Kulmbach

Neujahrskonzert der Hofer Symphoniker in Kulmbach: Ein Feuerwerk nach Noten

Die Hofer Symphoniker setzten mit dem Percussion-Duo Double Drums auf Überraschungseffekte und begeisterten die Zuhörer in der Dr.-Stammberger-Halle.
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Umjubelte Drummer mit außergewöhnlichem Können: Alex Glöggler und Philipp JungkHorst Wunner
Umjubelte Drummer mit außergewöhnlichem Können: Alex Glöggler und Philipp JungkHorst Wunner
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Wer sich leicht beschwingt ins neue Jahr hineintragen lassen wollte, der war in diesem Konzert über weite Passagen am falschen Ort. Wer aber die Gewalt der Musik, ihre ausufernde Komplexität und ihre kaum noch einzudämmende Wucht spüren wollte, der lag richtig. In der Dr.-Stammberger-Halle führten die Hofer Symphoniker nicht in ein bezauberndes, sondern in ein "verzaubertes" Neujahrskonzert. Mit einer bewundernswerten Agilität und großem schöpferischen Können beeindruckten die Musiker ihre Zuhörer.

Herausragende Kombination

Es war eine große Schwere, die 60 Orchestermitglieder und ein gestenreicher, fordernder Dirigent Johannes Klumpp hochkonzentriert mit spielerischer Kraft und oft explosionsartig in den Stadthallenhimmel sandten. Begleitet vom preisgekrönten Percussion-Duo Double Drums, entstand eine Detonations-Staffette in sensationeller Abfolge.

Dieses nahtlose Verständnis zwischen hartem Schlagzeug-Beat und Orchestralem ließ aufhorchen, machte den Abend zu einem gewöhnungsbedürftigen, jedoch überaus mitreißenden Erlebnis, das im Inneren der faszinierten Besucher sicher noch lange nachhallen wird.

Die Zauberer sind los

In der Ouvertüre zu "Die Zauberflöte D 644" von Franz Schubert oder "Der Zauberlehrling" von Paul Dukas war diese Stimmung direkt spürbar, die zusätzlich pfeilschnellen Striche der Geigen und die stimmulierenden Klänge des Fagotts verschmolzen zu einem großen, aufwühlenden Ganzen.

Dazwischen gab es auch Zartgewobenes in feiner Nuancierung, filigranes Echo, Stillstand, Aufleuchten aller Instrumente und wieder Ruhe. Schließlich Furore, eben die unkontrollierten Künste des Zauberlehrlings kunstvoll gehämmert. Ein wilder Fluss an Tönen, der sich unbeirrt seinen Weg bahnte.

Zwei Seiten der Macht

Den zwei Arten von Macht, der guten Seite und der bösen Seite, vermochten die Interpreten im "Imperial March aus Star Wars" militärisch exakt mit bestechendem Posaunenklang ein Gesicht zu geben. Alex Glöggler und Philipp Jungk von den Double Drums schlugen sich dazu die Seele aus dem Leib, so intensiv bearbeiteten sie das Schlagzeug. Und dennoch endete das Ganze letztlich in einem melodischen Feuer. So etwas hört man nicht so oft.

Die Liebe und die Geisterwelt

Es war eine gelungene Verbindung von Violinen und Schlagstöcken, beim Neujahrskonzert der Hofer Symphoniker.

Später folgten musikalisch inszenierte Liebesbriefe, kichernde Holzbläser, Geister im Wald, Unvorhergesehenes beim Rendezvous: Die Ouvertüre zu "Die lustigen Weiber von Windsor" von Otto Nicolai inspirierte zu walzerhaften Zwischentönen und einem Sich-Wiegen im Takt, doch nur kurz. Denn schnell kehrte das Irrlichtern auf verschlungenen Pfaden zurück, die instrumentale Macht des äußerst homogenen Klangkörpers baute sich wie eine Wand auf. Und "Emancipation for Drums", extra für Schlagzeug und Orchester geschrieben, war der tonale Beweis für die Idee des Abends: Permanente Percussion. Und wieder erlebten die Zuhörer zwei Protagonisten in unglaublicher Präzision und einem wahnwitzigen Stakkato. Klatschrhythmen durchpulsten die Stadthalle. Und die beiden trommelten dann noch wie Derwische an zwei Stehleitern die Stufen rauf und runter. Kolossal! Das Publikum war begeistert.

Die letzte Zugabe, den Radetzky-Marsch, präsentierten die Musiker in wohlfeiner Intonierung, so ganz nach dem Geschmack der Besucher, was in einem donnernden Finalapplaus mündete.

Ausflüge in die Musikgeschichte

Der smarte Dirigent sprang da sogar ein Stück höher auf seinem Podest. Er moderierte den Abend witzig mit kleinen Ausflügen in die Musikgeschichte. Und bewies auch Mitgefühl: als er bei einer Ouverture wegen eines plötzlichen Unwohlseins eines Gastes das Stück abbrach und nach der Klärung des Vorfalls der Dame gute Genesung wünschte und den Zuhörern wieder ein Lächeln auf dem Gesicht.

Wenn das Jahr so stürmisch wird wie dieser Abend, darf man auf einiges gefasst sein.

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