Neudrossenfeld
Diskussion

Neudrossenfelder Räte erteilen Bauherren eine Absage

Der geplante Neubau eines Einfamilienwohnhauses mit Garage und Carport im Ortsteil Pechgraben erzürnte am Montagabend erneut die Gemüter des Gemeinderates.
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Auf diesem Grundstück in der Nähe des früheren Schulhauses (rechts) soll eine Einfamilienwohnhaus mit Garage und Carport errichtet werden, das aber nicht der örtlichen Gestaltungssatzung der Gemeinde Neudrossenfeld entspricht. Werner Reißaus
Auf diesem Grundstück in der Nähe des früheren Schulhauses (rechts) soll eine Einfamilienwohnhaus mit Garage und Carport errichtet werden, das aber nicht der örtlichen Gestaltungssatzung der Gemeinde Neudrossenfeld entspricht. Werner Reißaus
Eine gute halbe Stunde diskutierte das Gremium darum, ob dem Bauherrn eine Befreiung von der Gestaltungssatzung, die sich der Gemeinderat vor Jahren selbst gegeben hat, eingeräumt wird. Konkret ging es dabei um die Dachneigung und die Zahl der Vollgeschosse. Am Ende fand sich keine Mehrheit dafür, das Wohnhaus wie geplant neben dem früheren Schulhaus bauen zu lassen. Lediglich die FuG-Gemeinderäte Björn Sommerer, Heidemarie Nitsch und Mike Kühnert signalisierten die Bereitschaft, einer Befreiung von den Festsetzungen der Gestaltungssatzung zuzustimmen.
Wie Bürgermeister Harald Hübner (CSU) dazu mitteilte, hatte der Gemeinderat bereits in seiner letzten Sitzung das Baugesuch auf dem Tisch. Dazu lag auch eine negative Stellungnahme der Verwaltung vor, die zum Ergebnis hatte, keine Ausnahme zuzulassen. Vielmehr hat die Verwaltung versucht, im Gespräch mit dem Bauherrn auf diesen einzuwirken, sich zumindest kompromissbereit zu zeigen. Leider ohne Erfolg, wie Verwaltungsleiter Rainer Schimpf dem Gremium zu verstehen gab. Im Gegenteil, es wurde auf ein Wohnhaus am Ortseingang von Schaitz verwiesen, das in der gleichen Bauweise wie das geplante Wohnhaus in Pechgraben vom Gemeinderat eine Befreiung von der Gestaltungssatzung erhielt und dort auch mit der Genehmigung des Landratsamtes Kulmbach errichtet wurde.
Auf Anfrage von Gemeinderätin Heidemarie Nitsch, in welchen konkreten Punkten das Bauvorhaben nicht der Gestaltungssatzung entspricht, verwies Verwaltungsleiter Rainer Schimpf auf die Dachneigung von 22 Grad und auf die zwei geplanten Vollgeschosse. Mit dem Hinweis auf die Gestaltungsvorschrift der Gemeinde stellte Nitsch fest: "So steil baut doch keiner mehr!"
Silvia Eichner (CSU) machte deutlich, dass sich Bauherrn in Pechgraben immer an die Gestaltungssatzung gehalten haben. Mit Blick auf das Wohnhaus in Schaitz kam sie zum Ergebnis: "Nur weil einmal ein Fehler gemacht wurde, muss man doch nicht wieder den gleichen Fehler machen. Wir haben in Pechgraben ein absolut intaktes Dorf. Warum sollen wir den Fehler wiederholen?" Sie lasse sich auch nicht erpressen, so nach dem Motto "entweder oder".
Die CSU-Gemeinderätin empfahl dem Gremium, einen Blick in das benachbarte Thurnau zu werfen. Dort sei - im Gegensatz zu den Planungen in Pechgraben - eine moderne Wohnanlage passend in die dort vorhandene alte Bausubstanz eingebunden: "Thurnau betreibt hier eine absolute Vorreiterrolle!" Silvia Eichner vertrat auch die Meinung: "Wenn der Gemeinderat weiterhin ständig Befreiungen von den Vorschriften der Gestaltungssatzung zustimmt, können wir die Satzung gleich außer Kraft setzen."
Mike Kühnert (FuG) sprach sich dafür aus, den Bauherrn sein Wunschhaus in der Baulücke errichten zu lassen: "Wir beklagen den Einwohnerschwund. Hier will ein junger Neudrossenfelder bauen und wir wollen es nicht genehmigen."
Sein Fraktionskollege Björn Sommerer zeigte Verständnis für die kontroversen Diskussionen und machte den Vorschlag, nochmals mit dem Bauherrn ein Gespräch zu führen, bei dem auch Vertreter des Gemeinderates dabei sind, die ihr Fachwissen mit einbringen. "Ich finde es schade, wenn wir heute einen Beschluss fassen. Wir sollten dem Bauherrn entgegenkommen und er uns."
Heidemarie Nitsch störte sich daran, eine Dachneigung mit einem fränkischen Baustil in Verbindung zu bringen. Das rief wiederum Silvia Eichner auf den Plan: "Bloß weil man keine Ahnung hat, kann man doch nicht die Aussage machen, es gibt kein fränkisches Dach." Nitsch konterte: "Das ist eine Frechheit, was sie sagt."
Am Ende wurde eine Befreiung von den Festsetzungen der Gestaltungsvorschrift hinsichtlich der Dachneigung und den beiden Vollgeschossen sowie einer Abweichung vom roten Farbton des Ziegeldaches mit 12 zu 3 Stimmen abgelehnt.


Kompressoren eingebaut

Die Wasserabgabesatzung der Gemeinde Neudrossenfeld erfuhr hinsichtlich der europarechtlichen Vorschriften eine redaktionelle Änderung. Bürgermeister Harald Hübner gab noch bekannt, dass in der Carix-Anlage Pechgraben für die dortige Wasserversorgung neue Kompressoren mit Kosten von rund 14 500 Euro eingebaut wurden.
Zur Frage von Gemeinderat Peter Rösch (FW), ob der von der überörtlichen Rechnungsprüfung geforderte Wartungsvertrag nunmehr auf den Weg gebracht wurde, ließ Bürgermeister Hübner wissen, dass ein Abschluss bevorsteht.


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