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Kulmbach
Portrait

Neuer Kulmbacher Dekanatskantor: Musik ist mehr als ein paar Noten

Christian Reitenspieß ist der neue Stadt- und Dekanatskantor. Der 48-Jährige plant viele Projekte, mit denen er alle Altersgruppen ansprechen möchte.
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Seine Begeisterung für Musik an viele Menschen weiterzugeben - darauf freut sich Dekanatskantor Christian Reitenspieß. Foto: Dagmar Besand
Seine Begeisterung für Musik an viele Menschen weiterzugeben - darauf freut sich Dekanatskantor Christian Reitenspieß. Foto: Dagmar Besand

Was Worte oft nicht schaffen, gelingt mit Musik: Menschen berühren, begeistern, inspirieren, Trennendes überwinden, Gemeinschaft stiften. Christian Reitenspieß möchte genau das mit seiner Arbeit bewirken. Der 48-Jährige ist seit wenigen Wochen der neue Kulmbacher Dekanatskantor

Noch ist der leidenschaftliche Musiker dabei, seinen künftigen Wirkungskreis im Detail kennenzulernen, doch er hat schon viele Ideen für Angebote und Projekte. Sein Ziel: möglichst viele Menschen erreichen, als Mitwirkende in verschiedenen Ensembles und natürlich auch als Zuhörer in Gottesdiensten und Konzerten.

Ein Dranbleiber

Christian Reitenspieß hat im November die Nachfolge von Ingo Hahn angetreten, der über 36 Jahre die Kirchenmusik im Dekanat Kulmbach geprägt hat. Mit Respekt vor den großen Leistungen seines Vorgängers, aber auch mit Selbstbewusstsein und eigenen Zielsetzungen geht der Neue seine Aufgaben an. Von seinen beiden früheren Wirkungsstätten bringt er reichlich Erfahrung mit, sowohl in der Chor- und Ensemble-Leitung als auch als Orgellehrer und Unterstützer einer vielseitig ausgerichteten Gemeindearbeit.

Was er besonders gut kann? Die Frage bringt Reitenspieß kurz in Verlegenheit - nicht, weil er es nicht weiß, sondern weil er eher der bescheidene Typ ist. Als beharrlich und ausgeglichen schätzt er sich ein. Ein Dranbleiber, der das Beste aus sich, seinen Schülern und den Mitwirkenden seiner Ensembles herausholen will. Hohe Ansprüche ja, Verbissenheit nein. Fehler sind menschlich und keine Katastrophe. "Das Päckchen aus falschen Noten, die ich selbst in meinem Leben gespielt habe, ist ziemlich groß", sagt er mit einem Lächeln.

Wer sich mit ihm unterhält, bekommt Lust aufs Mitmachen. Man spürt, dass er mit dem Herzen bei der Sache ist. Freude soll das Musizieren machen - denen, die singen und spielen, genauso wie denen, die zuhören.

Möglichkeiten zur Mitwirkung gibt es reichlich: In der Kantorei zum Beispiel, die am Karfreitag die Markuspassion von Johann Sebastian Bach aufführen wird. Sing- und schauspielbegeisterte Kinder zwischen 8 und 13 Jahren sind zu einem Kindermusical-Projekt eingeladen. Einen Info-Nachmittag dazu gibt es am 14. Januar um 17 Uhr im Kantorat. Im Januar starten wieder die Proben der Senioren-Kantorei. Auch über ein Nachfolgeprojekt für das ehemalige TonArt-Vokalensemble denkt der Kantor nach.

Was wünscht er sich für seine musikalische Arbeit in Kulmbach? "Haufenweise neugierige Menschen!"

Gott mit Humor

Stilistisch lässt er sich nicht festlegen: Reitenspieß liebt die Vielfalt. Ernstes und Unterhaltsames, alte Meister und Modernes, Bach und Beatles - für all das und vieles mehr kann sich der Kantor begeistern. Diese Faszination auch andere spüren zu lassen, dafür brennt der 48-Jährige. "Musik ist mehr als ein paar Noten. Ich möchte die Leute erleben lassen, was den Komponisten bewegt hat."

Als Kirchenmusiker geht es Reitenspieß natürlich nicht zuletzt um die Vermittlung geistlicher Inhalte. Aber auch das könne über verschiedenste Musikrichtungen gelingen. "Ich stelle mir einen Gott mir Humor vor", sagt er und ergänzt mit einem Augenzwinkern: "Manches in unserer Gesellschaft lässt sich ja anders gar nicht erklären."

Musik statt Physik

Zur musikalischen Glaubensbotschaft gehört deshalb für den Kantor eine fröhliche Leichtigkeit ebenso wie das Ernste, Tiefe, Schmerzliche. Alles zusammen mache das Menschsein aus.

Musik begleitet Christian Reitenspieß seit seiner Jugend, doch hauptberuflich Kirchenmusik zu machen, das war ursprünglich nicht sein Plan. "Ich wollte Physik studieren.

Als Jugendlicher verdiente er sich nebenbei ein Taschengeld als Organist. "Das Orgelspielen hat mir sehr gefallen." So landete er an der Hochschule für evangelische Kirchenmusik in Bayreuth, absolvierte zunächst die C-Prüfung für Kantoren, studierte weiter bis zum A-Diplom, dem höchsten Abschluss.

Entsprechende hauptberufliche Stellen sind allerdings dünn gesät, und so zog Reitenspieß zunächst ins hessische Gelnhausen, später nach Melsungen, wo er am dritten Adventswochenende noch ein letztes Konzert leitete.

Der Wechsel nach Oberfranken war "keine Entscheidung gegen Melsungen, sondern eine für Kulmbach", betont er. Dem gebürtigen Franken gefällt es hier, seiner Frau Katharina ebenfalls, die als Sozialpädagogin auch schon eine neue Stelle in Bayreuth gefunden hat.

Gelockt hat den Musiker unter anderem die klangschöne Rieger-Orgel in der Petrikirche. Ich spiele sehr gerne Orgel. Warum? "Sie ist ein unglaublich vielseitiges Instrument, ein ganzes Orchester, das man allein betätigt. Mit Orgelklang den Kirchenraum zu füllen, das ist etwas ganz Besonderes", schwärmt er.

Wer will Orgelspielen lernen?

Diese Begeisterung möchte Reitenspieß auch seinen Schülern vermitteln. Zwei junge Leute, die das Orgelspiel erlernen möchten, haben sich schon bei ihm gemeldet. "Es dürfen gern noch mehr werden. Wir brauchen dringend Organisten-Nachwuchs."

Zur Person

Christian Reitenspieß wurde 1971 im mittelfränkischen Diespeck bei Neustadt an der Aisch geboren. Er lernte Klavier und Posaune, begann als Elfjähriger mit dem Orgelspiel.

Werdegang An der Hochschule für evangelische Kirchenmusik in Bayreuth studierte er Kirchenmusik und absolvierte sein Berufspraktikum in Hof. Sechs Jahre lang war der Kirchenmusiker in Gelnhausen (Hessen) tätig, anschließend 16 Jahre in Melsungen.

Aufgaben Der Stadt- und Bezirkskantor ist zuständig für die Kirchenmusik der Petrikirchengemeinde sowie die Beratung, Aus- und Weiterbildung der nebenamtlichen Kirchenmusiker im Dekanat. Außerdem unterrichtet er Orgelschüler und bereitet sie auf Prüfungen vor.

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