Stadtsteinach
Bestattungskultur

Neues Konzept für den Friedhof

Schöner, komfortabler und moderner soll der zentrale Ort des Totengedenkens in Stadtsteinach werden. Geplant ist auch ein halbanonymes Urnengräberfeld.
Artikel drucken Artikel einbetten
Auf diesem Stück Grünfläche soll künftig ein halbanonymes Urnengräberfeld mit 46 Plätzen entstehen. Foto: Dagmar Besand
Auf diesem Stück Grünfläche soll künftig ein halbanonymes Urnengräberfeld mit 46 Plätzen entstehen. Foto: Dagmar Besand
+1 Bild

Der Friedhof wird ein neues Gesicht bekommen. Schöner, komfortabler und moderner soll der zentrale Ort des Totengedenkens werden. Wichtigstes Anliegen ist ein schön gestalteter Vorplatz mit schattigen Sitzgelegenheiten vor der Kapelle. Außerdem sollen die Wege besser begehbar und auch optisch aufgewertet werden. Nicht zuletzt möchte die Stadt den Veränderungen in der Bestattungskultur Rechnung tragen: mit einer halbanonymen Urnengrabwiese.

Platz dafür ist da: Rechts des Hauptweges Richtung Begräbnishalle gibt es eine Freifläche. Früher waren dort Gruften. Die Friedhofsverwaltung hat die Plätze nicht wieder vergeben, um Raum für Neues zu schaffen.

Knifflige Aufgaben

Bereits im Februar hatte der Stadtrat das Büro Droll & Lauenstein aus Coburg mit der Erarbeitung eines Entwurfs für die Umgestaltung beauftragt. Den Vorentwurf stellten Angelika Droll und Götz Lauenstein am Montagabend den Stadträten vor. Die Landschaftsarchitekten sehen sich vor allem beim Kapellen-Vorplatz mit kniffligen Aufgaben konfrontiert. Es steht wenig Platz zur Verfügung, der Bereich ist abschüssig, und zwei noch belegte Gräber blockieren einen großen Wurf.

Doch es gibt Lösungen. Die Planer möchten einen ebenen Vorplatz schaffen, auf dem die Besucher bei größeren Beerdigungen stehen und sitzen können, wenn der Platz im Gotteshaus nicht ausreicht. Zwei Stufen sollen den Höhenunterschied ausgleichen, ein barrierefreier Zugang möglich sein.

Den Platz wollen die Landschaftsarchitekten mit niedrigen Steinmauern und Sitzbänken einfassen.

Sollte die Stadt die derzeit noch hinderlichen Grabflächen in absehbarer Zeit zur Verfügung haben, könnte die Anlage großzügiger und symmetrisch geplant werden - mit zwei schattenspendenden mittelgroßen Bäumen und rund 30 Außensitzplätzen. Ist diese Variante nicht möglich, würde man auf der rechten Vorplatzseite beginnen und den Bereich später erweitern.

Für die halbanonyme Urnengrabfläche stellte Angelika Droll mehrere Gestaltungsideen vor. Ihr favorisierter Vorschlag ist eine Wiesenfläche mit eingelassenen Steinplatten ohne Namen, unter denen jeweils eine Urne im Erdreich platziert wird. Ergänzend dazu soll es einen schön gestalteten zentralen Gedenkplatz geben. Auf einer Stele können kleine Namensplatten angebracht werden. Auch Blumen und Grablichter können dort platziert werden. Eingefasst wird das Ensemble von einer grünen Hecke. Halbanonym ist die Lösung, weil man durch die Stele zwar weiß, wer dort begraben ist, aber nicht, wo genau sich die jeweilige Urne befindet.

Stabiler Untergrund

Für die dringend nötige Wegebefestigung schlagen die Architekten eine wassergebundene Oberfläche mit einem feinen, verdichteten Splittbelag vor, der nicht so weich ist wie der aktuelle Belag. So wird es mit Rollator oder Kinderwagen leichter, sich auf dem Friedhof zu bewegen. Auch die Zufahrt zum neuen Friedhof soll erneuert werden, außen durch Asphalt, innen durch die optisch ansprechendere wassergebundene Oberfläche.

Eine Kostenkalkulation stellte Götz Lauenstein vor: 68 000 Euro würde die Neugestaltung des Vorplatzes mit Erneuerung des Wegebelags kosten, mit etwa 35 000 Euro schlägt das Urnengräberfeld zu Buche, mit weiteren 10 000 Euro der Zugang zum neuen Friedhof.

Der Vorentwurf ist stimmig, findet Bürgermeister Roland Wolfrum (SPD). Das sieht auch die Mehrzahl der Räte so. Stadtrat Martin Baumgärtner (FW) kann sich nicht mit dem Gedanken an ein halbanonymes Gräberfeld anfreunden. Er bevorzugt traditionelle Bestattungsformen. Manchem Stadtratskollegen geht es ähnlich, doch es sind nicht die persönlichen Vorlieben, die für die Planung der zukünftigen Friedhofsgestaltung ausschlaggebend sind, sondern die Wünsche der Nutzer. "Die Angehörigen der Verstorbenen fragen immer häufiger nach dieser Möglichkeit. Wenn wir diesen Wunsch nicht erfüllen können, gehen die Leute halt woanders hin", so Wolfrum. Die Zeit der Familiengruften und großen Gräber sei vorbei.

Ergänzung, nicht Ersatz

Im übrigen solle das neue Angebot ja nicht die traditionellen Bestattungen ablösen. Es werde eine zusätzliche Möglichkeit der Urnenbeisetzung geschaffen - neben den Stelen und den kleinen Urnengräbern mit Grabstein. "Über die Stelen haben wir vor Jahren auch intensiv diskutiert, und mancher hat geglaubt, die würden leer bleiben. Inzwischen stehen fünf, zwei weitere sind bestellt - weil der Bedarf da ist."

Bestattungskultur erlebt einen Wandel

Gibt es einen Wandel in unserer Begräbniskultur? Ja, sagt Markus Bunzel vom gleichnamigen Stadtsteinacher Bestattungsinstitut, das er mit seinem Bruder Daniel in dritter Generation führt.

Alternativen sind gewünscht

Manche Menschen legen bereits in ihrem Testament fest, dass sie sich eine alternative Form der Beisetzung wünschen. "Oft ist es aber auch einfach der Wunsch der Angehörigen nach einem pflegeleichten Grab, da sie sich aus verschiedenen Gründen nicht intensiv darum kümmern wollen oder können."

Die Situation der Menschen hat sich verändert, weiß der Bestatter, und dafür gelte es, passende Lösungen zu finden. "Es leben heute nicht mehr drei Generationen in einem Haus und auch noch an dem Ort, wo sich das Familiengrab befindet. Man kann nicht schnell mal auf den Friedhof, um die Anpflanzung zu pflegen und zu gießen."

Trotzdem wünschen sich die Hinterbliebenen natürlich eine würdevolle und gepflegte Ruhestätte für ihre Verstorbenen.

Es sei nicht die erste Veränderung in unserer Bestattungskultur. "Der Stellenwert der Feuerbestattungen ist deutlich gestiegen. Wir haben nur noch etwa 40 Prozent Erdbestattungen."

Nun zeichne sich ein leichter Trend weg vom personalisierten Urnengrab hin zu halbanonymen Varianten ab. "Der Bedarf für so etwas ist auf jeden Fall da", sagt Markus Bunzel.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren