Neudrossenfeld
Kritik

Neudrossenfeld: Die Bräuwerck-Anwohner klagen

Parkchaos, Lärm: Die Anlieger des Neudrossenfelder Brauereigasthofes Bräuwerck sprechen von unerträglichen Zuständen.
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Die Anwohner sprechen von einem Parkchaos rund um das Bräuwerck. Auch die Ledergasse sei oft zugeparkt (Foto). "Da kommt doch kein Rettungswagen mehr durch", sagt Helmut Pöhner. Foto: privat
Die Anwohner sprechen von einem Parkchaos rund um das Bräuwerck. Auch die Ledergasse sei oft zugeparkt (Foto). "Da kommt doch kein Rettungswagen mehr durch", sagt Helmut Pöhner. Foto: privat
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Helmut Pöhner holt ein Fotoalbum aus dem Schrank. Er zeigt seinen Nachbarn Aufnahmen, die er vor seiner Haustür gemacht hat. Bilder, auf denen das Neudrossenfelder Bräuwerck zu sehen ist. Bilder, die im Umfeld des Wirtshauses viele Autos zeigen, die nicht nur auf den eigens markierten Stellflächen stehen. Viele Wagen sind falsch geparkt, etliche in entgegengesetzter Fahrtrichtung abgestellt. "So ein Chaos herrscht hier oft", sagt Pöhner. "Rund um den Marktplatz ist dann kaum ein Durchkommen", pflichtet ihm Klaus Sachs bei, der anführt: "Ich verstehe nicht, dass nicht mal die Rettungswege freigehalten werden."

Dass der neue Parkplatz mit 35 Stellflächen, den die Gemeinde in der Ortsmitte errichtet, eine Entlastung bringen wird, glauben die Anlieger nicht. "Die meisten Leute werden weiter bis zur Eingangstür fahren", erklärt Helmut Pöhner.

Der Einfluss ist begrenzt

Eine Entlastung erhoffen sich indes der neue Bräuwerck-Vorstand Dieter Bauernfeind und Bürgermeister Harald Hübner (CSU), der Aufsichtsratsvorsitzender der Aktiengesellschaft ist. Der Parkplatz sei für alle da, auch für die Besucher des Schlosses und der Kirche. Er werde sicher auch zu einer gewissen Entspannung der Parksituation rund um das Wirtshaus beitragen, so der Bürgermeister.

Wie Hübner macht Dieter Bauernfeind deutlich, dass das Personal die Gäste immer wieder darauf hinweist, dass Autos schon jetzt an der Schule oder am Rathaus abgestellt werden sollen. Einfluss darauf, wer wo parkt, habe man letztlich aber nicht.

Die Anwohner wünschen sich deshalb, dass die Parksituation an der Brauereigaststätte überwacht wird. Dafür müsse die Gemeinde beziehungsweise das Bräuwerck sorgen, so Helmut Pöhner. Dass hier nicht die Kommune, sondern die Polizei zuständig ist, stellt Harald Hübner fest. Die Nachbarn müssten in der Inspektion anrufen, wenn Falschparker stören.

Bis weit nach Mitternacht

Dabei ist den Anwohnern nicht nur die Parksituation ein Dorn im Auge. Es sei auch die Lärmbelästigung, die ein Leben rund um das Bräuwerck unerträglich mache, betonen Helmut Pöhner, Klaus Sachs und Thorsten Müller, ein weiterer Nachbar. Die Veranstaltungen im Saal würden ihnen schlaflose Nächte bereiten. Dass jetzt absperrbare Fenster vorhanden seien, habe für keine große Verbesserung gesorgt: "Ist ein Verstärker eingeschaltet, ist es auch jetzt noch sehr laut. Wenn die Musik bis weit nach Mitternacht läuft, ist an eine Nachtruhe nicht zu denken", sagt Helmut Pöhner, der wie seine Nachbarn Schallschutzfenster fordert.

Schallschutzfenster?

