacher Polizei akzeptiert Plastikgeld

Man kennt es vom Einkauf: In jedem Geschäft kann der Kunde mit der Karte zahlen. Und jetzt nimmt auch die Kulmbacher Polizei das Plastikgeld: Inspektionsleiter Peter Hübner stellte beim Interview das neue Card-Cash-System vor.

Falsch geparkt, zu schnell gefahren oder Mängel am Fahrzeug: Bisher konnte "Knöllchen" nur bar bezahlt werden. Das ist nun anders. Die Streifenwagenbesatzungen haben bei Kontrollen ein mobiles Kartenlesegerät dabei. Akzeptiert werden Kredit- oder EC- Karte.

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