Kulmbach
Architektur

Passt ein eckiges Dach in die Kulmbacher Altstadt?

Dem Stadtrat liegt ein brisanter Bauantrag für die Obere Stadt 18 vor, der am Donnerstag sicher kontrovers diskutiert wird.
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Das Walmdach am Haus in der Oberen Stadt 18 soll abgebrochen und durch einen Kubus ersetzt werden. Foto: Stephan Tiroch
Das Walmdach am Haus in der Oberen Stadt 18 soll abgebrochen und durch einen Kubus ersetzt werden. Foto: Stephan Tiroch
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Wer sich am Stammtisch umhört, muss den Eindruck gewinnen, dass Deutschland ein Land der Bundestrainer und Architekten ist. Fast jeder hat etwas dazu zu sagen, wie die Fußballnationalmannschaft spielen oder wie ein Haus gebaut werden sollte.



Genehmigen oder ablehnen?

So gesehen, haben die Kulmbacher viel zu diskutieren. Fußball-WM, Zentralparkplatz - und es kommt noch ein Thema dazu: Passt ein modernes Dach, wie es in der Oberen Stadt geplant ist, in die Kulmbacher Altstadt? Sollte der Stadtrat das Vorhaben genehmigen oder ablehnen?

Um was geht es? Beim Gebäude in der Oberen Stadt 18 soll das bestehende Walmdach abgebrochen und - an der Front etwas zurückgesetzt - durch ein modernes Kubusgeschoss ersetzt werden. Auf der würfelförmigen Dachwohnung ist noch eine Terrasse vorgesehen.


Ensembleschutz in der Altstadt

Das 1876 erbaute Gründerzeithaus, wo bis 2008 das Fotostudio Tichi war und jetzt die SPD ihr Parteibüro hat, ist kein Einzeldenkmal. Allerdings steht die Kulmbacher Altstadt unter Ensembleschutz.

Wie schon am Dienstag im Bauausschuss ist in der Stadtratssitzung am Donnerstag eine kontroverse Diskussion zu erwarten. Was sagen die Fraktionen zu dem Projekt?


Eine Frage des Geschmacks

Bei der CSU, so Michael Pfitzner, gibt es keine einheitliche Fraktionsmeinung. "So etwas ist immer auch eine Frage des persönlichen Geschmacks", sagt der Fraktionsvorsitzende. Aber vom Denkmalamt werde eine Verbindung von historisch und modern empfohlen: "Das haben wir schon an anderen Stellen in der Altstadt." Er persönlich meint: "Wir können froh sein, wenn Investoren alte Gebäude herrichten. Man sollte ihnen keine Steine in den Weg legen. Aus meiner Sicht: Zustimmung."


Nicht bauen, wie man will

Für die SPD erklärt deren Fraktionsvorsitzender Ingo Lehmann: "Wir waren mehrheitlich der Auffassung, dass die Pläne, wie sie eingereicht wurden, so nicht realisiert werden sollten. Der Ensembleschutz würde verletzt. In der Altstadt kann nicht jeder bauen, wie er will."

WGK-Sprecher Ralf Hartnack betont, dass jeder Kollege so entscheidet, wie er es für richtig und angemessen hält. "Es gibt keine vorgegebene Fraktionsmeinung", sagt er. Er selbst sei - wie die Mehrheit der Wählergemeinschaft - aufgeschlossen. "Die Animation hat gezeigt, dass es sich einfügt und nicht grob störend wirkt."


Interessant und spannend

Hans-Dieter Herold von den Grünen spricht von einer "interessanten Planung", die er befürwortet. "Wenn man sich die Dachlandschaft anschaut, glaube ich nicht, dass es störend ist."

Genauso sieht es Thomas Nagel (FDP): "Der Kubus wird etwas zurückgesetzt, das ist in Ordnung. Es stört nicht das Stadtbild." Er lobt das Engagement des Eigentümers und sagt: "Historisch und modern - das finde ich spannend."


Das sagt die Denkmalpflege

Auf Anfrage sagt Pressesprecherin Dorothee Ott vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, dass die Denkmalbehörden von Anfang an beteiligt waren: "Das Bauvorhaben in der Oberen Stadt 18 wurde zwischen dem Landesamt für Denkmalpflege, der Unteren Denkmalbehörde und dem Stadtheimatpfleger intensiv diskutiert und p


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