Kulmbach
Umwelt

"Nichtstun ist kein Ansatz, der etwas ändert"

Um das Klima zu schützen, gilt es, weniger Müll zu produzieren. Auch Kulmbacher Supermärkte sind bestrebt, den eigenen Verpackungsmüll einzudämmen.
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Inhaber Michael Seidl will seinen Edeka-Markt Schritt  für Schritt  nachhaltiger machen.Mirjam Stumpf
Inhaber Michael Seidl will seinen Edeka-Markt Schritt für Schritt nachhaltiger machen.Mirjam Stumpf
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Für Michael Seidl ist Müllreduzierung nicht nur leeres Gerede, sondern ein Punkt, an dem Handeln möglich ist. Der Inhaber des Edeka-Markts Seidl ist ein aufgeschlossener Mensch. Man merkt, dass Nachhaltigkeit ihm persönlich am Herzen liegt.

Seit der Eröffnung der Filiale im Oktober 2013 versucht er deshalb engagiert, auch dort umweltschonendes Verhalten umzusetzen. Neu ist deswegen ein kleines Holzregal, das im Eingangsbereich des Marktes zwischen Kasse und Schiebetüren zu finden ist. "Aus Platzgründen steht es erst einmal dort, gleichzeitig soll es natürlich auch auffallen," sagt Seidl über das neue und besondere Produktregal.

Die biologischen Produkte der Firma Grünkunft sind in einer bioveganen Hülle verpackt, die vollständig kompostierbar ist und damit eine echte Alternative zu herkömmlichen Plastikverpackungen bietet. Auf diese Art sind die Verpackungen bislang einzigartig. Michael Seidl ist daher stolz, als erster Filialleiter in Franken die Produkte der jungen Firma in sein Sortiment aufgenommen zu haben.

Viele bisherige Alternativen zu Plastikverpackungen seien in Wirklichkeit gar keine, sagt der Inhaber. Zwar werde bei diesen Plastik vermieden, der Energieaufwand, der zur Produktion sogenannter Bio-Plastiktüten betrieben werden müsse, sei dabei allerdings immens hoch. "Damit ist der Sinn dahinter, nämlich nachhaltig zu produzieren, wieder hinfällig", so Seidl.

Auch laut dem Bundesamt für Umwelt und Naturschutz sind solche biologisch abbaubaren Kunststoffe nicht unbedingt nachhaltig. Die Hüllen der Firma Grünkunft hingegen sind aus Holzschnittabfällen gefertigt und können somit vollständig abgebaut werden.

Das Thema Nachhaltigkeit ist aber nicht nur im Edeka-Markt Seidl präsent. Auch bei Real bemühe man sich zunehmend um Umweltschutz. Seit Oktober letzten Jahres können Kunden bei Real in Kulmbach ihre eigenen Behältnisse zur Befüllung an der Frischetheke mitbringen. Das sei dort gern gesehen.

Ungefähr zur gleichen Zeit wurden die Plastiktragetaschen aus dem Laden verbannt. "An verschiedenen Ebenen wird ständig darauf geschaut, Verbesserungen durchzuführen. Das fängt auch schon bei Mehrwegpaletten bei der Annahme an", sagt Michael Peter, Geschäftsleiter der Supermarktfiliale.

Verpackungsreduktion ist ein Punkt, an dem auch der Konzern Rewe schon länger arbeitet. Rewe habe als eine der ersten Supermarktketten die Möglichkeit geschaffen, auf Mehrwegnetze anstelle der Knotenbeutel zurückzugreifen, so Geschäftsleitung Jutta Hollweg von Rewe Hollweg.

Politischer Druck fehlt

Detlef Zenk ist Leiter des Fachbereichs Abfallberatung und Klimaschutz am Landratsamt Kulmbach. Neben Öffentlichkeitsarbeit oder dem Betrieb von Deponien ist er auch für die Beratung in der Abfallvermeidung bei Verpackungen zuständig. In seiner Funktion als Abfallberater setzt er sich unter anderem dafür ein, den Verbraucher davon zu überzeugen, weniger Müll im Alltag zu erzeugen. Dazu gehören beispielsweise Kooperationen mit der Sparkasse, bei der alle Erstklässler Brotdosen und Flaschen kostenlos zur Einschulung bekommen.

