Trebgast
Debatte

Neues Baugebiet für Trebgast?

Braucht Trebgast ein neues Baugebiet? Die CSU/NWG-Fraktion hat jedenfalls einen entsprechenden Antrag im Gemeinderat gestellt. Doch so einfach ist die Sache nicht. Bisher gibt es nur fünf konkrete Anfragen. Und die Interessenten wollen alle auf der östlichen Seite des Ortes wohnen.
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Die östliche Seite des Hauptorts Trebgast wird von Bauinteressenten offenbar bevorzugt. Die Gemeinde will nun prüfen, wo in diesem Bereich eventuell neue Baugrundstücke ausgewiesen werden können. Foto: Dieter Hübner
Die östliche Seite des Hauptorts Trebgast wird von Bauinteressenten offenbar bevorzugt. Die Gemeinde will nun prüfen, wo in diesem Bereich eventuell neue Baugrundstücke ausgewiesen werden können. Foto: Dieter Hübner
Im Wesentlichen kommen für die CSU/NWG-Fraktion dafür Flächen im östlichen Gemeindegebiet in Frage. "Wir müssen irgendwann mal etwas unternehmen, sonst befürchten wir eine Verschlechterung der Infrastruktur", mahnte Günter Teufel (CSU/NWG).

Etwas differenzierter sieht das Bürgermeister Werner Diersch (SPD/WG). Er erinnerte daran, dass der Gemeinderat bereits 2001 ausgelotet hatte, was am so genannten Erbeshügel machbar wäre. Der jetzige Antrag ziele weitestgehend in die gleiche Richtung. Damals sei die Idee zurückgestellt worden.

Bauträger hatten gewarnt

Zum einen wurden Erschließungskosten von 125 Mark pro Quadratmeter kalkuliert, zum anderen hätte die Gemeinde nach zehn Jahren die offenen Grundstücke übernehmen müssen. Verschiedene Bauträger hatten deshalb vor weiteren Planungen in diesem Bereich gewarnt.
Seither gab es mehrere Anläufe zu der Frage, welche Flächen in der Gemeinde bebaubar seien.
Als Erfolg bezeichnete es Diersch, dass in den vergangenen drei Jahren 26 Häuser neue Besitzer gefunden haben. "Das entspricht dem Bau-Volumen der Siedlung ‚Flur II‘ und hat dem Ort gut getan."

Bis 2025 ein Haus pro Jahr

In Studien wurde ermittelt, dass bis 2025 pro Jahr ein Haus gebraucht wird. Deshalb müsse hier vorsichtig dosiert werden. "Derzeit gibt es westlich der Bahnlinie noch 20 freie Grundstücke, östlich der Bahnlinie 30, und in den Außenorten 20 bis 30." Diersch weiter: "Am 12. Juni haben der Zweite Bürgermeister und ich im Landratsamt mit allen Trägern der öffentlichen Belange diese Lücken im Ort durchgesprochen und abgewägt, was möglich ist." Bei zwei oder drei Stellen, die zur Verfügung stehen, sei es denkbar, dass sie zum Verkauf stehen.
Stellvertretender Bürgermeister Albert Kolb (SPD/WG) brachte zum Ausdruck, dass man an diesem Thema schon länger dran und im Gespräch mit den Grundstücksbesitzern sei. Das veranlasste Mark Ständner (CSU/NWG) zu der Bemerkung: "Davon ist aber in der Öffentlichkeit nichts bekannt geworden."
Kolb beantragte dann, den Tagesordnungspunkt in die nicht öffentliche Sitzung zu verlegen. "Dann können wir über Flächen, Namen und Zahlen sprechen." Auch im Hinblick darauf, nicht eventuellen Spekulationen Tür und Tor zu öffnen, stimmten alle zu.

Auf Nachfrage der Bayerischen Rundschau gab Bürgermeister Diersch im Nachhinein die festgelegte, weitere Vorgehensweise bekannt: "Wir können nicht einfach sagen, wir brauchen ein neues Baugebiet. Zuerst muss die Nachfrage vorhanden sein." Tatsächlich gebe es seit einem halben Jahr konkret fünf Anfragen. Die Interessenten möchten gerne im Ort bleiben, nachdem die übrige Infrastruktur mit Krippe und Schule vorhanden sei und bestens passe. Diese Trebgaster Bürger wolle man natürlich nicht verlieren. "Aber es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass alle auf die östliche Seite des Dorfes wollen." Jetzt müsse man schauen, wo diese Flächen zu realistischen Preisen vorhanden seien. "Es nützt uns nichts, wenn wir Bauplätze ausweisen, die 120 Euro pro Quadratmeter kosten, die kauft uns keiner", ist der Bürgermeister überzeugt.

Grundstücksbesitzer befragen

Bevor man Geld für Planungskosten in die Hand nehme, werde man die Grundstückseigentümer jetzt abfragen, ob sie, und wenn ja, zu welchen Konditionen Flächen zur Verfügung stellen. Man wisse aber auch, dass bei den derzeit extrem niedrigen Zinsen die Bereitschaft dazu sehr gering sei. Danach müsse man wissen, welche Erschließungskosten anfallen werden. Dazu brauche man ein Ingenieurbüro, das koste mindestens 20.000 Euro. "In diese Überlegungen muss dann auch die mögliche Ausweisung von Gewerbeflächen einfließen", fügte Diersch hinzu, "denn mittlerweile gibt es im Ort ein super DSL-Angebot. Das ist heute für Firmen, die hohe Internetraten brauchen, ein wichtiges Standortkriterium."

Diersch fasste zusammen: "Organisches Wachstum ist uns wichtiger als ein Schnellschuss, der uns dann wie ein Klotz am Bein hängt. Wir wollen in Ruhe weiterwachsen." Die Gemeinde sei gut aufgestellt und in der Lage, sich zehn bis zwölf Grundstücke zu leisten, wenn es die Entwicklung verlange.
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