Trebgast

"Parkplatz-Drama" an der Naturbühne Trebgast

Um die Sicherheit zu verbessern, hat die Naturbühne Trebgast einen neuen Parkplatz geschaffen. Dennoch gibt es Kritik. (Bericht mit Kommentar)
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Der neue Naturbühnen-Parkplatz sorgt für Diskussionen. Foto: Jochen Nützel
Der neue Naturbühnen-Parkplatz sorgt für Diskussionen. Foto: Jochen Nützel

Naturbühnen-Vorsitzender Siegfried Küspert kann über die Kritik nur den Kopf schütteln. "Wir haben uns nichts vorzuwerfen, alles ist genehmigt", sagt er mit Blick auf den neuen Parkplatz der Bühne. 100 weitere Stellplätze sind dort für die Besucher geschaffen worden. Damit soll wildes Parken entlang der Kreisstraße oder auf Feldern der Vergangenheit angehören, wenn der bisherige Parkplatz belegt ist.

Doch das neu angelegte Gelände ist dem Trebgaster Wilhelm Etterer ein Dorn im Auge. Er spricht in einer Veröffentlichung im Internet von "größenwahnsinnigen Ambitionen", von einem "Monsterparkplatz", von einem Bau ohne Baugenehmigung. Deshalb möchte er eine "Guerilla-Pflanzaktion" auf dem Gelände durchführen, um der "Natur wieder ein Stück zurückzugeben".

Ob das nötig ist? Sicher nicht, wie Siegfried Küspert erklärt: "Es wird alles noch angepflanzt." Aber erst nach Ende der Spielzeit. "Dann werden alle Stellflächen mit Humus überdeckt und begrünt. Das kann man aber erst machen, wenn keine Besucher mehr kommen. Sonst wird alles zusammengefahren." Nur die Fahrstreifen würden befestigt.

Der Naturbühnen-Vorsitzende weist darauf hin, dass das Vorgehen mit den Behörden abgestimmt worden ist. "Es gab einen Termin mit Vertretern von Wasserwirtschaftsamt, Landratsamt, Gemeinde und Bürgermeister. Mir ist unverständlich, dass das jetzt angeprangert wird. Wir machen das, was uns die Ämter vorgegeben haben." Küspert verweist darauf, dass zugleich die Sicherheit für die Besucher der Laienbühne erhöht wird, weil sie nicht mehr an der Straße parken müssen.

Für Wilhelm Etterer ist das wohl nur ein schwacher Trost, obwohl er sich freut, eine Diskussion angestoßen zu haben. Er wisse, dass der Parkplatz nicht zu verhindern sei, "aber er sollte möglichst umweltfreundlich gestaltet werden". Seine Versuche, etwas über den Bund Naturschutz oder den Landesbund für Vogelschutz zu erreichen, seien erfolglos geblieben. So sei die Idee zu der "Guerilla-Pflanzaktion" entstanden. Auf dem Areal sollten Bäume gepflanzt und Gräser gesät werden. "Es wurde eine Schotterwüste angelegt, jegliches Grün ist eine Verbesserung", sagt er und zweifelt die Pläne an, dass nach der Spielsaison das Gelände bepflanzt werden soll.

Er hinterfragt zudem die Notwendigkeit des ganzen Projekts. "Bei normalen Aufführungen ist der alte Stellplatz in der Regel maximal zu 75 Prozent belegt. Nur bei Sonderveranstaltungen quillt er über. Aber muss man solche ,Monsterevents' machen?", fragt er sich und verweist darauf, dass für den Parkplatz gar keine Baugenehmigung vom Landratsamt vorliegt.

Dass er mit dieser Aussage Recht hat, das räumt Jurist Oliver Hempfling von der Landkreisbehörde auch ein, fügt aber gleich hinzu: "Das ist nicht unüblich, nachdem die Maßnahme mit den zuständigen Behörden, allen voran dem Wasserwirtschaftsamt, abgestimmt worden ist und sich der Bauherr auch an die Vorgaben hält. Wenn die Planunterlagen noch den Wünschen des Wasserwirtschaftsamts angepasst sind, dann wird die Zustimmung gegeben." Knackpunkt sei die ordentliche Beseitigung des Niederschlagswassers gewesen, was nun eine Abflussrinne gewährleiste.

