Kasendorf

Optimierte Prozesse beim Diakonieverein

Der Diakonieverein Kasendorf-Wonsees ist in den vergangenen Jahren immer tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Doch jetzt hat sich das Blatt gewendet. Bankkaufmann Angelo Henninger hat die Prozesse optimiert. Und auch sonst kann der Verein mit viel Unterstützung rechnen.
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Die Pflegedienste der Diakonie ermöglichen es vielen Patienten, weiterhin in ihren eigenen vier Wänden zu wohnen. Hier zieht Sabine Herold einer Frau Socken an. Foto: Archiv/Alexander Hartmann
Die Pflegedienste der Diakonie ermöglichen es vielen Patienten, weiterhin in ihren eigenen vier Wänden zu wohnen. Hier zieht Sabine Herold einer Frau Socken an. Foto: Archiv/Alexander Hartmann
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Einen Fehlbetrag von rund 80.000 Euro musste der Diakonieverein Kasendorf-Wonsees im Jahr 2010 ausweisen. Die Betriebskosten konnten vom Ertrag für die Leistungen, die die Pflege- und Krankenkassen bezahlten, nicht mehr ausgeglichen werden, nach und nach geriet der Verein ins Minus. "Wir mussten handeln, weil die roten Zahlen Jahr für Jahr angestiegen sind", sagt Vorsitzender Günther Pfändner.

Unter dem Motto: "Gemeinsam neue Wege gehen" hat es der Diakonieverein in den vergangenen beiden Jahren geschafft, seine betriebswirtschaftliche Situation entscheidend zu verbessern. Und wenn alles so läuft, wie man es sich verspricht, wird das Geschäftsjahr 2013 endlich wieder mit einer "schwarzen Null" abschließen können.
Dass diese Entwicklung absehbar ist, verdanken die Verantwortlichen einer externen Hilfe, denn Angelo Henninger wurde für die Aufgabe, wieder einen finanziellen Aufschwung zu erreichen, ins Boot geholt.
Der Wirsberger, ein ausgebildeter Bankkaufmann, hat auf diesem Gebiet Erfahrung, denn er hat bereits den Diakonieverein Neuenmarkt-Trebgast-Wirsberg-Harsdorf fünf Jahre als ehrenamtlicher Geschäftsführer aus den roten Zahlen geführt.

Vorsitzender Günther Pfändner: "Dass es eine richtige Entscheidung war, zeigt uns nicht nur die betriebswirtschaftliche Entwicklung auf." Es seien neue Prozesse entwickelt und optimiert worden, und man habe das Geschäftsfeld "Hauswirtschaftliche Versorgung" weiter ausgebaut.

Ein steiniger Weg

Dass dieser Weg nicht einfach werden würde, war allen Beteiligten klar. Angelo Henninger: "Dass er aber so steinig war und dem Personal und den ehrenamtlichen Kräften am Ende alles abverlangte, das hätten wir so nicht gedacht. Trotzdem können wir heute froh und stolz darauf sein, dass wir diesen Weg gegangen sind. Es sind viele kleine Sachen, die wir in Angriff genommen haben."

Günther Pfändner kann sich auch noch an die guten Zeiten erinnern, die der Diakonieverein erlebte: "Wir bestehen jetzt seit 1981 und wir hatten Jahre, in denen wir wirklich noch Geld zurücklegen konnten. In dieser Zeit ist dann auch der Neubau der Diakoniestation entstanden. Doch vor sechs, sieben Jahren kam der große Einbruch, es ging mit den Gewinnen immer mehr zurück. Das ist aber nicht nur uns ergangen, sondern auch anderen Diakonieverein ringsherum. Es hat zwar immer wieder Bestrebungen nach einer Kooperation gegeben, doch die kam nicht zustande. Ich habe mich dann dazu entschlossen, unserem Ausschuss eine externe Hilfe vorzuschlagen." Pfändner räumt ein, dass es für die Mitarbeiter mitunter frustrierend war, wenn sie hören mussten, dass der Verein immer tiefer in die roten Zahlen rutscht.

Doch bereits im Geschäftsjahr 2011 konnte die erste Tendenz zur Trendwende festgestellt werden, obwohl Angelo Henninger erst im zweiten Halbjahr seine Tätigkeit beim Diakonieverein Kasendorf-Wonsees aufnahm. Das Geschäftsjahr 2012 schließt voraussichtlich mit einem Verlust von weniger als 15.000 Euro ab. Darin enthalten sind aber auch Rückstellungen, die für Jubiläen gebildet werden müssen, Ausgaben für zusätzlichen Urlaub und Sonderzahlungen, die erst in der Zukunft liegen, aber aus der Sicht eines Kaufmanns bereits jetzt gebildet werden müssen. Angelo Henninger: "Diese Gelder stehen uns aber als liquide Mittel weiterhin im Betriebsvermögen zur Verfügung. Enthalten sind auch Abschreibungen für das Gebäude der Diakoniestation in Höhe von 16.000 Euro."

Substanz konnte erhalten werden

Was den Bankkaufmann besonders freut: Die Substanz des Betriebsvermögens konnte erhalten bleiben. "Die Abschreibung auf das Gebäude ist ja eine steuerliche Angelegenheit. Entscheidend ist bei einem Gebäude der Verkehrswert, und dieser ist ja auch erhalten geblieben."

Für das erste Quartal 2013 liegt derzeit bereits ein positives Betriebsergebnis vor, was alle Beteiligten positiv stimmt. Henninger: "Wir müssen aber noch Weihnachtsgelder und Abschreibungen berücksichtigen, hoffen aber sehr, dass wir zum Jahresende wieder eine schwarze Eins schreiben."

Eine Eins als Gesamtnote bekamen die Mitarbeiter der Diakoniestation Kasendorf-Wonsees sowohl in der Pflege als auch bei der Kundenbefragung vom Medizinischen Dienst der Krankenkasse. "Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass durch Veränderungen und Umstrukturierung verschiedener Arbeitsprozesse die Qualität der Pflege sich weiter verbessert hat", so Vorsitzender Günther Pfändner. "Dafür danken wir den Schwestern unter der Leitung von Sabine Herold ganz herzlich. Sie und alle Mitarbeiter sind es schließlich, die diesen gemeinsamen Weg gehen."

Sabine Herold war gerade am Ende ihrer Ausbildung, als sie die Leitung übernahm: "Ich konnte aus der Schule Vieles mitnehmen, was die Mitarbeiterführung und den kontinuierlichen Verbesserungsprozess betrifft. Daran haben wir Tag und Nacht gearbeitet, aber ich musste die Mitarbeiter immer wieder ins Boot holen und überzeugen. Mir wurde aber auch großes Vertrauen entgegengebracht."

Für Günther Pfändner war es ein Glücksfall, dass Sabine Herold dazu überredet werden konnte, die Leitung zu übernehmen. In den Gemeinden Kasendorf und Wonsees erlebe der Diakonieverein aber gegenwärtig auch zusätzliches verstärktes Engagement. So habe der Markt Wonsees kürzlich den Betriebskostenzuschuss erhöht, und der Musikverein Kasendorf und die Kirche hätten den Erlös aus einem Gottesdienst und einem Konzert dem Diakonieverein zu Gute kommen lassen. Damit nicht genug: Der SSV Kasendorf veranstaltet am Samstag einen Benefizlauf für den Verein.
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