Kulmbach
Umweltschutz

Plastikfrei einkaufen in Kulmbach ist mitunter gar nicht so einfach

In Kulmbach lässt sich oft auf Einwegverpackungen verzichten. Aber es klappt nicht immer. Ein Selbstversuch.
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Buttermilch und Sahne, Käse, Brötchen und Gemüse: Bei diesem Einkauf, den Heike Schulz hier in Dave's Biomarkt abkassiert, gibt es keine Einwegverpackungen und keinen Plastikmüll.Foto: Katrin Geyer
Buttermilch und Sahne, Käse, Brötchen und Gemüse: Bei diesem Einkauf, den Heike Schulz hier in Dave's Biomarkt abkassiert, gibt es keine Einwegverpackungen und keinen Plastikmüll.Foto: Katrin Geyer

"Kein Plastik!" Zwei Worte. Ein Riesen-Projekt. Eine Herausforderung, der ich mich aus freien Stücken gestellt habe, eine selbst gewählte Aufgabe.

Zwar hängen, wenn die Müllabfuhr kommt, bei uns deutlich seltener gelbe Säcke am Zaun als bei den Nachbarn, und sie sind, wenn sie hängen, selten ganz voll. Wir sind also wohl, wie man so schön sagt, auf einem guten Weg.

Trotzdem: Ich will versuchen, meinen Verpackungsmüll noch weiter zu reduzieren. All das Tüten- und Behälter-Zeugs, das man kauft, nach Hause trägt und kurz danach wegwirft. Die Folgen für die Umwelt sind längst bekannt. Irgendwann werden wir eine Dose Makrelenfilet in Tomatensoße öffnen und darin kleine Plastikfische finden.

Also nehme ich mir vor: "Kein Plastik!". Und auch sonst möglichst keine Verpackungen. Ein Selbstversuch.

Gemüse kommt ins Netz

Samstagvormittag auf dem Wochenmarkt: Manche Verkäufer sind blitzschnell, wenn es um den Griff zur Plastiktüte geht. Man muss also genau aufpassen und sich wehren. "Bitte keine Tüte!" Von der Verkäuferin kommt ein verständnisloser Blick. Wohin nun mit dem Kilo Rosenkohl?

In meinem Einkaufskorb liegen einige Baumwollnetze. Federleicht, waschbar. Da hinein passt leicht das Kilo Rosenkohl. Und obendrauf noch zwei Handvoll Tomaten. Radieschen, Wirsing, zwei Knollen Knoblauch, drei Stangen Lauch: Das kann alles lose in meinen Korb. Und die Kartoffeln? Für die habe ich noch ein weiteres Netz dabei. Geht doch!

Montagmittag im Supermarkt: Auf dem Einkaufszettel stehen Butter, Sahne, Schinken, Milch und Eier. Die Eier sind das kleinste Problem. Zehn Stück, bio, im Pappkarton. Auch Milch und Sahne lassen sich umweltfreundlich verpacken. In einer Glasflasche. Das macht meine bevorzugte Molkerei, und das macht der Landwirt aus dem Raum Bayreuth, der im Vorraum des Supermarkts einen Milch-Automaten aufgestellt hat.

Zwar muss ich mir die Glasflasche dort zunächst einmal kaufen. Aber so habe ich wenigsten die absolute Gewissheit, dass die Flasche nicht doch nach dem ersten Gebrauch in den Müll wandert.

Die Butter? Da muss man die Folie, in die das 250-Gramm-Stück eingepackt ist, wohl in Kauf nehmen. Lose Butter wird nur selten einmal angeboten. Und die Supermarktalternative zur Folie ist der Plastikbecher - und damit keine.

Oft kommt's aufs Personal an

Was den Schinken angeht - da ist die Herausforderung mal klein, mal groß. An vielen Frischtheken kann man sich mittlerweile Fleisch, Wurst und Käse und sogar Fisch in mitgebrachte Behälter abfüllen lassen. Theoretisch.

Wie gut das praktisch funktioniert, hängt, so meine Erfahrung, wohl letztlich vom Personal ab. Der eine macht's so, der andere so. Vorbildlich agiert die junge Frau an der Fisch-Theke: Ich stelle meinen Glasbehälter auf ein Tablett. Das packt sie auf die Waage, die sie mittels der Tara-Taste auf 0 stellt. Dann schichtet sie säuberlich Stück für Stück die Schollenfilets ein. "Kommt noch was dazu?" fragt sie. "Da wär' noch Platz im Behälter." Und als ich mich lobend darüber äußere, dass das so gut klappt, meint sie: "Das hätten wir schon längst haben können, wenn die Bereitschaft da gewesen wäre."

Bei ihrem Kollegen, der mir den Schinken abschneidet, wird es etwas komplizierter. Er stellt das Tablett mit meinem Behälter neben die Waage, legt ein Papier auf die Waage, und wenn ich ihm das schon nicht ausreden kann ("Hygiene! Vorschrift!"), so kann ich ihn doch nach einigem Hin und Her wenigstens davon abhalten, zwischen die Schinkenscheiben kleine Stücke Plastikfolie zu legen. Aber immerhin: Auch nach diesem Einkauf habe ich ein gutes Gefühl.

