Untersteinach

Nur die WGU gehört in Untersteinach zu den Freien Wählern

Gibt es in Untersteinach zwei Bürgermeister-Kandidaten aus den Reihen der Freien Wähler? Eine Frage, die gar nicht so leicht zu beantworten ist.
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Untersteinach ist eine der Gemeinden im Landkreis, die in der ablaufenden Wahlperiode für eine Reihe von Schlagzeilen gesorgt hat. Für die Kommunalwahlen bewerben sich neben Amtsinhaber Volker Schmiechen (SPD) zwei Kandidaten auf dem Ticket der Freien Wähler - eine Aussage in der Dienstags-Ausgabe der Bayerischen Rundschau, die den Widerspruch von Helmut Bergmann, Vorsitzender und Bürgermeisterkandidat der Wählergemeinschaft Untersteinach (WGU), und von Markus Weigel (Ex-Bürgermeisterkandidat und Gemeinderat der WGU) hervorgerufen hat.

Im Gespräch mit den Beteiligten haben wir eine Klärung herbeizuführen versucht, was angesichts der Struktur der Freien Wähler nicht ganz so einfach ist.

Ein Blick zurück: Im März 2016 hatte der ehemalige Bürgermeisterkandidat Markus Weigel seinen Austritt aus der WGU-Gemeinderatsfraktion verkündet, weil - so seine Begründung - die übrigen Mitglieder ihn als Vorsitzenden ablösen wollten. Weigel verband damals seinen Austritt aus der Fraktion mit deutlicher Kritik an Philipp Simon Goletz. Als Fraktionssprecher folgte ihm WGU-Ehrenvorsitzender Alfred Vießmann schon im März nach.

Ende März dann der Paukenschlag: Mit Wirkung zum 30. März 2016 vollzogen die damaligen Gemeinderäte der WGU Philipp Simon Goletz (seinerzeit zugleich Vorsitzender der WGU), Thomas Rosenberger und Alfred Vießmann (beide damals Vorstandsbeiräte der WGU) sowie Christian Lotter (seinerzeit Zweiter Vorsitzender der WGU), Renate Meißner und Ulrich Weigel (beide Vorstandsbeiräte) die Rücktritte von ihren Ämtern und den Austritt aus der Wählergemeinschaft. Keiner der Genannten äußerte sich zunächst zu den Gründen - allerdings gab es eine Vorgeschichte, die mit dem Öffentlichmachen der vermeintlichen Pool-Affäre durch Markus Weigel begann.

Anfang April 2016 nahmen die drei Gemeinderäte dann Stellung und traten als Fraktion der Untersteinacher Bürgergemeinschaft (UBG) auf. Nicht ohne "Häme und Schmähungen" aus dem Umfeld ihres Ex-Fraktionskollegen Markus Weigel zu kritisieren.

Ende April rückte dann Helmut Bergmann an die Spitze der WGU - sein Stellvertreter wird Markus Weigel. Ende November 2016 gründet sich die UBG als Verein - Vorsitzender wird Philipp Simon Goletz, sein Stellvertreter Christian Lotter.

Die Freien Wähler auf Kreisebene sehen nach wie vor die ältere Vereinigung WGU als ihren örtlichen Verband an. Der Verband nimmt daher auch die Abkürzung der Freien Wähler in der Bezeichnung auf und nennt sich FW-WGU.

Damit will man Missverständnissen beim Wähler vorbeugen, denn: Mitglieder der UBG sind weiter auch im Kreisverband der Freien Wähler Mitglied. So zum Beispiel Philipp Simon Goletz, der jedoch bestätigt, dass die UBG als Verein nicht zu den Freien Wählern gehört - und auch der Bürgermeister-Kandidat der UBG, Harald Kleiber, ist persönlich Mitglied im Kreisverband. Dies ist deswegen möglich, weil die Freien Wähler in ihrem Kreisverband auch Einzelmitgliedschaften zulassen, wie MdL Rainer Ludwig erklärt, der sowohl Chef des Kreisverbands, als auch Vorsitzender der Kreisvereinigung der Freien Wähler ist. Der Unterschied: Die Kreisvereinigung ist laut Ludwig zuständig für den überregionalen Wahlbetrieb - also zum Beispiel für die Nominierung der Kandidaten für die Europa-, Bundes- und Landtagswahlen.

Der Kreisverband kümmert sich um die kommunale Ebene, führt die Ortsverbände zusammen und organisiert die Wahlen für Kreistag und Landrat. Die Ortsverbände wiederum bereiten die Wahlen für Gemeinderäte und Bürgermeister vor.

UBG-Kandidat Harald Kleiber ist eigenen Angaben zufolge seit November 2019 offizielles Mitglied der UBG. Vorher war er als Bürgermeister-Kandidat in Schillingsfürst (Landkreis Ansbach) zur Kommunalwahl im Jahr 2002 Mitglied der dortigen Freien Wähler.

Von 2008 bis 2012 war er Mitglied der Freien Wähler Thurnau und hat auch als Gemeinderat kandidiert. 2012 ist er dort wegen seines Umzugs nach Untersteinach ausgetreten. Dem Kreisverband der Freien Wähler gehört er aber weiter an. In Untersteinach ist er zunächst der WGU nicht beigetreten. Erst Ende des Jahres 2019 hat ihn dann die UBG als Mitglied gewonnen.

FW-Kreisvorsitzender Rainer Ludwig unterstreicht ebenfalls, dass die UBG nicht zu den Freien Wähler gehört: "Aber sie identifizieren sich meiner Meinung nach schon mit der Philosophie der Freien Wähler."

Die Antwort auf die Ausgangsfrage ist also: In Untersteinach gibt es keine zwei Bürgermeister-Kandidaten der Freien Wähler, aber zwei Bewerber, die Mitglied der Freien Wähler sind.

Eine Podiumsdiskussion mit allen drei Bürgermeister-Kandidaten findet am Dienstag, 11. Februar, in der Turnhalle in Untersteinach statt.

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