Trebgast
Genüsse

Oberfranken ist eine Region der Superlative

In der Reihe "Kunst & Genuss" stellte sich der Verein Genussregion Oberfranken im Trebgaster "Bräustadl" vor.
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Manni Schill und Wolfgang Walter unterhielten die Gäste musikalisch. Foto: Dieter Hübner
Manni Schill und Wolfgang Walter unterhielten die Gäste musikalisch. Foto: Dieter Hübner
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Brauchtum, Handwerk und Kunst gehören zur oberfränkischen Heimat - und zu Trebgast. Die örtliche Kulturinitiative will mit ihrer Veranstaltungsreihe "Kunst & Genuss" genau diese Bereichezusammenführen. Nun ist dieser Ansatz von Vorsitzendem Hans Moos und seinem Team ja durchaus als löblich zu bezeichnen und sicher auch im Interesse vieler. Hinter einer solchen Veranstaltung kurz nach Beginn der Fastenzeit verbirgt sich für den einen oder anderen aber sicher auch viel Konfliktpotenzial. Für manche ist so ein Wechsel von Fastnacht zu Fastenzeit schwierig, vor allem dann, wenn das Ganze im "Bräustadl", dem Trebgaster Biertempel schlechthin, stattfindet.

Der "Bursche für alles"

Und wenn dann noch jemand ans Mikrofon tritt, sich als "Bursche für alles" im Verein Genussregion Oberfranken outet und dem noch hin- und hergerissenen Publikum erläutert, was Genuss eigentlich bedeutet, dann sind die guten Vorsätze erst einmal außer Kraft gesetzt - zumindest für diesen Abend.

Laut Lexikon ist Genuss "eine positive Sinnesempfindung, die mit körperlichem und/oder geistigem Wohlbehagen verbunden ist". Das bedeute nicht einfach nur einen vollen Bauch, erläuterte Geschäftsführer Norbert Heimbeck, "auch eine Etage höher kann man Genuss erleben".

Dabei versuchte er, den Besuchern zu vermitteln, sich wegen des Konsums von Bier und Schäuferla nicht gleich ein schlechtes Gewissen einzureden. "Wissenschaftler haben festgestellt, dass Kalorien gar nicht zählen können."

Aber Norbert Heimbeck gab auch zu, dass es nicht gerade einfach ist, ausgerechnet jetzt in der Fastenzeit den Begriff "Genuss" etwas näher zu beleuchten. Mit einigen Superlativen zeigte er auf, was die Genussregion auszeichnet: Oberfranken hat - gemessen an der Einwohnerzahl - weltweit die meisten Lebensmittelbetriebe, darunter 500 Metzger, 400 Bäcker und 170 Brauereien mit über 1000 Biersorten.

23 Genussorte gekürt

"Außerdem können wir 10 000 Landwirte, 2000 Obstbauern, 2500 Teichwirte und 600 Schnapsbrennereien vorweisen und haben rund um Pretzfeld das größte zusammenhängende Süßkirschen-Anbaugebiet Europas", wusste der Geschäftsführer. Über Jahrhunderte zurück wurde die sogenannte "kulinarische Historie" Oberfrankens komplett erforscht, dokumentiert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

In einem Wettbewerb des bayerischen Landwirtschaftsministeriums wurden vor einem Jahr 100 Genussorte ausgewählt. Davon befinden sich allein 23 in Oberfranken. "Dass es dem Verein um mehr als um Essen und Trinken geht, sieht man auch daran, dass wir 2015 von der Deutschen Unesco-Kommission als immaterielles Kulturerbe ausgezeichnet wurden. Großen Anteil daran haben die Limmersdorfer Lindenkirchweih, das Wunsiedler Brunnenfest, das Flößerwesen im Frankenwald, die Porzellanmalerei und die Korbmacherkunst."

Als "Hausherr" Hans Wernlein sein dunkles Bio-Bier vorstellte, erinnerten sich die meisten Gäste an die Mönche, die früher den Genuss von Starkbier mit der Aussage rechtfertigten: "Flüssiges bricht Fasten nicht."

Nun, um einen Sud Bockbier anzusetzen, dafür hatte der "Bräu" dieses Mal offensichtlich keine Zeit. Aber die "schwarze Kunni", mit dunklem Malz eingebraut und nach Kuni Haberstumpf benannt, war durchaus ein akzeptabler Ersatz.

"Geräucherte schwarze Wörscht"

Dazu eine deftige Suppe anzubieten, war eine gute Wahl von Vorsitzendem Hans Moos. Die Beilagen, "geräucherte schwarze Wörscht" der Metzgerei Friedrich sowie Brot und Brezeln der Bäckerei Sesselmann demonstrierten eine Auswahl der vielfältigen örtlichen Genuss-Angebote.

Bliebe nach so viel Genuss noch die Kunst. Die kommt von Können. Und wenn man's kann, ist es keine Kunst mehr. Das jedenfalls sagt Glashandwerker Bernt Pingel, und möchte sich deshalb auch nicht als Künstler bezeichnen. Trotzdem: Er beherrscht dieses Handwerk aus dem "Effeff" und erklärte den Gästen, was Glas ist, wie es hergestellt und von ihm zu kleinen Kunstwerken verarbeitet wird.

Manni Schill mit seiner Quetschn und Wolfgang Walter am Bass sorgten zwischendurch für Unterhaltung und Erheiterung.



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