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Kulmbach
Szene

Online-Bandmuseum für Kulmbacher Gruppen

"Füge" Schnauder will mit einem Kulmbacher Bandmuseum im Internet den Gruppen ein Denkmal setzen, die in den vergangenen Jahrzehnten in der Kulmbacher Szene aktiv wurden. Neben zahlreichen Bildern aus vergangenen Zeiten hat er auch Lieder der Bands aufbereitet und zum Anhören hochgeladen.
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Brandy Schäck auf einem Plakat für das Konzert zum 10-jährigen Bestehen der Musikinitiative Kulmbach. Fotos: privat
Brandy Schäck auf einem Plakat für das Konzert zum 10-jährigen Bestehen der Musikinitiative Kulmbach. Fotos: privat
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Die gute alte Zeit. Wie schön war das damals, als Bands wie Frogoff Ataka, die Dunkelmänner und Hansdampf die Kulmbacher Musikszene unsicher machten. Als die Vestrufa noch Treffpunkt der Punks und Independent-Fans war. Mit einem virtuellen Bandmuseum will nun Axel "Füge" Schnauder an diese Zeit erinnern.

Seit 1983 ist Füge ("Unter meinem richtigen Namen kennt mich keiner") in der Kulmbacher Band-Szene aktiv. Bei den Saubkins, den Dunkelmännern, 2nd Subway und Frogoff Ataka war er für Keyboard oder Gesang verantwortlich.

Aber nicht nur das: Als Roadie, Stangehand und Bühnenfotograf unterstützte er einheimische und überregionale Acts. Der heute 47-Jährige hatte ein eigenes Tonstudio und sorgte bei Konzerten für die passende Livebeschallung.

Idee beim Digitalisieren

Auf die Idee, ein Internet-Museum für Kulmbacher Bands einzurichten kam er, als er eine alte Kassette der "Bail Bonds" digitalisierte. "Dabei habe ich gemerkt, dass das Material den Weg alles Irdischen geht und verloren ist, wenn man es nicht bald konserviert." Das gilt Füge zufolge nicht nur für die Bänder, sondern auch für die Fotos, deren Restaurierung wesentlich zeitaufwändiger sei als die der alten Kassetten. Bis zu eineinhalb Stunden braucht er, um ein einzelnes Foto zu bearbeiten. So lange dauert es unter anderem, die Kratzer zu beseitigen. "Alles manuell", die Automatik-Programme von Photoshop sind ihm da keine Hilfe.

Neben Stücken aus seinem eigenen Fundus erhält Axel Schnauder auch Material aus der Szene. "Mit denen nehme ich Kontakt auf - oder die melden sich bei mir. " Die Resonanz sei wesentlich stärker als gedacht. "Die Leute sind dankbar, dass ihre kreative Arbeit nicht im Keller vor die Hunde geht."

Bilder und Musik in gute Qualität

"Jetzt klickst Du auf die Museums-Seite und kannst Bilder in guter Qualität anschauen und die Lieder anhören. Manchen Bands gefällt das so gut, dass sie überlegen, wieder zu proben", erklärt Füge, der inzwischen als "Medienpapst für die bayerische Bereitschaftspolizei" arbeitet, sich unter anderem um die PR nach innen und außen kümmert.

Auf der Startseite von Bandmuseum.de hat er eine Liste von Bands erstellt, die er gerne noch auf in die "Kulmbacher Hall of Fame" aufnehmen möchte. Darunter sind Underground Society, Cormetic Fish Filets, E-601, Greymalkin, Kreisseech, Attraktiv & Preiswert, Fishbow Hub, Wanted, Die Moskauer Gurken, Elvis Left The Building, Arrested Mind, Pink Clouds, The Pharaoes, Rawside, Defection.

Es gibt also noch viel zu tun. "Ich rechne damit, dass der Internetauftritt im Laufe der Zeit den dreifachen Umfang bekommt", schätzt der 47-Jährige, der auch dem Peestener Open-air, der Musikinitiative Kulmbach (Mik) und der Gößmannsreuther Schule (Göstrufa) eine eigene Seite widmen will.

Coverbands und zu junge Gruppen will er nicht aufnehmen. "Das soll schon wie ein Museum sein." Er will sich übrigens nur um Kulmbach kümmern, steht aber jedem offen, der die Musikgeschichte einer anderen Stadt aufarbeiten will. Ein echtes Museum ist übrigens nicht geplant - aus Kostengründen.

Zum Teil heute noch aktiv

Was ist aus der Szene von damals geworden? Viele Leute sind nach Berlin gegangen, weil das Flair dort der Einstellung der Musiker mehr gelegen habe, viele sind in Kulmbach geblieben und zum Teil noch aktiv (Euroschäck, Shark). Einige seien sogar erfolgreiche Profis, spielen bei bekannten Bands wie Goethes Erben. Andere seien als Gastmusiker (Markus Köstner) im Geschäft, wieder andere sind Profi-Roadies.

Auch wenn es etwas ruhiger um die Kulmbacher Musiker geworden ist, so bringt die ungewisse Zukunft der Gößmannsreuther Schule, die Szene wieder zusammen. "Weil Proberäume die Musikszene sind."