Himmelkron
Diskussionsabend

Neues Gewerbegebiet für Himmelkron: Pro und Kontra

Kontrovers und bisweilen emotional wurde am Mittwochabend in Himmelkron auf Einladung der Bayerischen Rundschau über das geplante Gewerbegebiet diskutiert.
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Bürgermeister Gerhard Schneider (CSU, links) und BR-Redaktionsleiter Alexander Müller (rechts) diskutieren über das geplante und äußerst umstrittene Gewerbegebiet in Himmelkron.Barbara Herbst
Bürgermeister Gerhard Schneider (CSU, links) und BR-Redaktionsleiter Alexander Müller (rechts) diskutieren über das geplante und äußerst umstrittene Gewerbegebiet in Himmelkron.Barbara Herbst

Es ist aktuell das am intensivsten diskutierte Thema in Himmelkron: das geplante neue Gewerbegebiet nördlich der Bundesstraße 303. Umstritten ist es vor allem wegen seiner Größe von stolzen 24 Hektar. Das braucht die Gemeinde, um sich in Zukunft weiter gut entwickeln zu können, sagen die Befürworter, allen voran Bürgermeister Gerhard Schneider. Ein unnötiger und überdimensionierter Flächenverbrauch, kritisieren die Gegner aus den Reihen der Bürgerinitiative und des Bundes Naturschutz.

Die Bayerische Rundschau gab allen Beteiligten bei einer Podiumsdiskussion am Mittwochabend im Gasthaus Opel ein Forum, um ihre Meinungen auszutauschen und auch ihren Ängsten und Sorgen Ausdruck zu geben. Zahlreiche Zuhörer nutzten die Gelegenheit: Sie erhofften sich - und bekamen - Antworten auf Fragen, die in der Bürgersammlung und bei Informationstreffen offengeblieben waren.

Wie sehr leiden Mensch und Natur?

Es wurde sehr kontrovers und auch emotional diskutiert: Braucht Himmelkron noch mehr Gewerbe? Und wenn ja: welcher Art? Oder überwiegen doch die Nachteile? Wie sehr leidet die Natur? Wie stark wird die Lebensqualität der Menschen beeinträchtigt? Wie dringend braucht die Gemeinde die Steuereinnahmen? Die Meinungen gingen hier weit auseinander!

Ob das Gewerbegebiet tatsächlich kommt, entscheiden die Bürger - bei einem Bürgerentscheid über ein Rats- und ein Bürgerbegehren am 26. Mai, dem Tag der Europawahl.

Was genau ist geplant in Himmelkron? Welche Art Unternehmen soll sich in Gewerbegebiet ansiedeln? "Wir wollen einen möglichst breiten Mix zwischen produzierendem Gewerbe, Handel und Logistik. Mit dieser Strategie sind wir in den vergangenen Jahren sehr gut gefahren", sagt Bürgermeister Gerhard Schneider (CSU). Es sei allerdings nicht so, dass schon heute eine Reihe von Firmen auf der Matte stehe, die Jahre warteten, bis die Voraussetzungen geschaffen sind. Es läuft umgekehrt: Erst das Gebiet erschließen, wettbewerbsfähige Preise schaffen, dann Flächen anbieten. Deshalb gehe man den Weg über einen Erschließungsträger, der in diesen Bereichen besser vernetzt sei als die Gemeinde.

Ein grünes Gewerbegebiet?

Es gebe keine Garantien, und deshalb wolle er nicht spekulieren, wieviel mehr an Arbeitsplätzen und Steuern das Gewerbegebiet bringt. "Aber ich hoffe und gehe davon aus, dass sich das für die Gemeinde auszahlt." Erklärtes Ziel sei: das Gewerbegebiet so grün wie möglich gestalten!

Und wenn das Gewerbegebiet nicht käme? Welche Folgen hätte das? "Ich will nicht den Teufel an die Wand malen, aber es würde das eine oder andere in Himmelkron nicht mehr so leicht finanzierbar sein wie bisher", sagt Gerhard Schneider: "Wir stehen vor vielen Aufgaben: Kindertagesstätte, Wasserversorgung, Abwasser, Feuerwehr und vieles mehr. Die Gemeinde muss sich nach der Decke strecken."

Knackpunkt: Verkehrsanbindung

Deutlich wurde bei der Debatte nicht zuletzt: Wenn die Pläne zum Tragen kommen sollen, dann wird die Verkehrserschließung eine der größten Herausforderungen werden. Eine langfristig funktionierende, gut durchdachte Verkehrsanbindung des alten und neuen Gewerbegebiets sei der Knackpunkt jeder Planung, betonten zahlreiche Redner.

Häufig zu hörendes Argument der Gewerbegebietsgegner: Es sei überdimensioniert. Könnte man nicht stattdessen Lücken schließen mit kleineren Flächen oder von Haus aus ein kleineres Gewerbegebiet ausweisen? "Das würde ich liebend gerne tun, aber da müssten die Grundstückseigentümer mitspielen", sagt der Bürgermeister. Und er betont: Es werden zusätzlich große Flächen gebraucht, die anderswo im Gemeindegebiet nicht zur Verfügung stehen.