Ob diese eine Option sind? "Bautechnische Veränderungen können wir nicht vornehmen. Das wäre Sache der Gemeinde", sagt Vorstand Dieter Bauernfeind, der feststellt: "Man müsste mal die Kosten ermitteln."

Ein Treffen ist anvisiert

Er und Bürgermeister Hübner hoffen, dass bei einem mit den Anwohnern bereits anvisierten Treffen alle Punkte offen angesprochen werden. "Wir werden versuchen, so weit es möglich ist, an Stellschrauben zu drehen, um die Belastungen für die Anlieger zu reduzieren", betont der Bürgermeister. Ganz vermeiden könne man Beeinträchtigungen bei einem Wirtshausbetrieb aber nie. Es sei auch städtebauliches Ziel, die Zentren zu beleben. Das sei mit dem Bräuwerck gelungen. "Vorher war es tot."

Dass er die grundsätzliche Problematik kenne, betont Dieter Bauernfeind. "Mir liegt es aber am Herzen, persönlich von den Leuten zu hören, wo sie der Schuh drückt. Dann müssen wir schauen, welche Maßnahmen in die Wege geleitet werden können, welchen Fahrplan wir mit der Gemeinde vorlegen können", sagt der neue Vorstand, der ganz offen mit den Anwohnern reden will.

Auf einen Fahrplan warten die Anwohner längst. "Uns wurde schon viel versprochen, gemacht wurde aber nichts", klagt Helmut Pöhner, der nicht nur Bilder von der Parksituation geschossen, sondern "Verstöße" in einem Ordner schriftlich aufgeführt und dabei festgehalten hat: "Alle Gespräche, die mit den Verantwortlichen geführt wurden, haben bisher nichts gebracht. Alle Schriftstücke, die wir übergeben haben, sind unbeantwortet geblieben." Er wünscht sich wie seine Nachbarn, "dass unsere Kritik endlich ernst genommen wird". Dazu ein Kommentar von Alexander Hartmann

Wie soll da Ruhe einkehren?

Wer in Orten wohnt, in denen es noch ein gut gehendes Dorfwirtshaus gibt, der weiß: Werden Hochzeiten, Firmenfeste oder Geburtstage im Gasthaus gefeiert, dann wird den Anwohnern oft einiges abverlangt. Nicht nur, dass der Markt zugeparkt ist. Auch die Musik, zu der getanzt und gegrölt wird, dröhnt durch den Ort. Geklagt wird sicherlich, viele Einheimische haben sich aber an die Beeinträchtigungen gewöhnt und sind zu guter Letzt auch froh, dass im Dorf überhaupt noch was los ist.

Anders stellt sich die Situation in Neudrossenfeld dar. Dort haben die Anwohner am Marktplatz mit einem kleinen Dorfwirtshaus (Hölzel) gelebt, bis ihnen eine große Brauereigaststätte vor die Nase gesetzt wurde. Dass die Anlieger die Parksituation jetzt wurmt - kann man verstehen. Millionen (vor allem auch Steuergelder) sind in das Prestigeobjekt geflossen, für die vielen Hundert Gäste, die im Bräuwerck Platz finden, gibt es aber nur wenige eigene Stellflächen. Und die 400 Meter zum Großparkplatz an der Schule sind vielen - wen wundert es ? - gerade in den Wintermonaten zu weit. Dass der neue Parkplatz im Ortskern die Situation entspannen wird, das bezweifeln die Anwohner. Wie man auch Zweifel daran haben kann, dass die Lärmbelästigung, die vom Wirtshaus ausgeht, spürbar reduziert werden kann. Wo getrunken, gegessen und gefeiert wird, ein großer Biergarten die Besucher lockt, da pulsiert das Leben - oft zulasten derer, die Anlieger sind. Die Drossenfelder Bräuwerck AG will raus aus den roten Zahlen, mehr Besucher locken, um endlich die dringend notwendige finanzielle Kehrtwende zu schaffen. Unwahrscheinlich, dass da im Ortskern Ruhe einkehrt.



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