Kulmbach
Orgelkonzert

Orgelkonzert in Kulmbach: melodiös, sinnlich und warm

Pater Dominikus Trautner von der Abtei Münsterschwarzach brilliert in der Kulmbacher Petri-Kirche mit französischer Orgelmusik.
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Der Benediktiner-Pater Dominikus Trautner an der großen Rieger-Orgel der Petrikirche  Foto: Margret Schoberth
Der Benediktiner-Pater Dominikus Trautner an der großen Rieger-Orgel der Petrikirche Foto: Margret Schoberth
Ein farbiges und abwechslungsreiches Solisten-Konzert hat Petri-Kantor Ingo Hahn angekündigt und damit keineswegs zu viel versprochen. Dominikus Trautner, der bekannte Organist der Abtei Münsterschwarzach, ist der Einladung nach Kulmbach gefolgt.

Weich und kraftvoll, reich in der Registratur und mit einer Fülle von Klangfarben nimmt er die Zuhörer mit. Klug ist die Programmauswahl: den farbenreichen Stücken der französischen Spätromantiker und Impressionisten kommt die Disposition der Rieger-Orgel entgegen. Melodiös, sinnlich und warm, schön auch noch in gewaltigen Sätzen, füllt die Musik der französischen Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts das Kirchenschiff.


Ein fröhliches Willkommen


Ein fröhliches Willkommen bereitet die "Trumpet tune" des zeitgenössischen englischen Komponisten Christopher Tambling den Besuchern, gefolgt von Variationen über ein Thema von Paganini aus der Feder von Bryan Hesford. Das Stück bietet herrliche Abwechslung in den Registern, wird mal nur mit Händen oder nur mit den Pedalen gespielt, spielerisch leichte Sätze wechseln mit vollen, energiegeladenen Passagen. Im Anschluss daran bringt ein sehr schönes Adagio in G-Dur von Johann Sebastian Bach Beruhigung und Klarheit.

Die nächsten Stücke gehören in die österliche Zeit. Variationen des tausend Jahre alten gregorianischen Choral "Veni creator" weisen auf das Pfingstfest. Der Pariser Komponist Maurice Duruflé setzt die biblischen Bilder vom Kommen des Heiligen Geistes in musikalische Eindrücke um. Überhaupt die Impressionisten. Leicht und elegant kommen die Melodien daher, manchmal perlen die Töne wie die Farbtupfer auf den Bildern der pointilistischen Maler, so in einer Cantilene von Gabriel Pierné.


Eine paradiesische Landschaft vor Augen


"In paradisum" von Théodore Dubois hat die wunderbare Kraft, mit Tönen zu malen und Synästhesien zu erzeugen: Vor dem inneren Auge entstehen ein ätherisches Blau und eine paradiesische Landschaft, in der lautmalerisch Quellen glucksen und Vögel singen. Was so leicht erscheint, ist virtuose Kunst: Über drei Manuale hinweg und weit voneinander entfernt überkreuzen sich immer wieder die Hände des Organisten.

Einen ersten Höhepunkt erreicht das Konzert mit einem selten aufgeführten Postlude- Festival des Lyoner Organisten Amédée Reuchsel. Mitreißend ist seine Toccata, harmonisch und modern, voller Spannung und Farbe. Nach Belgien führt die Toccata in D-Dur von Joseph Callaerts, die Trautner kraftvoll interpretiert, ein weiterer Höhepunkt des Konzerts. Das Andante in As-Dur des sehr bedeutende Pariser Komponisten Charles-Marie Widor verströmt Wärme und Innigkeit. Albert Schweitzer, einer von Widors Schülern, überlieferte ein Zitat des Meisters: "Orgelspielen heißt, einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen zu offenbaren." Die Interpretation von Dominikus Trautner vermittelt diesen Geist.

Zum Schluss erklingt der Choral "maestoso" in Pendaloktaven und in der vollen Lautstärke des Instruments. Margret Schoberth
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