Hempfling betont, dass dieses Vorgehen keine Sonderregelung für die Naturbühne darstelle, sondern auch bei anderen Bauherrn angewandt wird. "Das ist immer wieder mal der Fall, damit ein nachvollziehbarer Bauwunsch nicht unnötig in die Länge gezogen wird." Im Trebgaster Fall habe man mit dem vorzeitigen Beginn der Arbeiten dem Start der Spielsaison Rechnung getragen.

Dass sich der Parkplatz im Außenbereich befindet, ist laut Hempfling kein Problem. "Naturbühnen liegen nun einmal im Außenbereich, da gehört ein Parkplatz dazu."

Die Gemeinde Trebgast hat nichts gegen den Parkplatz, versichert Bürgermeister Werner Diersch (SPD). Im Gegenteil: "Die Kommune begrüßt, dass ein Parkplatz geschaffen und eine gefährliche Situation auf der Kreisstraße beendet worden ist", sagt er. Zugleich könne sich die Bühne so weiterentwickeln.

Für die angekündigte "Guerilla-Pflanzaktion" hat er dagegen wenig Verständnis: "Den Schutz des Eigentums muss auch Herr Etterer achten. Er hat selbst genug Grundstücke, die er bepflanzen kann." Andere aufzuwiegeln und zu motivieren, gegen den Willen der Bühne das Areal zu bepflanzen, das gehe nicht.

Laut Bürgermeister Diersch handelt es sich bei dem Parkplatz um einen ehemaligen Acker, der zuvor intensiv bewirtschaftet wurde und nicht um eine Blumenwiese. Zudem würden nur wie vorgeschrieben die Fahrspuren versiegelt, aber nicht die Stellplätze.

"Es ist gut, wie es geworden ist und dass die Parkplatznot verschwindet. Dass es Gegenstimmen gibt, ist legitim. Aber man muss aufpassen, dass man nicht über das Ziel hinausschießt", so sein Fazit.

Ist das, was Wilhelm Etterer mit seiner Ankündigung bezweckt - nämlich den neuen Parkplatz der Naturbühne mit Baum- und Pflanzensämlingen zu begrünen -, in gewisser Weise als "Guerilla Gardening" zu werten und damit strafbar? Der Begriff setzt sich zusammen aus "Guerilla" für Kleinkrieg und "Gardening" für Gärtnern.

Das nahm seinen Anfang vor rund 40 Jahren in New York. Laut Definition beschreibt es ursprünglich die heimliche Aussaat als Mittel des politischen Protest und zivilen Ungehorsams (in Städten wie Berlin hat sich das Ganze zu einer Art urbanen Landwirtschaft mit Selbstversorgungscharakter im Dienste der Allgemeinheit weiterentwickelt).

Zunächst waren es Samenbomben, ein Gemisch aus Erde, Dünger und Samen von blühenden Wildpflanzen oder Gräsern. Später eroberten sich die Aktivisten triste Hinterhöfe, um dort eigenes Obst und Gemüse zu ziehen. Viele Kommunen dulden mittlerweile solche Pflanzaktionen im öffentlichen Raum, etwa auf Verkehrsinseln oder an Randstreifen von Straßen, auch wenn es eigentlich den Tatbestand des Vandalismus erfüllt.

Doch wie sieht es beim Privateigentum aus? Hier ist die Rechtslage eindeutig: Ohne Zustimmung des Eigentümers oder Pächters der betroffenen Fläche ist Guerilla Gardening eine Straftat und kann als Sachbeschädigung zur Anzeige gebracht werden. Als Strafmaß sieht das Gesetz dafür Geldstrafen und, in besonders schweren Fällen, sogar Haftstrafen von bis zu zwei Jahren vor.

