Kulmbach
Energie

Photovoltaik: WGK will die "PV-Stadt Kulmbach"

Von einer "Bürger-PV-Stadt Kulmbach" träumt die Wählergemeinschaft, die Photovoltaikanlagen auf großen Dächern im Stadtgebiet realisieren will.
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Von einer "Bürger-PV-Stadt Kulmbach" träumt die WGK. Photovoltaikanlagen sollen auf großen Dachflächen errichtet werden, die Bürger könnten sich an der Investition beteiligen. Symbolbild: Archiv
Von einer "Bürger-PV-Stadt Kulmbach" träumt die WGK. Photovoltaikanlagen sollen auf großen Dachflächen errichtet werden, die Bürger könnten sich an der Investition beteiligen. Symbolbild: Archiv

Die Frage, ob bei Grafendobrach eine große Freiflächen-Photovoltaikanlage errichtet werden darf, hat die Gemüter erhitzt. Die Diskussion schlägt hohe Wellen und ist wohl noch lange nicht beendet. Die SPD-Fraktion, die Grünen und das Energiebündnis fordern (wie berichtet), dass der Grundsatzbeschluss aufgehoben wird, der Freianlagen verbietet und Photovoltaik allein auf Dächern zulässt. Über den Antrag soll in der nächsten Stadtratssitzung entschieden werden.

Es ist eine Sitzung, die Zündstoff birgt, denn auch Wählergemeinschaft und CSU haben Anträge gestellt. Während die Christsozialen die Einführung eines Solarpotenzialkatasters in Stadt und Landkreis Kulmbach wollen (siehe Artikel unten), strebt die WGK die "Bürger-PV-Stadt Kulmbach"an.

"Ökologisch sinnvoll"

Die WGK will den Grundsatzbeschluss aufrechterhalten, den Ausbau der erneuerbaren Energien aber nicht blockieren, sondern auf einem anderen Weg forcieren. Was sie sich unter einer "Bürger-PV-Stadt " vorstellt? Wie Vorsitzender Ralf Hartnack gestern bei einem Pressegespräch erläuterte, hält die WGK daran fest, dass PV-Anlagen nach wie vor möglichst auf ökologisch bereits beeinträchtigten Flächen errichtet werden sollen. Und dazu gehörten die Dachflächen. "Mit jeder PV-Anlage, die auf den Dächern errichtet wird, wird im Gegensatz zu Freiflächenanlagen keine zusätzliche Fläche verbraucht, was aus ökologischer Sicht sinnvoll ist", betont Hartnack.

In Kulmbach gebe es bis dato kaum Photovoltaik auf Dächern. Vor allem Industrie- und große Einzelhandelsbetriebe würden diese Möglichkeit der Energieerzeugung kaum nutzen. Dass sich das ändert, das wünscht sich die Wählergemeinschaft, die darauf hofft, dass sich aus einer Kooperation von Stadt, Gebäudeeigentümern, Bürgern und eines Kreditinstitutes eine "Bürger-PV-Stadt Kulmbach" gründen lässt.

Die Rolle der Bürger

Eine wichtige Rolle sollen die Bürger einnehmen, die als Investoren und Konsumenten auftreten könnten. Das Modell der WGK sieht vor, dass die Bürger bei der Sparkasse Kulmbach-Kronach ("Selbstverständlich können auch andere Regionalbanken zusätzlich beteiligt sein") Anteile beispielsweise an einem eigens dafür aufgelegten Fonds erwerben. Das Kreditinstitut sammle das Geld und finanziere damit die PV-Anlagen. Die Bürger erhielten aus dem Stromverkauf eine jährliche Rendite, alternativ eine vereinbarte Menge an kostenlosem Strom von den Stadtwerken.

Langfristige Mieteinnahmen

Der städtische Eigenbetrieb sollte nicht nur prüfen, ob sich Anlagen realisieren lassen, sondern wäre auch für die Anmietung der Dachflächen, den Aufbau und die Wartung der Anlagen sowie für den Stromverkauf zuständig. Die Eigentümer könnten mit langfristigen Mieteinnahmen rechnen.

Wie Ralf Hartnack mitteilte, wurde die Sparkasse bereits kontaktiert. Sie habe Interesse. Ihr komme die Aufgabe zu, die Finanzierung zu prüfen und Renditeberechnungen vorzunehmen. Aufgabe der Stadt wäre es, Marketingstrategien zu entwickeln, "damit das Projekt ausreichenden Bekanntheitsgrad erzielt".

Das sagt die Sparkasse

Die Sparkasse selbst hält sich noch bedeckt. "Wir möchten hier einer Entscheidung im Stadtrat nicht vorgreifen", sagt Pressesprecher Markus Lieb, stellt aber fest: "Als zuverlässiger Partner an der Seite unserer Stadt stehen wir für Ideen und deren Umsetzung grundsätzlich gerne zur Verfügung."

Dass das Konzept der Wählergemeinschaft auch die Stadtratsfraktionen überzeugt, die den Grundsatzbeschluss kippen wollen, hofft neben Ralf Hartnack auch der frühere Bürgermeister Stefan Schaffranek, der das von Hartnack erarbeitete Konzept lobt. Über die "Bürger-PV-Stadt Kulmbach" könnte nach seinen Worten ein lokaler Beitrag zur Energiewende geleistet werde, ohne wie bei Freiflächenanlagen einen weiteren Landschaftsverbrauch vornehmen zu müssen.

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