Das eigentliche Problem der oft übermäßigen Verpackungen von Produkten in Supermärkten sieht er jedoch woanders. Grundsätzlich gehe es nicht darum, alle Verpackungen recyclingfähig zu machen. Das Produkt müsse dem Kunden stattdessen gefallen und in seiner Optik gut aussehen. "Solange sich das nicht ändert, sortieren wir uns hier in der Entsorgung einen Wolf", sagt Zenk. Ohne politischen Druck würde aber wenig geschehen.

Michael Seidl kann zumindest selbst entscheiden, welche Möglichkeiten er in seiner Filiale realisiert. Das Sortiment der Firma Grünkunft, das er bisher führt, ist noch überschaubar. Allerdings liegt das auch daran, dass eine mögliche Ausweitung vom Angebot abhängt. Da die Firma aus Wasserburg am Inn erst seit kurzem existiere, gebe es noch nicht genug Produkte für den Handel.

Doch nicht nur das soll sich in Zukunft ändern. Ab kommender Woche will Seidl alle Papier- sowie Plastiktüten nach und nach aus der Obst- und Gemüseabteilung nehmen. Stattdessen können Kunden auf Einkaufskörbe gegen Pfand zurückgreifen, wenn sie spontan doch mehr einkaufen möchten als geplant.

Für die wenigen Produkte, die wirklich Schutz beim Transport brauchen, stünden noch Spitztüten aus Papier bereit. In Planung ist außerdem der Einsatz von Tara-Waagen, damit Kunden ihren Einkauf auch hier guten Gewissens in eigenen Behältern mitnehmen können. Seidl hofft, dass dadurch der Verbrauch von unnötigen Verpackungen in der Obst- und Gemüseabteilung deutlich zurückgeht.

Auch Abfallberater Detlef Zenk hält ein solches Handeln für einen Schritt in die richtige Richtung. Denn trotz aller Hindernisse im Kampf gegen den Müll , sagt er: "Nichtstun ist schließlich auch kein Ansatz, der etwas ändert."

KOMMENTAR

VON MIRJAM STUMPF

Natürlich umhüllt

Stößt man beim Gang durch den Supermarkt auf Kuriositäten wie in Klarsichtfolie gewickelte Mandarinen, geschält wohlgemerkt, dann kann einen doch das ungute Gefühl beschleichen, dass hier etwas nicht ganz richtig läuft.

Man könnte innehalten und sich die Frage stellen, ob die Natur im Laufe der Jahre nicht vielleicht auf die intelligente Idee gekommen sein könnte, die zarten Mandarinenschnitze in einer robusten Hülle wachsen zu lassen? Doch, sie nennt sich für gewöhnlich auch schlicht: Schale.

Da ist es doch beruhigend, wenn einzelne Supermärkte gezielt einem regelrechten Verpackungswahnsinn entgegenwirken wollen. Eine einzelne Banane in ein Plastiksäckchen zu stecken, ist mit zwei Handgriffen getan. Aber wenn erst gar keine Tüten zur Verfügung stehen, ist man doch gezwungen, seinen gewohnten Einkauf anders zu organisieren.

Provokation? Einschneidung des Rechts, selbst zu entscheiden? Dazu gibt es sicherlich geteilte Meinungen.

Und dann ist es zudem erfreulich, wenn sich Firmen eigens die Mühe machen, alltägliche Produkte in Bioqualität in abbaubaren Verpackungen auf den Markt zu bringen. Diese lose einzukaufen, bedürfe wirklich der vorherigen Planung. "Aber der Preis...", habe ich als Antwort darauf bereits im Ohr. Mag sein, dass es immer irgendwo einen Haken gibt. Es zwingt einen ja auch niemand, bestimmte Produkte einzukaufen. Aber mal unter uns: Die einzelne Banane in der Tüte - ist das wirklich zwingend notwendig?



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