Viele Guerillagärtner agieren deswegen im Schutz der Dunkelheit. Anders als diese heimlich auf den Plan tretenden Gartenpiraten hat sich Wilhelm Etterer bereits im Vorfeld zu seinem Vorhaben in Trebgast geäußert. Sein Post auf Facebook kann quasi als Bekennerschreiben noch vor erfolgter Tat durchgehen. Er schreibt: "Wer will mitsäen? Das ist kein Aufruf zu einer gesetzeswidrigen Handlung (ist das Pflanzen/Säen gegen das Gesetz?) Wer Bäume pflanzen und Gräser säen - oder in einigen Jahren - sehen will, soll das machen. Wir rufen nicht dazu auf, ist nur ein Gedanke. Schaut euch den Parkplatz an, und pflanzt euch ein Bäumchen. Macht ein Foto davon, es ist euer Bäumchen."

Er sei sich des Risikos, Ärger zu bekommen, wohl bewusst, sagt Etterer - und geht es trotzdem ein. "Wenn ich erwischt werde, muss ich damit rechnen, eine Anzeige zu bekommen? Aber weswegen denn? Weil ich was gepflanzt habe?"

Dazu ein Kommentar des Kulmbacher Redaktionsleiters Alexander Müller:

Wie gehen wir mit dem Thema um? - Eine Frage, die in unseren täglichen Besprechungen sehr oft eine Rolle spielt. Es gibt das Persönlichkeits- und das Presserecht, aber auch die Herausforderung, Themen möglichst adäquat zu gewichten. Wertet man die Kritik eines einzelnen in zwei Facebook-Gruppen, die dort noch eher kritisch diskutiert wird, nicht zu sehr auf, wenn man sie als Zeitung mit 25 000 Lesern aufgreift?

Nicht zuletzt nach dem erfolgreichen Volksbegehren ist die Sensibilität bei der Beantwortung der Frage, welche Veränderungen man guten Gewissens in der Landschaft vornehmen kann, sicher gewachsen. Daher ist ein kritisches Fragezeichen hinter dem Projekt der Naturbühne zunächst verständlich. Wenn man dann aber abwägt, muss man sehen, dass das Vorhaben mit den Behörden abgesprochen ist, der Parkplatz wieder be- und eingegrünt werden soll, er die Sicherheit der Besucher und Verkehrsteilnehmer erhöht.

Die Naturbühne ist ein von vielen ehrenamtlich Tätigen getragenes Kulturprojekt, das zumindest in Franken seinesgleichen sucht. Auch unsere Zeitung unterstützt es seit vielen Jahren. Dennoch sind wir in der Lage, auch Kritik zu transportieren, wenn sie berechtigt ist. - Ist sie das in dem Fall? Hier liegt das Problem nicht nur im Bereich des Naturschutzes, scheint es.

Der Kritiker sei Nachbar der Naturbühne und, so heißt es, nicht unbedingt deren Freund. Und seine Haltung "Das ist zwar nicht erlaubt, aber wenn's was kostet, zahl' ich die Strafe halt, was soll's?" ist zwar inzwischen auch weiter verbreitet als sie es sein sollte, dient aber sicher nicht dazu, Diskussionen konstruktiv zu führen oder gar Probleme zu lösen. Wenn man in seiner Argumentation ernst genommen werden möchte, kann man nicht dazu aufrufen, auf fremden Grundstücken Blumen zu säen und Bäume zu pflanzen oder dies gar selber tun.

Gleichwohl: So unbeschwert wie noch vor Jahren können wir die Natur nicht mehr nutzen, sie verändern, in ihr bauen. Dazu wissen wir inzwischen zu genau, wie schädlich sich kleinste Eingriffe auswirken können. Daher ist es wichtig, diesen Aspekt an erster Stelle und sehr genau zu bedenken. Die Naturbühne hat dies wohl getan. Dennoch weiter zu denken, etwa an die Möglichkeit von Shuttle-Bussen, die anderswo (Plassenburg) ja auch funktionieren, ist freilich nicht verboten.

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