Gärtenroth
Gastronomie

Neustart in Gärtenroth: Pferdeweide gesucht - Hotel gefunden

Im Gasthaus Rot steht ein neues Team am Start: Warum sich Anissa und Mario Gropp aus Altenkunstadt neben der Umwelttechnik noch ein Standbein zugelegt haben.
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Die Sandstein- und  Fachwerkfassade gibt dem Gärtenrother Gasthaus sein prägnantes Aussehen. Die neuen Eigentümer Anissa und  Mario Gropp (rechts) führen derzeit viele Gespräche mit Handwerkern. Foto: Stephan Tiroch
Die Sandstein- und Fachwerkfassade gibt dem Gärtenrother Gasthaus sein prägnantes Aussehen. Die neuen Eigentümer Anissa und Mario Gropp (rechts) führen derzeit viele Gespräche mit Handwerkern. Foto: Stephan Tiroch
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Das Gasthaus Rot in Gärtenroth sei ein Schnäppchen gewesen, heißt es am Stammtisch. Verkauft für 180.000 Euro. "Ja, haben wir auch schon gehört", sagen Anissa und Mario Gropp. Die Altenkunstadter lächeln amüsiert, während die Handwerker im Haus herumwuseln.

Den Fantasiepreis, der im Dreiländereck Lichtenfels-Kulmbach-Kronach herumgeistert, stellt das Unternehmerpaar gleich mal richtig: "Wir investieren einen hohen sechsstelligen Betrag." Und die gelernte Hotelfachfrau (27) und ihr Mann (40) erzählen eine ungewöhnliche Geschichte - wieso sie sich noch ein Standbein zugelegt haben.

Deutschlandweit und in Österreich tätig

Am Jahresende gab es im Gasthaus Rot (früher Hofmann) einen Eigentümerwechsel. Holger Sattler ist raus. Die Neuen kommen aus einer ganz anderen Branche: Ihr Metier war bisher die Umwelttechnik - Kanal-TV, Rohr- und Kanalreinigung, Tankbau, Öl- und Fettabscheider. 2006 gegründet, hat sich das Altenkunstadter Unternehmen am Markt etabliert und ist mit mittlerweile 15 Mitarbeitern deutschlandweit und in Österreich tätig.

Was war der Grund, so ein Anwesen zu übernehmen? Ganz einfach: Zufall. Mario Gropp: "Wir haben eine Pferdeweide gesucht. Der Makler sagte, er hat was - aber mit Hotel und Gastwirtschaft." Bei der Besichtigung hat's gleich gefunkt. "Wir waren fasziniert und haben es gekauft", so seine Frau.

"Es" ist ein Fachwerkgebäude von 1823 und nicht gerade klein: ein ausgewachsenes Wirtshaus mit Tradition, dazu ein jüngerer Anbau mit Festsaal und Hotel mit über 60 Betten. Bei der zweiten Besichtigung stellte sich heraus, dass der Renovierungsbedarf doch beträchtlich ist. "Wir haben nicht gedacht, dass wir so viel reinstecken müssen", sagt die Hotelfachfrau. Deshalb dauert's noch mit der Eröffnung. "Ende Februar", schätzt die Chefin.

Gagel: Viele machen zu

Dass es in Gärtenroth weitergeht, freut auch den Kreisvorsitzenden des Hotel- und Gaststättenverbands. Denn: "Wie in ganz Bayern machen auch im Kreis Lichtenfels viele Wirtshäuser zu", klagt Volker Gagel aus Michelau und spricht von "schwierigen Rahmenbedingungen". Man finde kaum Personal. Dafür gebe es umso mehr Kontrollen von Zoll, Finanzamt und Lebensmittelüberwachung. Dazu der Verwaltungsaufwand ("der Wahnsinn") mit den Dokumentationspflichten. Gärtenroth sei mal "ein sehr positives Zeichen", so Gagel.

Derweil wird im Gasthaus Rot überall renoviert. Großreinigung im ganzen Haus, es wird gestrichen, umgebaut, ausgebaut. "Die Hotelzimmer erkennt man danach nicht mehr. Wir bringen alles auf Vordermann", sagt Anissa Gropp, deren Mutter die Leitung des Hotels - bald mit Hochzeitssuite mit Whirlpool - übernehmen wird.

Chef und Chefin wollen künftig "auch selber vor Ort sein" und schaffen in Gärtenroth fünf Vollzeit- und fünf Teilzeitarbeitsplätze. Ein komplett neues Team und ein neues Konzept. Es bleibt der Name und das Rotbier, das weiterhin im Kulmbacher Brauereimuseum gebraut wird. Die Gropps haben viele Ideen - das fängt beim größeren Biergarten an und hört in der Küche auf.

Mit Mälzer und Witzigmann

Dort ist das Reich von Daniel Höhn, der schon in Salzburg und St. Moritz gekocht und bei Spitzenköchen wie Tim Mälzer, Christian Rach oder Eckart Witzigmann gearbeitet hat. Der 35-Jährige aus Theisenort (Küps) betont: "Wir kochen alles frisch, und die hochwertigen Zutaten kommen aus der Region." Die Speisekarte soll fränkisch und international ("ein bisschen mediterran, ein bisschen französisch") sein.

Großen Wert legen die Neuen auf ein gutes Miteinander im Dorf. Auch bei Festen und Feiern - der Saal ist 2019 schon fast komplett ausgebucht - sollen andere Gäste nicht vor verschlossener Tür stehen.

"Etwas Positives für die Region"

Bei der Feuerwehr, für deren Hauptversammlung ausnahmsweise geöffnet war, hat die Familie schon mal einen guten Eindruck hinterlassen. "Es kann etwas Positives für die Region werden", glaubt Ortssprecher Edwin Bauersachs. "Ich bin froh über alles, was das Dorf belebt."



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