Neuenmarkt
Überschwemmung

Neuenmarkt: Umgehungskanal soll Wassermassen künftig ableiten

Neuenmarkts Gemeinderat beschloss am Montagabend Planungen, um bei Starkregen-Ereignissen wie denen vom 2. August in Hegnabrunn künftig gegen die Wassermassen gerüstet zu sein.
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Die Bewohner dieses Anwesens kamen noch relativ glimpflich davon, in anderen Häusern liefen die Keller bei den Überschwemmungen in Hegnabrunn am 2. August bis zur Decke voll. Foto: Jürgen Gärtner
Die Bewohner dieses Anwesens kamen noch relativ glimpflich davon, in anderen Häusern liefen die Keller bei den Überschwemmungen in Hegnabrunn am 2. August bis zur Decke voll. Foto: Jürgen Gärtner
Das Unwetterereignis in der Gemeinde Neuenmarkt vom 2. August dieses Jahres stand auf der Tagesordnung des Gemeinderates. Es ging dabei um die Beratung über das weitere Vorgehen. Der Sitzung wohnten über 30 betroffene Hauseigentümer bei

Wichtigste Entscheidung (sie erfolgte einstimmig) der rund eineinhalbstündigen Beratung, an der auch Diplomingenieur Erich Hahn vom Büro IBP aus Kulmbach teilnahm, war: Die Gemeinde gibt zur Entspannung der Hochwasserlage bis Ende dieses Jahres eine Planung in Auftrag, die dann 2015 auch umgesetzt werden soll.

Zum Vorfluter führen
Konkret geht es dabei um einen Umgehungskanal, der das Oberflächenwasser am Schulweg im Bereich des Garagentraktes der
BRK-Bereitschaft Neuenmarkt-Wirsberg aufnehmen und über die Steigengasse zum Vorfluter "Gasgraben" führen soll. Damit sollen die zuletzt hydraulisch überlasteten Bereiche im Baugebiet "Hegnabrunn-Süd" entlastet werden.

Wie Werkleiter Karl Pöhlmann von den Gemeindewerken auf Anfrage mitteilte, stehe man vor einem Marathonlauf: "Wir müssen die Anlage eines Oberflächenwasserkanals ins Auge fassen, egal wo die Einleitungsstelle sein wird und zwar mit einer großen Dimension. Der Ingenieur spricht von einem Durchmesser von mindestens DN 150, damit der Kanal auch entsprechend Wasser aufnehmen kann. Dann würden wir diese große Wassermenge, die beim BRK als Oberflächenwasser runterkommt, aus dem gesamten Kanalsystem raushalten und in den Vorfluter "Gasgraben" leiten (siehe dazu auch das ausführliche Interview unten).

Schwachstellen im System
Ingenieur Erich Hahn stellte zu Beginn der Sitzung die hydraulischen Berechnungen vor und zeigte mit der Schützenstraße und dem Schmellerweg zwei kleinere Schwachstellen im Kanalsystem auf, die bereits bei normalen Regenfällen überlastet sind. Ansonsten machte er deutlich, dass die Kanalisation, die ja als Abwasseranlage für die Beseitigung des Abwassers im Ort angelegt ist, in Ordnung sei. Das Oberflächenwasser aufzunehmen, das von draußen kommt, sei nicht Aufgabe des Kanalsystems.

Klar sei auch, dass der bestehende Oberflächenwasserkanal zwischen dem Schulweg und der Königsberger Straße, der große Überflutungen auslöste, noch in diesem Jahr saniert werden soll. Hier soll das Ingenieurbüro noch ein Sanierungskonzept erstellen, dabei auch vor dem Hintergrund, dass dieser Kanal dann beim Betrieb des Umgehungskanals seine bisherige Funktion verliert.

In diesem Zusammenhang wurde auch herausgestellt, dass die Hochwasserschäden auch bei einem vollkommen intakten Kanal nicht zu vermeiden gewesen wären. Die Abwasserkanäle der Gemeinde sind auf 20 Liter pro Quadratmeter ausgelegt - bei dem Unwetter am 2. August wurden 70 Liter gemessen.



Interview mit Karl Pöhlmann: "Die Sanierung des Kanalnetzes wird eine Marathon-Aufgabe"

Nach dem Unwetter in der Gemeinde Neuenmarkt wurden jetzt erneut Video-Befahrungen des Kanalnetzes im Bereich von Hegnabrunn durchgeführt. Infranken.de hat im Vorfeld der Gemeinderatssitzung vom Montag mit dem Leiter der Gemeindewerke, Karl Pöhlmann, gesprochen.

