Kulmbach
Nominierung

Nun ist es offiziell: Ingo Lehmann (SPD) fordert Henry Schramm heraus

Großer Vertrauensvorschuss für Ingo Lehmann: Die Kulmbacher SPD schickt den 48-Jährigen mit 100-prozentiger Zustimmung ins OB-Rennen.
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Strahlende Gesichter: Die Kulmbacher SPD hat bei der Nominierungsversammlung am Donnerstagabend im "Gründla" Ingo Lehmann (Dritter von rechts) mit 100 Prozent Zustimmung als OB-Kandidat erkoren. Zu den ersten Gratulanten zählten (von links) Elisabeth Weith, Simon Moritz, Heike Schweens, Tochter Laura und Ehefrau Margit Lehmann, Kreisvorsitzende Inge Aures, Matthias Meußgeyer und Hans Werther,J. Nützel
Strahlende Gesichter: Die Kulmbacher SPD hat bei der Nominierungsversammlung am Donnerstagabend im "Gründla" Ingo Lehmann (Dritter von rechts) mit 100 Prozent Zustimmung als OB-Kandidat erkoren. Zu den ersten Gratulanten zählten (von links) Elisabeth Weith, Simon Moritz, Heike Schweens, Tochter Laura und Ehefrau Margit Lehmann, Kreisvorsitzende Inge Aures, Matthias Meußgeyer und Hans Werther,J. Nützel

Nachdem das Ergebnis feststand, gab es einen Kuss von Ehefrau Margit und eine aufmunternde Umarmung von Tochter Laura. "Das werte ich als Zustimmung meiner Familie und nehme die Wahl an", sagte Ingo Lehmann lachend. Der Ortsvereins- und Fraktionsvorsitzende der Kulmbacher SPD war soeben von den Kulmbacher Genossen mit 100 Prozent (alle 37 Wahlberechtigten votierten für ihn) zum OB-Kandidaten für die Kommunalwahl am 15. März 2020 erkoren worden. Für den 48-Jährigen ist es nach 2012 der zweite Anlauf auf den Chefsessel im Rathaus.

Für die Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Inge Aures war klar, dass die SPD wieder einen eigenen Bewerber präsentiert, schließlich sollte es in einer Demokratie selbstverständlich sein, dem Bürger ein Wahlangebot zu unterbreiten. "Und ich freue mich, dass wir den Ingo nicht lange breitklopfen mussten, um ihn zu einer erneuerten Kandidatur zu bewegen." Lehmann habe nicht zuletzt in seiner langjährigen Tätigkeit als Stadtrat unter Beweis gestellt, dass er engagiert für "sein Kulmbach" eintrete. Nicht zuletzt aufgrund seiner Ausbildung als Diplom-Geograf besitze er den nötigen fachlichen Weitblick, um neue Ideen für die Stadtentwicklung anzustoßen und zu kreieren.

Wohnraum für die Bürger

"Kulmbach mit Charakter"; Unter diesem Motto stand Lehmanns Bewerbungsrede vor den etwa 90 Besuchern in der Gaststätte "Gründla". Er wertete es als großen Gewinn, dass Kulmbach Universitätsstadt wird, denn dadurch bekomme das Thema Wohnraum eine besondere Bedeutung. "Aber eins muss klar sein: Wir dürfen nicht nur für die Studenten bauen, sondern wir müssen eine Wohnraumpolitik für die Menschen machen, die bereits hier leben, die aber nach einer bezahlbaren Wohnung suchen. Auf diese Menschen müssen wir unseren Blick richten." Das gelte für altersgerechtes Wohnen ebenso wie die Berücksichtigung der Bedürfnisse von Familien.

Vor diesem Hintergrund verteidigte er die Einberufung eines Wohnungsgipfels. "Unser Antrag wurde einfach vom Tisch gewischt, stattdessen gibt es keinerlei koordinierte Entwicklung für Kulmbach. Niemand weiß, wahrscheinlich nicht einmal der OB selbst, wohin die Reise geht." Sollte er in fünf Monaten Henry Schramm ablösen, werde er, so Lehmann, zusammen mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft den Wohnungsmarkt für die Bürger ankurbeln.

Ferner plädierte der 48-Jährige für eine Altstadtsatzung, um echten Ensembleschutz zu gewährleisten. "Eine solche Satzung bedeutet nicht, dass hier keiner mehr bauen oder seine Häuser sanieren darf. Sie bedeutet aber, dass die äußere Gestaltung, die besonderen Anforderungen an Gebäude beziehungsweise bauliche Anlagen und freie Flächen eindeutig geregelt werden." Der Denkmal-/Altbaubestand werde ein immer wichtigerer Imagefaktor für Kommunen.

Unterstützen will er auch den Einzelhandel. "Ich kann nicht verstehen, warum die Stadt sich dem Wunsch der Händler nach einem ,Kümmerer' verschließt", sagte Lehmann und versprach, sich der Belange anzunehmen. Was die zentrale Versorgung gerade älterer Mitmenschen mit Lebensmitteln angeht, brachte er seine Idee von 2012 wieder ins Spiel. "Warum soll hier nicht das Konzept einer Markthalle funktionieren?"

Dabei gehe es dem Kandidaten nicht allein ums Pragmatische, sondern auch um die Aufenthaltsqualität in der Stadt. Das Kaufplatz-Gelände eigne sich hier hervorragend als Treffpunkt und Begegnungsort für Jung und Alt, sagte Lehmann. "Mir ist ein Bürgerplatz im Herzen allemal lieber, als wenn ein Ort mit einem quadratischen Karton zugebaut wird. Wir brauchen Leben in der Stadt."

Busliniennetz nicht ausdünnen

Als weitere Schwerpunkte seiner Arbeit nannte Lehmann den Ausbau des Radwegenetzes und die Erhaltung des Stadtbusverkehrs. "Eine Ausdünnung des Liniennetzes wird es mit mir nicht geben", sagte er unter dem Beifall der Zuhörer. Was den Politikstil anlangt, so handle er nach der Maxime: "Keine Entscheidungen über die Köpfe der Bürger hinweg." An Amtsinhaber Henry Schramm richtete er den Appell: "Sie müssen den Menschen vor Ort auch zuhören und ihnen nicht das Wort im Munde herumdrehen."

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