Dieter Hornfeck, einer der Sprecher der Bürgerinitiative "Nein zum neuen Gewerbegebiet in Himmelkron", fragt nach: Könnte man das Gebiet nicht dem tatsächlichen Bedarf entsprechend etappenweise erschließen? Dagegen spricht laut Bürgermeister, dass die äußere Erschließung sehr aufwendig ist und dadurch hohe Fixkosten pro Quadratmeter mit sich bringt. Das lohne sich erst ab einer gewissen Größenordnung. Letztlich müssten die Gewerbeflächen wettbewerbsfähig bleiben.

Die Himmelkronerin Lydia Schoberth hat Bedenken wegen des gewaltigen Flächenverbrauchs: "Warum müssen wird das jetzt durchboxen, die letzte Fläche, die die Gemeinde hat, aufgeben? Wir wissen doch gar nicht, was die Zukunft bringt, wie sich die Arbeitswelt entwickeln wird. Vielleicht bräuchten wir die Fläche später für etwas anderes?"

Karlheinz Vollrath, Kreisvorsitzender des Bundes Naturschutz, sieht das ganz ähnlich: "Alle wollen Positives für die Zukunft. Aber was ist positiv? Artenschutz und Atomenergie werden intensiv diskutiert, aber das Thema Flächenversiegelung steht auch im Fokus. Alle politischen Parteien sagen, sie wollen die Flächenversiegelung reduzieren."

"Weiche in die falsche Richtung gestellt"

Eine wichtige Frage für Vollrath ist auch: Welche Art von Arbeitsplätzen entsteht da in dem neuen Gewerbegebiet. Wenn ein Investor plant, habe die Gemeinde wenig Einfluss, welches Gewerbe siedelt sich ansiedelt: "Entstehen ernstzunehmende sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze? Oder machen wir das dritte Logistikunternehmen in Himmelkron auf? Der Wahnsinn auf den Straßen wird täglich mehr. Hier wird aus Sicht des Bundes Naturschutz eine Weiche in die falsche Richtung gestellt."

Erstmals vor Publikum äußerte sich der mögliche Investor: Bernhard Rückert, Geschäftsführer der bauwo Grundstücksgesellschaft mbH, der wegen eines Termins in Hannover nicht persönlich anwesend sein konnte, aber telefonisch zugeschaltet war und sich den Fragen von Rundschau-Redaktionsleiter Alexander Müller und aus dem Publikum stellte. Viel Konkretes erfuhren die Zuhörer von ihm jedoch nicht - und er lieferte auch die Begründung dafür: Aufgrund der kontroversen Diskussionen wolle er lieber das Ergebnis des Bürgerentscheids abwarten, "bevor wir hohe fünfstellige Summen investieren".

Investitionen müssen sich lohnen

Keinen Zweifel ließ Rückert daran, dass sich Investitionen für seine Firma auch lohnen müssen: Die bestmögliche Integration in die Landschaft, wenig Flächenversiegelung und andere Forderungen seien mit höheren Kosten verbunden. "Wir sind kein Wohlfahrtsunternehmen. Wir stehen alle in einem wirtschaftlichen Wettbewerb. Wenn die Flächen wegen der Vorgaben das Dreifache kosten wie in Kommunen in der Umgebung, dann wird sich das nicht rechnen."

Verantwortung gegenüber künftigen Generationen

Wilhelmine Denk von der Himmelkroner Bürgerinitiative, sieht sich seit ihrem Engagement gegen das Gewerbegebiet nicht nur mit Zustimmung, sondern auch mit Anfeindungen und Vorwürfen konfrontiert. "Ich werde von einigen Leuten nicht mehr gegrüßt. Aber damit muss ich leben. Man hat doch eine Verantwortung künftigen Generationen gegenüber, und dieser Verantwortung müssen wir gerecht werden. Man muss auch mal den Mund aufmachen!"

Es sei schon richtig, dass Himmelkron sich "wahnsinnig entwickelt" habe in den letzten Jahren. Aber: " Wir sind ein Ort mit 3600 Einwohnern. Man muss auch deren Lebensqualität sehen. Es ist ein beträchtlicher Lärm, der hier durch den Ort zieht. Das ist Wahnsinn. Und das steigende Verkehrsaufkommen bringe nicht nur Lärm, sondern auch Abgase, Wir können doch nicht dauernd so weitermachen. Wir atmen das alles jeden Tag ein, ebenso wie unsere Kinder und Enkel. Es muss eine Grenze geben. 24 Hektar auf einen Schlag - das ist wirklich eine Nummer zu groß."

Entscheidung treffen die Bürger

Wie es weitergeht mit dem Gewerbegebiet in Himmelkron, wird das Ergebnis des Bürgerentscheids am 26. Mai zeigen.

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