Herr Pöhlmann, liegen schon Ergebnisse vor? Wenn ja, wie werden die möglichen Sanierungsarbeiten zeitlich umgesetzt?
Karl Pöhlmann: Wir haben den Kanal zwischen dem Schulweg und der Königsberger Straße durchgehend befahren. Als Ergebnis ist festzuhalten, dass der Kanal sanierungsbedürftig ist und auch verschiedene Einläufe aufweist. Er hat verschiedene Versätze, die sich aber sanieren lassen. Das geschieht voraussichtlich mit einem Inliner, aber das wird über unser Ingenieurbüro entschieden und vorgeschlagen. Die Verengung auf 13 Meter wird aber bleiben müssen, um eine Überlastung in der Königsberger Straße zu vermeiden. Wir werden diesen Kanal kurzfristig sanieren, wissen aber ganz genau, dass dadurch die Gesamtsituation, was das Oberfächenwasser anbelangt, nicht behoben wird. Kurzfristig ist aber auch von meiner Seite angedacht, beim Regenrückhaltebecken "Hegnabrunn-Süd" die Höhen noch einmal genauestens zu überprüfen und dort eventuell Entlandungsmaßnahmen vorzunehmen, damit die Speicherkapazität höher wird. Und es ist auch vorgesehen, den "Gasgraben" durchzuarbeiten, damit die Abflussmöglichkeiten unterhalb des Anwesens Rothert verbessert werden.

Sie haben kürzlich von einem Marathonlauf gesprochen, der vor den Gemeindewerken und damit vor der Gemeinde Neuenmarkt liegt, um das Kanalnetz und die Oberflächenwasserbeseitigung so aufzubauen, dass sich ein ähnliches Desaster wie am 2. August zumindest nicht annähernd wiederholen kann.
Es wird eine Marathon-Aufgabe, und wir werden die Maßnahme, die schon immer angedacht war, nämlich die Anlegung eines Oberflächenwasserkanals von Hegnabrunn aus über die Steigengasse zum "Gasgraben", egal wo die Einleitungsstelle sein wird, ins Auge fassen müssen. Und dies mit einer großen Dimension, dabei ausgehend vom BRK-Garagentrakt im Schulweg. Der Ingenieur spricht von einem Durchmesser von mindestens DN 150, damit entsprechend Wasser aufgenommen werden kann. Dann würden wir diese große Wassermenge, die beim BRK als Oberflächenwasser herunter kommt, aus dem gesamten Kanalsystem heraushalten und in den Vorfluter "Gasgraben" leiten. Da muss dann auch geprüft werden, wie weit dieser Kanal verlegt werden muss, damit die Anlieger im Schrenkweg keinen Schaden erleiden. Das ist eine mittelfristige Maßnahme, die können wir nicht von heute auf morgen umsetzen. Unser Ingenieurbüro ist dabei, die Berechnungen vorzunehmen. Ich möchte aber betonen, dass es nach den hydraulischen Berechnungen ein paar kleine Schwachstellen im Kanalsystem gibt, die bereits bei normalen Regenfällen überlastet sind. Ansonsten ist die Kanalisation in Ordnung.

Wie verhält es sich mit dem Oberflächenwasser?
Das Oberflächenwasser, das von draußen kommt, ist nicht Aufgabe unseres Kanalsystems. Das muss getrennt betrachtet und berechnet werden, und dann muss man danach handeln. Wir haben seit Jahren die Aufgabe, das Fremdwasser zu reduzieren, und das können wir auch nur dann, wenn wir das Oberflächenwasser aus dem Kanalsystem heraushalten.

Hier wird man wohl auch den Hebel ansetzen müssen, oder?
Natürlich! Mittelfristig muss der Oberflächenwasserkanal vom BRK-Garagentrakt zum "Gasgraben" gebaut werden. Langfristig - also über einen Zeitraum von zehn Jahren und mehr - ist eine Hochwasserfreilegung anzustreben, natürlich auch dann, wenn das Wasserwirtschaftsamt anerkennt, dass wir den Vorfluter "Gasgraben" als Basis für eine mögliche Förderung heranziehen können. Ohne Vorfluter bekommen wir keinen Zuschuss. Vorrangig sind aber, wie bereits erwähnt, die kurzfristigen Maßnahmen.

Das Unwetter am 2. August war außergewöhnlich. Wären auch bei einem vollkommen intakten Kanal, der den Schulweg mit der Königsberger Straße verbindet, die entstandenen Hochwasserschäden zu vermeiden gewesen?
Die Überschwemmungen in den Anwesen Wanderer, Günther, Kastner und Stamm wären in diesem Fall auch bei einem sanierten Kanal zwischen Schulweg und Königsberger Straße passiert. Das hat auch der Ingenieur bestätigt. Es wäre unmöglich gewesen, bei diesen Wassermengen, die innerhalb einer halben Stunde niedergingen, Überschwemmungen zu verhindern. Wir hatten ja immerhin 70 Liter pro Quadratmeter, die Abwasserkanäle sind aber nur für 20 Liter ausgelegt. Die Menge von 70 Litern in einer halben Stunde kann überhaupt keine Kanalisation befördern.

Das Gespräch führte Werner Reißaus.
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