Himmelkron
Natur

Otter-Überfälle bedrohen die oberfränkische Teichwirtschaft

Fischotter sind in manchen Regionen schon ein großes Problem. Und sie könnten es auch bei uns werden.
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So possierlich die Tierchen auch sind: Teichwirte fürchten sie, denn sie richten großen Schaden an. Foto: Petr David Josek/AP/dpa
So possierlich die Tierchen auch sind: Teichwirte fürchten sie, denn sie richten großen Schaden an. Foto: Petr David Josek/AP/dpa
Für die Teichwirte geht es mittlerweile um das nackte Überleben. "Es ist die Tragödie schlechthin", sagte Dr. Peter Thoma, Vorsitzender der oberfränkischen Teichgenossenschaften, bei der Jahresversammlung am Samstag in Himmelkron. Thoma zielt dabei auf den Fischotter ab. Er frisst ganze Teiche leer und gefährdet damit nicht nur die heimische Produktion, sondern auch die Existenz der Teichwirte. "Da zieht eine Katastrophe auf uns zu", sagte der Vorsitzende.
Ganz schlimm sei die Situation bereits in der Oberpfalz, während Oberfranken hauptsächlich im Bereich Wunsiedel betroffen sei. Der Bereich des Mains sei dagegen noch weitgehend unangetastet. Alexander Horn aus Helmbrechts, einer von drei Otterberatern in Bayern, weiß von Betrieben, die mittlerweile vor dem Ruin stehen. In der nördlichen Oberpfalz, für die Horn ebenfalls zuständig ist, sei beispielsweise ein Teichwirt mit allen drei Anlagen betroffen, in einem Teich seien bis zu sechs Otter unterwegs, die Schadensmeldung belaufe sich mittlerweile auf über 90 000 Euro.
In Oberfranken sei die Situation im Nordosten am schlimmsten, speziell im Einzugsbereich der Eger. Einzelne Vorkommen gebe es aber bereits auch von Naila kommend über Kronach bis nach Lichtenfels.
Ziel von Alexander Horn ist es nicht nur, sich um die Schäden zu kümmern und entsprechende Anträge entgegenzunehmen, sondern auch eine Bestandsaufnahme durchzuführen. "Wir müssen nachweisen, dass der Otter nicht mehr gefährdet ist, dann erst kann er auch entnommen werden", sagte Horn. Entnehmen heißt dabei schießen, was derzeit verboten ist.
"Wir wollen mit unserer Hände Arbeit Geld verdienen und Fische verkaufen", sagte Walter Jakob, Vorsitzender der Nachbarteichgenossenschaft Aischgrund. Er kritisierte den Schutz einzelner Arten, ohne dass man "das große Ganze" im Blick behält.
Angekommen ist das Problem mittlerweile auch in der Politik. "Wir wollen Maßnahmen zur verstärkten Entnahme erreichen", sagte die Bayreuther Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Die Entnahme muss Teil eines Managementplanes werden, forderte ihr Fraktionskollege Martin Schöffel aus Wunsiedel. Wegen der Otterüberfälle gebe es bereits verstärkt Betriebsaufgaben. "Wir müssen zwingend am Ball bleiben, um unserer Teichwirtschaft zu helfen", so Bezirkstagspräsiedent Günter Denzler.
Auf einem guten Weg sei man dagegen beim Kormoran und beim Biber. Beim Kormoran, der den Teichwirten seit Jahrzehnten das Leben schwer macht, konnte eine weitere Bejagung bereits festgeschrieben werden, beim Biber würden erste Anstrengungen Früchte tragen.
Ein neues, benutzerfreundliches Marketinginstrument zur Vermarktung des heimischen Fisches ist das Regionalvermarktungsportal "Regionales Bayern" der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Dort könnten sich alle Erzeuger unkompliziert und kostenfrei anmelden.
Neu im Vorstand der Teichgenossenschaft Oberfranken ist Kassenverwalterin Elke Grußka aus Rödental. Sie tritt die Nachfolge von Georg Fiedler aus Altenkunstadt an, der nach mehreren Jahrzehnten ehrenamtlicher Tätigkeit für die Genossenschaft mittlerweile seine Teichanlagen verkauft hat.


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