Kulmbach
Entdecker-Tour

Pörbitscher Schatz in Kulmbach: erst vergraben, dann vergessen

Nur durch Zufall tauchte der Pörbitscher Schatz 1912 bei Bauarbeiten in Kulmbach wieder auf. Heute sind die Kostbarkeiten auf der Plassenburg ausgestellt.
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Der Pörbitscher Schatz kann im Landschaftsmuseum Obermain bestaunt werden. Foto: Erich Olbrich
Der Pörbitscher Schatz kann im Landschaftsmuseum Obermain bestaunt werden. Foto: Erich Olbrich
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Der 23. August 1912 war für das junge, erst vor zwei Jahren eröffnete Luitpold- Museum in Kulmbach ein Glücksfall ersten Ranges. An diesem Tag wurde der Pörbitscher Schatz ans Tageslicht befördert.

Auf dem Bauplatz von Georg Schrauder in der Blaicher Straße stießen die Arbeiter beim Ausheben des Grundes in einer Tiefe von 80 bis 90 Zentimetern auf 40 Prunkgegenstände verschiedenster Art. Darunter waren gedeckelte Pokale, Doppelbecher, Salzgefäße, Besteck in einer Scheide, Löffel und Löffelstiele, ein Fortuna-Schiff und Schmuckketten, alles gut erhalten, reich verziert, teilweise aus Silber, teilweise vergoldet.

Nach der ersten Aufregung verteilten sich die Bauarbeiter auf die nächsten Wirtschaften in der Blaich und in der Pörbitsch, um die Reinigung der Fundstücke mit einem süffigen Kulmbacher Bier zu vollenden.

Vorkaufsrecht eingeräumt

Zum Glück erhielt der Magistrat rasch Kenntnis von diesem Fund. Der Magistratssekretär Andreas Flessa war daher sofort vor Ort, um eine Verschleuderung der Gegenstände zu verhindern und diese mit Oberwachtmeister Schuster in amtliche Verwahrung zu nehmen. Auch ließ er sich - noch in der Wirtsstube - sicherheitshalber das Vorkaufsrecht einräumen.

Die Kunde von dem Pörbitscher Fund verbreitete sich in Windeseile, den Schatzfindern fehlte es nicht an ernstzunehmenden Nachfragen und Angeboten. Zur gleichen Zeit sicherten sich der Bauleiter und vier beim Ausgraben des Schatzes beteiligte Arbeiter ihr Recht auf Finderlohn durch schriftliche Anmeldung.

Anweisung aus dem Urlaub

Der in Urlaub befindliche Amtsvorstand und königliche Hofrat Wilhelm Flessa erteilte die Weisung, den Schatz unverzüglich an das Generalkonservatorium zur Begutachtung zu senden und alles weitere zurückzuhalten, bis er wieder in Kulmbach sei.

Dr. Hager, Vorstand des Generalkonservatoriums, war begeistert. Er kündigte gleich seinen Besuch in Kulmbach an und empfahl der Stadt, alles für den Ankauf der Gegenstände zu tun. Nach etlichen eindringlichen Verhandlungen mit dem Eigentümer und seinen Ratgebern war die Inbesitznahme gelungen.

Anscheinend hat das bekannt wundertätige Mittel der sofortigen Barzahlung auch in diesem Fall geholfen. Hocherfreut sicherte Dr. Hager 1000 Mark als Zuschuss des Staates in Aussicht.

Aus dem 16. Jahrhundert

Die Bestandsaufnahme ergab vier Pokale mit Deckeln bis zu einer Höhe von 34 Zentimetern, zwei große Doppelpokale, zwei Pokale ohne Deckel, ein Schalengefäß in Form eines Fortuna-Schiffes, drei Salzgefäße, eine Reihe von Besteckstücken und drei Schmuckketten.

Die kunstvollen Goldschmiedearbeiten stammten alle aus dem 16. Jahrhundert.

Nach dem Reichsgesetz von 1548 versahen Meister ihre Arbeiten mit ihren persönlichen Zeichen. So konnte man feststellen, dass Augsburger, Nürnberger und Kulmbacher Werkstätten an der Herstellung beteiligt waren. Viele Gegenstände trugen das Zeichen C für Culmbach. Damit und mit den Nachforschungen von Karl Sitzmann, konnte der Nachweis erbracht werden, dass Kulmbach im 16. Jahrhundert ein Sammelplatz von etwa 40 Goldschmieden war.

Aus Bamberg vertrieben

Der bedeutendste Mann seiner Zunft war Hans Liebmann, den man wegen seines Glaubens 1596 aus Bamberg vertrieben hatte. In Kulmbach erwarb er das Haus Marktplatz 5 und erlangte hohes Ansehen. Auch sein Zeichen findet sich auf einigen Fundstücken. Ferner kann man mehrere Jahreszahlen entdecken, die späteste ist 1631.

Die Wappen und Eigentümermonogramme LG (Lorenz Gutteter), GFG (Georg Friedrich Gutteter) oder auch der vollständige Namenszug GUTTETER weisen eindeutig auf die Kulmbacher Kaufmannsfamilie Gutteter als Besitzer des Pörbitscher Fundes hin. Das Stammhaus der Familie befand sich im Anwesen Obere Stadt 9.

Im Häuserbuch von Richard Lenker wird bereits 1457 ein Friedrich Gutteter als erster Besitzer genannt. Heute befindet sich darin das griechische Lokal "Zum Bully".

Aber wie kam dieser Familienschatz in die Pörbitsch? Auch in Franken wütete der 30-jährige Krieg, wobei 1632 für Kulmbach eines der schlimmsten Jahre war. Im September zog Wallenstein mit seinen kaiserlichen Truppen durch Oberfranken in Richtung Sachsen. Sein General Holk hatte bereits im August vor allem in Hof gehaust.

Panische Angst

Panische Angst verbreitete sich nun in Kulmbach. Zwar widerstand die Plassenburg den Angriffen, aber in der Stadt und ihrer Umgebung plünderten die Soldaten des Generalwachtmeisters Lamboy heftig. Die Familie Gutteter erkannte wohl rechtzeitig die Gefahr und brachte den wertvollen Tafelschatz zu ihrem Grundstück in der Pörbitsch, um ihn dort vor den Feinden zu vergraben.

Im schlimmen Pestjahr 1634 starben fast 1900 Bewohner der Stadt, darunter auch Lorenz und Magdalena Gutteter. Mit ihnen verschwand das Wissen um den Ort des geheimen Schatzes.

Erst fast 280 Jahre später stießen Bauarbeiter zufällig darauf.

Übrigens, auch heute noch kann man in der Pörbitsch seinen "Schatz" finden, so wie einer der beiden Autoren vor 40 Jahren ...



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