Buchau
Glaube

Pfarrei Buchau-Weismain: Der Vikar zieht weiter

Nach 30 Monaten in der lutherischen Kirchengemeinde Buchau/Weismain wird Andreas Gebelein Pfarrer. Ein Gespräch über Erinnerungen und Zukunft.
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Für Andreas Gebelein schließt sich die Tür der evangelischen Kirche in Weismain. Nach 30 Monaten als Vikar in der Gemeinde Buchau/Weismain wird der 28-Jährige nun Pfarrer in Gefrees.  Foto: Andreas Schmitt
Für Andreas Gebelein schließt sich die Tür der evangelischen Kirche in Weismain. Nach 30 Monaten als Vikar in der Gemeinde Buchau/Weismain wird der 28-Jährige nun Pfarrer in Gefrees. Foto: Andreas Schmitt
Konfirmandenbetreuer, Religionslehrer, Seelsorger: Zweieinhalb Jahre war Andreas Gebelein wichtiger Bestandteil der Jura-Protestanten. Nun beginnt für den Mann aus Bad Steben, der in Neuendettelsau, Wien und Göttingen studierte, das nächste Kapitel. Im Gepäck hat er wertvolle Erfahrungen aus der Zeit seines Vikariats, der praktischen Ausbildungszeit angehender evangelischer Pfarrer.

Herr Gebelein, welche Momente bleiben Ihnen nach 30 Monaten am meisten in Erinnerung?
Andreas Gebelein: Die Situationen, als alles zum ersten Mal stattfand. Die erste Religionsstunde, das erste Konfirmandentreffen und natürlich der erste allein gehaltene Gottesdienst, der auch noch an einem Karfreitag war. Da ist man vorher in der Sakristei schon aufgeregt und hinterher erleichtert, dass man sich nicht verhaspelt hat und von den Leuten ein Lob erhält.

Was fanden Sie bemerkenswert in Buchau und Weismain?
Ich stamme ja aus Bad Steben im Frankenwald und habe nun erstmals mitbekommen, dass es auch ein warmes Oberfranken gibt, in dem nicht überall die Schneefräse in der Garage steht. Eine weitere Besonderheit in Weismain, wo ich gewohnt habe, ist natürlich das Asylbewerberheim, in dem ich oft präsent war. Anfangs habe ich sogar ein paar Brocken Arabisch gelernt.

Was haben Sie dort gemacht?
Einmal im Monat haben wir einen Spielenachmittag für Kinder organisiert. Außerdem gab es eine religionsoffene Nikolausfeier, bei der die Bewohner unser Brauchtum kennen lernten.

Wie waren die Reaktionen der Bewohner der Einrichtung?
Durchwegs gut. Der Islam hat ja auch ein freundschaftliches Seelsorgeverständnis. Durch unsere Dialogbereitschaft auf Augenhöhe kamen viele tiefgründige Gespräche zustande. Negativ ist mir nur der deutsche Staat aufgefallen, der einige Menschen abgeschoben hat, obwohl sie gute Beziehungen aufgebaut haben. Das geht einem schon nahe.

Wie sah Ihre tägliche Arbeit in der Kirchengemeinde, die sich über zwei Landkreise erstreckt, aus?
Gottesdienste und Konfirmandenunterricht hielt ich in beiden Orten. Seelsorgerisch kümmerte sich das Pfarrer-Ehepaar Jobst um Buchau, ich um Weismain. Außerdem war ich Religionslehrer an der Grundschule Weismain und am Caspar-Vischer-Gymnasium Kulmbach.
Was waren Ihre wichtigsten Projekte im Vikariat?
Mir liegt die Jugendarbeit sehr am Herzen. Deshalb habe ich zusammen mit der katholischen Pfarrei auch Kinder-Bibeltage ins Leben gerufen. Außerdem feierten wir jährlich vier ökumenische Gottesdienste.

Wie haben Sie als Außenstehender die Pfarrei wahrgenommen?
In Buchau herrscht eine jahrhundertelang etablierte protestantische Gläubigkeit. Die Menschen dort sind Kirchenmitglieder aus Tradition und werden das auch bleiben.

Im mehrheitlich katholischen Weismain haben die Protestanten keine lange Tradition...
Richtig. Sinnbildlich dafür ist, dass die evangelische Kirche auf einem Privatgrundstück steht. Das Gemeindeleben funktioniert nur, weil einige wahnsinnig engagiert sind und die Tradition auch mal ein wenig hinterfragen. Und derzeit ist in Weismain vieles im Fluss. Es gibt dort derzeit erstmals mehr Gemeindemitglieder als in Buchau.

Was sind hierfür die Gründe?
Einerseits gibt es Zuzug von evangelischen Familien. Hinzu kommen die Flüchtlinge - mittlerweile ein Drittel der Gottesdienstbesucher. Viele Iraner sind schon konvertiert. Sie schätzen am Christentum die personale Glaubensziehung zu Gott, die ihnen im Islam fehlt.

Wie könnte sich die Gemeinde in Zukunft weiter wandeln?
Gottesdienste oder Lesungen auf Englisch und Farsi könnten in nächster Zeit sinnvoll sein.

Dann aber ohne Andreas Gebelein: Wie und wo geht es für Sie weiter ?
Meine Ausbildung ist nun beendet und ich werde Pfarrer in Gefrees (Kreis Bayreuth), eine meiner Wunschstationen. Die Kirchengemeinde hat 2600 Mitglieder und ich teile sie mir mit einem Kollegen. Mein Schwerpunkt ist auch hier die Jugend.

Welche Kontakte nach Buchau und Weismain werden bleiben?
Auf jeden Fall zu meinen Mentoren, dem Pfarrer-Ehepaar Jobst. Hier entstand eine Freundschaft. Außerdem lernte ich auch viele andere wertvolle Menschen kennen. Einige kommen auch zu meiner Ordination nach Gefrees am 30. September.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Dann predige ich entweder weiterhin glücklich von der Kanzel oder habe mich daran erinnert, dass ich eigentlich in Kirchengeschichte promovieren wollte und schreibe gerade fleißig an meiner Doktorarbeit.

Das Gespräch führte
Andreas Schmitt

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