Kulmbach
Urlaubszeit

Pflegelotto: Kurzzeitpflege-Plätze im Raum Kulmbach sind knapp

Wer derzeit auf die Schnelle einen Kurzzeitpflegeplatz benötigt, braucht ein kleines Wunder. Jochen Illing gehört zu denen, die bei der Suche Glück hatten.
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Jochen Illing weiß seine Mutter Elfriede in der Karl-Herold-Senioren-Wohnanlage gut versorgt. Beide sind froh, dass sie mit viel Glück nun auch für die Schwester der Mutter einen Kurzzeitpflegeplatz im gleichen Haus bekommen haben. Foto: Dagmar Besand
Jochen Illing weiß seine Mutter Elfriede in der Karl-Herold-Senioren-Wohnanlage gut versorgt. Beide sind froh, dass sie mit viel Glück nun auch für die Schwester der Mutter einen Kurzzeitpflegeplatz im gleichen Haus bekommen haben. Foto: Dagmar Besand

Der Notfall kam von heute auf morgen. Jochen Illing aus Kulmbach bekommt einen Anruf von seiner Tante Linde: "Ich kann nicht mehr allein." Die 88-Jährige klagt über Schmerzen, kann nicht einmal das Nötigste erledigen. Siglinde Kleemeier hatte ein paar Monate zuvor eine schwere Operation über sich ergehen lassen müssen, war dann allein zu Hause in Hof. Doch es fiel ihr immer schwerer, ihren Alltag zu meistern.

Jochen Illing wird sofort aktiv: Ein Kurzzeitpflegeplatz für die Tante muss her, möglichst in Kulmbach, damit er bei Problemen immer schnell zur Stelle ist. Doch in den Sommerferien ist das eine fast unlösbare Aufgabe. Die wenigen Kurzzeitpflegeplätze sind belegt, freie Betten in Pflegeheimen in ganz Oberfranken Mangelware.

Der 68-Jährige hat unverhofft Glück und kann seine Tante kurzfristig im Karl-Herold-Senioren- und Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt in der Johann-Brenk-Straße unterbringen. In einem der Appartements der Anlage wohnt seine Mutter Elfriede. So kann Illing sich auf kurzen Wegen um beide alte Damen kümmern. "Ich bin sehr erleichtert, dass das geklappt hat. Das war ein Riesenglück, dass gerade ein Platz frei wurde, als ich ihn gebraucht habe."

Möglich war das tatsächlich nur deshalb, weil das Pflegeheim in der Brenkstraße in der kritischen Urlaubszeit deutlich mehr Kurzzeitpflegegäste aufnimmt als eigentlich für die Einrichtung vorgesehen sind. "Wir haben im Moment 15 Kurzzeitpflegegäste", sagt Heimleiterin Renate Seuß. "Und auch das reicht noch bei weitem nicht. Ich muss jeden Tag mindestens drei Anfragen ablehnen." Genauso ergeht es den Verantwortlichen in den anderen Heimen im Landkreis.

Das Unmögliche möglich machen

Wie prekär die Situation ist, davon kann Katrin Kesselbaur, Fachkraft für Pflegeüberleitung am Klinikum Kulmbach, ein Lied singen. Kesselbaur und ihre Kolleginnen versuchen tagtäglich das Unmögliche möglich zu machen und Lösungen für Patienten zu finden, die entlassen werden, aber vorübergehend oder dauerhaft auf Pflege oder andere Formen der Unterstützung angewiesen sind.

"Unser Vorteil ist: Wir haben sehr gutes Netzwerk", sagt Katrin Kesselbaur. Das kann zwar die vorhandenen Plätze nicht vermehren, aber die Expertin weiß, an wen sie sich in Notfällen wenden kann. "Die Heime bei uns in der Region sind sehr hilfsbereit. Aber wenn keine Betten frei sind oder nicht genug Personal vorhanden ist, dann geht's halt nicht."

Trotz aller Schwierigkeiten: Niemand muss Angst haben, ohne Anschlussversorgung entlassen zu werden. "Irgendeine Lösung finden wir immer", sagt die nervenstarke Expertin, die seit 26 Jahren im Klinikum arbeitet. Entweder gibt es eine Lösung mit Betreuung durch die Angehörigen zu Hause, durch Hilfsmittel und einen Pflegedienst, oder Kesselbaur sucht außerhalb des Landkreises einen Pflegeplatz. Im äußersten Notfall bleibt jemand mal einen Tag oder zwei länger im Klinikum. "Unser Ziel ist immer, dass die Patienten bestmöglich versorgt sind, wenn sie entlassen werden."