Im Laufe der Woche kaufe ich noch öfters verpackungs-sparend ein: Bier, Wasser und Buttermilch in Mehrwegflaschen. Käse Aus dem Bio-Laden in der Mehrwegbox, Brot und Brötchen beim Bäcker lose in meiner Stofftasche. Geht doch super!

Irgendwann aber erhält meine Euphorie einen gehörigen Dämpfer: Klopapier, Haarshampoo, Zahnpasta, Tomatenmark, Reis oder Nudeln: Ums Plastik kommt man kaum herum, weder im konventionellen Handel noch im Bio-Laden. Und so sammelt sich im Laufe der Woche doch etliches an Verpackungsmaterial bei mir an, das von der Küche direkt in den gelben Sack wandert.

Sicher: Man könnte noch mehr suchen, noch mehr recherchieren, wo es Dinge "ohne" zu kaufen gibt. Aber zwischendrin muss man ja auch mal essen, schlafen, arbeiten gehen!

Ganz ohne geht es nicht

Kein Plastik! Das hieße in letzter Konsequenz: Viel, viel Zeit investieren ins manchmal lästige Einkaufen. In viele Läden fahren - natürlich umweltfreundlich mit dem Rad.

Das hieße aber auch: Nie mehr nach Feierabend einen "Döner mit alles zum Mitnehmen", verpackt in Alufolie und Plastiktüte. Und vor allem: Nie mehr meine heiß geliebten Lakritzbonbons, von denen jeder einzelne säuberlich in Folie verpackt ist.

"Kein Plastik!" Nur zwei Worte. Aber ein Riesenprojekt.

Lesen Sie hierzu auch unseren Kommentar.

In Kulmbach machen fast alle mit

Tiefkühlgemüse im Kunststoff-Beutel, Camembert in Alufolie, Schoko-Kekse im Pappkarton mit Plastik-Einlage. Dazu Tetrapacks, leere Spülmittelflaschen und Gummibärchen-Tüten: In einem normalen Haushalt kommt im Laufe einer Woche einiges an Verpackungsmüll zustande.

Und es wird immer mehr, was da im Landkreis Kulmbach im Gelben Sack oder im Weißblech-Container landet. 26,19 Kilogramm je Einwohner haben die Statistiker der Abfallwirtschaft im Landratsamt Kulmbach im Jahr 2012 registriert, 28,57 Kilogramm im Jahr darauf. Nach einem leichten Rückgang in den Jahren 2014 und 2015 stiegen die Zahlen erneut. 28,83 Kilogramm Verpackungsmüll hat jeder Landkreisbewohner im letzten Jahr im Durchschnitt produziert.

Keine konkreten Vorgaben

Weil längst bekannt ist, wie fatal sich diese Entwicklung auf unsere Umwelt auswirkt, versucht das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucher seit geraumer Zeit, gegenzusteuern und die Verbraucher zu umweltbewusstem Einkaufsverhalten zu animieren. Was bislang absolut tabu war, ist seit September nun erlaubt: Geschäfte dürfen an ihren Frischetheken Fleisch, Wurst oder Käse ganz offiziell in Verpackungen abfüllen, die der Kunde selbst mitgebracht hat.

"Es gibt diesbezüglich keine konkreten Vorgaben", erläutert Erwin Burger, der für den Verbraucherschutz zuständige Sachgebietsleiter am Landratsamt Kulmbach. "Wie das in der Praxis geregelt wird, liegt im Verantwortungsbereich des jeweiligen Unternehmens."

Klar ist: Hygienische Standards müssen nach wie vor eingehalten werden. "Uns wäre es am liebsten, wenn die Behälter der Kunden nicht hinter die Ladentheke kämen", Burger.

Wir haben uns in verschiedenen Kulmbacher Lebensmittelgeschäften danach erkundigt, wie man das im Einzelfall handhabt. Das erfreuliche Ergebnis unserer Umfrage: Fast überall ist es kein Problem, wenn der Kunde seinen eigenen Behälter mitbringt. An manchen Fleischtheken wird der Kunde darum gebeten, seinen Behälter auf die Theke zu stellen. Anderswo hat man extra zu diesem Zweck Tabletts angeschafft, die als Unterlage dienen, mit der der Behälter direkt auf die Waage gestellt werden kann.

Unsere - nicht repräsentativen - Testkäufe haben aber auch gezeigt, dass der Kunde immer ganz explizit danach fragen muss, ob man ihm den mitgebrachten Behälter befüllt. Die Frage "Haben Sie einen Behälter dabei?" hat uns niemand gestellt.

Völlig problemlos stellt sich die Angelegenheit in den heimischen Bäckereien dar: Wer da mit einer Stofftasche oder einem Korb zum Einkaufen kommt, kann Brot und Brötchen ganz ohne Einwegverpackung nach Hause tragen.



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