Pechgraben
Gemeinderat

Pechgraben ist und bleibt ein Dorf

Der Charakter des Neudrossenfelder Ortsteils steht für die Gemeinderäte außer Frage - auch ohne explizite Festsetzung.
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Ist Pechgraben ein Dorf? Dies stehe außer Frage, waren sich die Gemeinderäte einig. Doch eine Überplanung und explizite Ausweisung als "Dorfgebiet" verweigerten die Räte. Sie wollten der Genehmigung des Vorhabens der Familie Küfner nicht im Wege stehen. Foto: Sonny Adam
Ist Pechgraben ein Dorf? Dies stehe außer Frage, waren sich die Gemeinderäte einig. Doch eine Überplanung und explizite Ausweisung als "Dorfgebiet" verweigerten die Räte. Sie wollten der Genehmigung des Vorhabens der Familie Küfner nicht im Wege stehen. Foto: Sonny Adam

Ein Dorf ist ein Dorf, auch dann, wenn es keine explizite Baunutzungsordnung gibt und auch dann, wenn es nicht explizit als solches ausgewiesen ist. Die FuG (Für unsere Gemeinde Neudrossenfeld) hat den Ziegenstreit in Pechgraben zum Anlass genommen, einen Antrag an den Gemeinderat zu stellen, den Dorfcharakter auch offiziell auszuweisen. Konkret ging es darum, einen einfachen Bebauungsplan aufzustellen und in diesem die planungsrechtliche Definition des Ortskernes und die Festlegung als "Dorfgebiet MD" festzuschreiben. Es gehe, so Björn Sommerer (FuG), darum, dass es in Pechgraben erlaubt sein soll, haupt- und nebenerwerbliche Landwirtschaft zu betreiben. Aktuell gibt es eine Milchviehhaltung, Schafshaltung, Nebenerwerbsfortwirtschaft und einen Vollerwerbsbetrieb. Auf den Plan gerufen wurde die FuG von einem Anwaltsschreiben - vom Anwalt der Familie Eichner. Der Anwalt stellte die Frage in den Raum, ob Pechgraben überhaupt noch Dorfgebiet sei. Denn nur dann sei Ziegenhaltung überhaupt möglich.

Bürgermeister Harald Hübner (CSU) war bei der expliziten Ausweisung und Deklarierung vorsichtiger. "Man kann einen Bauleitplan aufstellen, wenn man negative Entwicklungen sieht oder befürchtet, aber das Vorhaben Ziegenhaltung ist von uns positiv bewertet worden und auch das Landratsamt hält das Vorhaben für genehmigungsfähig", so Hübner. Der Neudrossenfelder Bürgermeister erläuterte, dass die geplante Ziegenhaltung sowie die Einrichtung einer Hofkäserei samt Hofladen seitens des Gemeinderates "einstimmig als Bereicherung" betrachte werde. "Ich halte es momentan nicht für erforderlich, das Gebiet bauplanungsrechtlich zu überplanen", so Hübner.

Franz Klatt (SPD) betonte, dass auch die SPD den dörflichen Charakter bewahren möchte. Doch durch eine Festsetzung wolle man sich nur ungern "das Heft des Handelns" aus der Hand nehmen lassen. "Der Bebauungsplan eröffnet auch anderen Interessierten die Möglichkeit, ein bäuerliches Anwesen wieder zu eröffnen und wieder zu beleben", sagte Rudi Bock (SPD). "Wir sollten ein Signal nach außen senden, dass wir den ländlichen Charakter ausdrücklich wollen und dass wir es befürworten, dass Tiere im Dorfgebiet gehalten werden können. Pechgraben ist ein Dorf. Wir sollten der Familie Küfner den Rücken stärken", votierte auch Michaela Schirmer (SPD) für den Antrag der FuG.

Eine Selbstverständlichkeit

Heidemarie Nitsch (FuG) bemängelte, dass man sich überhaupt über eine solche Selbstverständlichkeit unterhalten müsse.

Peter Rösch (FW) warnte davor, den Antrag zu befürworten. Denn aktuell entscheidet die Gemeinde nach Einzelfall. "Wenn das Gebiet überplant wird, dann entscheiden wir nicht mehr nach dem Einzelfall. Außerdem bekommen die Bauinteressenten dann bestimmt keine schnelle Genehmigung", sagte Rösch.

"Ich tue mir auch schwer, ein Dorf ohne Not zu überplanen", kommentierte Georg Waldmann (CSU). "Es steht doch außer Frage, dass Pechgraben ein Dorf ist", sagte Thomas Erlmann (Wählergruppe Waldau). Auch Alfred Wirth (FW) hielt die angeregte Überplanung für "unnötige Arbeit".

Schließlich kommentierte der neue Verwaltungsleiter den Antrag. "Ich halte es für cleverer, keinen Bebauungsplan aufzustellen. Denn das könnte sonst zulasten der Wohnbebauung gehen", so der Verwaltungsleiter. Zudem könne sich eine Entscheidung, ob die Ziegenhaltung nun erlaubt sei oder nicht, durch die Aufstellung eines Bebauungsplanes weiter verzögern.

Schließlich votierten sieben Gemeinderäte für den Antrag, neun dagegen. "Wenn wir eine negative Entwicklung feststellen, können wir immer noch eine Überplanung machen", betonte Bürgermeister Hübner.

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