Es war nicht immer so schwierig, übergangsweise einen Pflegeplatz zu finden. Viele Jahre lang hat die Arbeiterwohlfahrt in der Schützenstraße eine Kurzzeit- und Tagespflegestation betrieben, die sich sehr flexibel den Bedürfnissen der Kunden anpassen konnte, jedoch nicht kontinuierlich ausgelastet war und schließlich aufgegeben wurde. "Seither ist es eng im Kurzzeitpflegebereich", sagt Uwe Oetter von der Heimaufsicht am Landratsamt Kulmbach. "Wenn die Auslastung in den Heimen gut ist, dann gibt es kaum eine Chance, auf die Schnelle einen Kurzzeitpflegeplatz zu bekommen."

Pech haben in dieser Situation Angehörige, die einmal eine Auszeit brauchen und Urlaub machen möchten. Die Zahl der langfristig im voraus fest buchbaren Plätze ist verschwindend gering. Eine Reise planen und buchen? Geht nicht. Da hilft es auch nicht, dass die Pflegekasse (oder bei Akutfällen ohne Pflegegrad die Krankenkasse), den Aufenthalt bezahlen würde.

In den zehn Senioren- und Pflegeheimen im Landkreis stehen aktuell insgesamt 957 Pflegeplätze zur Verfügung, davon nur eine Handvoll ausschließlich für die Kurzzeitpflege.

Eine ausreichende Versorgung mit Fachkräften sei ein wachsendes Problem, so Oetter. "Aber ich bin mit unserer Fachkraftquote relativ zufrieden". Es mache sich vorteilhaft bemerkbar, "dass unsere Wohlfahrtsverbände gut und viel ausbilden und so dazu beitragen, den Nachwuchs in der Pflege zu sichern".

Was tun gegen den Engpass?

Das Karl-Herold-Senioren- und Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt hat 154 Plätze, davon drei feste Kurzzeitpflegeplätze. Weitere können je nach Auslastung gebucht werden. "Fix plus X" heißt das Konzept, das vollstationären Einrichtungen verbesserte Konditionen für die Leistungsabrechnung der Kurzzeitpflege ermöglicht.

Konkret gibt es mehr Geld und einen besseren Personalschlüssel - ein großer Vorteil für das teilnehmende Haus. "Das Konzept hat sich bei uns bewährt", so Heimleiterin Renate Seuss.

In Bayern steht noch ein zweites Instrument zur Verfügung, mit dem feste Kurzzeitpflegeplätze entstehen können. Die Förderrichtlinie "WoLeRaF" ermöglicht den Ausgleich des Einnahmen-Defizits, falls feste Kurzzeitpflegeplätze nicht gebucht werden. Dadurch könnten, so Uwe Oetter von der Heimaufsicht, in absehbarer Zeit weitere Plätze im Landkreis zur Verfügung stehen. Im Gespräch seien aktuell neben den vorhandenen fünf "Fix plus x"-Plätzen weitere fünf feste Kurzzeitpflegeplätze.

Kommentar: Angehörige in Nöten

Wir entlassen Ihre Mutter übermorgen. Nach Hause kann sie in ihrem Zustand aber nicht. Sie brauchen einen Pflegeplatz!"

Wie bitte? In zwei Tagen? Wie soll das denn gehen!?

Ich rufe in allen Pflegeeinrichtungen an, in der Hoffnung, auf die Schnelle einen Kurzzeitpflegeplatz zu bekommen. Unsere damalige Zwei-Zimmer-Dachgeschosswohnung mit Wendeltreppe kommt selbst übergangsweise nicht in Frage.

Mit viel Glück, zwei Verlängerungstagen in der Klinik und Unterstützung einer Familie, die auf der Warteliste vor mir ist und mir in der Not den Vortritt lässt, finde ich einen Platz in einem Kulmbacher Pflegeheim.

Das ist schon einige Jahre her, aber ich erinnere mich noch genau an den Stress und die Sorge: Wohin mit meiner hilfsbedürftigen Mutter?

Wer heute in dieser Lage ist, hat es noch schwerer: Der Bedarf übersteigt das Angebot bei weitem. Pech haben vor allem diejenigen, die während der klassischen Urlaubszeiten unvorbereitet mit dieser Situation konfrontiert werden. Ein Sturz, eine schwere Krankheit, eine Operation - selbst Senioren, die sonst gut allein zurechtkommen, können da nicht sich selbst überlassen werden.

Wenn man sich in den Pflegeheimen der Region umhört, ist es längst nicht mehr nur die Urlaubszeit, in der Kurzzeitpflege nachgefragt wird, weil auch pflegende Angehörige mal ein paar Tage Auszeit brauchen.

Was in Kulmbach fehlt, ist eine Kurzzeitpflegestation. Es gab früher eine solche Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt in der Schützenstraße, die allerdings nur zu Stoßzeiten ausgelastet war.

Heute sähe das ziemlich sicher anders aus, denn nicht nur der Bedarf an sich ist gestiegen, auch die Finanzierung ist einfacher. In akuten Fällen wird Kurzzeitpflege auch ohne Pflegegrad bezahlt. Das ist eine große Hilfe für Betroffene und Angehörige - wenn die Pflegeplätze denn tatsächlich zur Verfügung stehen.

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