Kulmbach
Gespräch

OB spricht mit Kritikern an Plänen für Obdachlosenunterkunft in Kulmbach

Anwohner aus dem Goldenen Feld trafen sich mit Oberbürgermeister Henry Schramm wegen der geplanten Obdachlosenunterkunft auf dem alten Stadtwerkegelände.
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Auf dem früheren Gelände der  Stadtwerke an der Ecke Schützenstraße/Am Goldenen Feld wird die neue Unterkunft für Obdachlose gebaut.  Archiv/Stephan Tiroch
Auf dem früheren Gelände der Stadtwerke an der Ecke Schützenstraße/Am Goldenen Feld wird die neue Unterkunft für Obdachlose gebaut. Archiv/Stephan Tiroch
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Die Stimmung war anfangs aufgeheizt, denn die Anwohner hatten von dem Vorhaben aus der Zeitung erfahren und vermissten nähere Informationen. Durch die Veranstaltung konnten aber viele Bedenken zerstreut werden.

Auf dem alten Gelände der Stadtwerke, im Goldenen Feld, soll eine Obdachlosenunterkunft entstehen. Geplant ist, die Unterkunft in Containerbauweise zu erstellen. Der Platz soll für bis zu 32 Menschen ohne feste Wohnung reichen - für Alleinlebende, aber auch für Familien.

"Wir müssen eine Obdachlosenunterkunft vorhalten. Das hatten wir bisher auch schon im Dreibrunnenweg und in der Hermann-Limmer-Straße", so Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU). Doch das Haus in der Hermann-Limmer-Straße stammt aus den 20er Jahren, die Installationen, die Bausubstanz, die Ausstattung ist verbraucht. Deshalb hat die Stadt nach einem neuen Standort gesucht.

Nach einem Standort, der so zentral liegt, dass die Behörden, die öffentlichen Einrichtungen und Einkaufsmärkte fußläufig erreichbar sind. Und dieser Standort, so hat der Stadtrat in der vergangenen Woche einstimmig beschlossen, soll auf dem Stadtwerkegelände sein - in direkter Nähe zur ehemaligen Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der Schützenstraße. Es ist geplant, auf dem riesigen Stadtwerkegelände eine Parzelle von 1260 Quadratmetern zu umzäunen. Es soll nur einen Zugang geben. Und der wird überwacht. Auch ein Sicherheitsdienst wird eingesetzt werden.

Das Neue an dem Unterbringungskonzept ist eine sozialpädagogische Betreuung. Für die zeichnet in Zukunft das Bayerische Rote Kreuz verantwortlich, erklärte Oberbürgermeister Henry Schramm. "Wir betreuen seit 2000 mit 17 sozialpädagogischen Kräften psychisch kranke Menschen, darunter sind auch Menschen, die eine Tendenz zur Verwahrlosung haben", so der Leiter des BRK, Jürgen Dippold. Und mit diesem Konzept möchte er die Obdachlosen zurück ins Leben integrieren. "Wir möchten die Kontakte zu den Menschen schon vor dem Umzug ins Goldene Feld aufbauen", sagt Dippold. "Wir wollen die Menschen aus ihrer Lethargie herausholen, wir wollen erreichen, dass sie sich langfristig wieder selbst versorgen können. Wir setzen tagesstrukturierende Maßnahmen ein", erklärt Dippold das Konzept.

"Die Unterbringung der Obdachlosen in den Baracken war bisher nicht befriedigend. Die Leute haben sich abgekapselt, haben die Wohnungen zugemüllt - und wir konnten nicht einmal hinein. Das was uns von einem Bewohner per Rechtsanwalt untersagt", sagte Oberbürgermeister Henry Schramm.

Genau dieses Verhalten hat schließlich dazu geführt, dass bei einem verheerenden Brand in einer Wohnung im Dreibrunnenweg einer der Bewohner ums Leben gekommen ist.

Aus diesem Grund soll es in der neuen Obdachlosenunterkunft eine strenge Benutzungsordnung geben, betonte Diana Edelmann vom Rechtsamt der Stadt Kulmbach. In dieser Benutzungsordnung ist klar festgelegt, dass die Menschen, die dort unterkommen, nur wenige persönliche Gegenstände mitnehmen dürfen. Tiere und Trinkgelage sind verboten, ebenso offenes Feuer.

Die Bewohner dürfen ihre Wäsche nicht auf der Heizung trocknen, dürfen keine baulichen Veränderungen vornehmen und auch Lärmbestimmungen sind einzuhalten. An der Pforte soll kontrolliert werden, dass die Wohnung nicht zugemüllt wird. Außerdem regelt die Benutzungsordnung klar, dass die Stadt jederzeit - nach Vorankündigung - ein Zugangsrecht hat. Notfalls können Verstöße mit Bußgeldern oder mit einem Verweis aus der Einrichtung geahndet werden.

Die Anwohner machten sich vor allem Sogen wegen etwaiger Lärmbelästigung, möglicherweise auch nachts. Ein Anwohner bemängelte die "Ghettoisierung", ließ sich aber dahingehend belehren, dass durch den geregelten Zugang leichter für Ordnung gesorgt werden könne.

"Wir versuchen doch, die Situation zu verbessern Es ist bestimmt nicht so, dass es nie Probleme geben wird. Aber wir müssen es wenigstens versuchen, etwas zu ändern", sagte Oberbürgermeister Henry Schramm.

Die Anwohner betonten am Ende der Zusammenkunft im Rathaus, dass sie mit dem Standort leben könnten. Allerdings habe ihnen die Tatsache nicht gefallen, dass erst der Stadtratsbeschluss gefasst wurde und sie dann informiert worden seien.


Kommentar von Alexander Müller

OB Henry Schramm hat völlig recht: Die Gesellschaft muss sich auch um Obdachlose kümmern, auch wenn dies naturgemäß nicht einfach ist. Die unhaltbaren Zustände im Dreibrunnenweg und in der Hermann-Limmer-Straße wurden viel zu lange hingenommen - und erst nach dem tragischen Tod eines Bewohners einer der Unterkünfte hat sich etwas bewegt.

Das Konzept, das die Stadt jetzt verfolgt, ist gut - vor allem das Angebot einer sozialpädagogischen Betreuung könnte dabei helfen, manchen der Obdachlosen stärker zu integrieren und aus seiner Lebenssituation herauszuholen. Dass der OB selbst jetzt dafür um Verständnis bei kritischen Anwohnern wirbt, ist ihm hoch anzurechnen. Ob es allerdings geschickt war, die Kritiker zuvor vor vollendete Tatsachen zu stellen, kann man hinterfragen.

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