Kulmbach
Burggeflüster

Neu: Grillen ohne Kohle fürs Fleisch

Dem Kabarettisten Wolfgang Neuss wird folgender Satz zugeschrieben: "Warum sollte sich der Deutsche zum Abendbrot nicht auch mal Gedanken machen?"
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Über sein Essen zum Beispiel. Besagter Deutscher greift oft zur Wurst. Salami aus dem Discounter; 79 Cent das Kilo. Still kauend studiert er den Prospekt jenes Konsumtempels, aus dem er den Belag erbeutete, und kann kaum an sich halten: Da ist sie, die fleischgewordene Fantasie des Reihenendhausbewohners: Nackensteak, 350 Gramm, 1,49 Euro! Schnell im Videotext das Wetter für den nächsten Tag gecheckt. Mit Grinsen goutiert der "Gourmet": Sonnenschein. "Mutti, morgen wird gebrutzelt. Fahr den Grill aus der Garage!"

Wobei der Begriff Grill jenem Gefährt Hohn spottet, weil es erst unter Zuhilfenahme zweier Pferde, wie sie für Ben Hurs Wagenrennen eine Zierde wären, überhaupt bewegt und mittig im Handtuch-großen Garten platziert werden kann. Sechs Soßen werden drapiert und müssen dekantieren.

Dann kommt es: das Fleisch. Auf zwei Tellern lappt der Schweinenacken über den Rand, mit stolzgeschwelltem Kamm herumgetragen wie die Bomb Surprise beim Käpt'ns-Dinner im "Traumschiff". Über dem toten Tier senkt sich ein Metalldeckel, der den kompletten Straßenzug zu verdunkeln vermag. Schnell am Outdoor-Krematorium die Temperatur kontrolliert - den Rest erledigt der "Smoker", gefüttert mit linksdrehendem Zedernholz, geweiht vom Schamanen und bei abnehmendem Mond am Südhang an der Algarve geschlagen. 30 Euro der Sack...

Kein Wunder, dass fürs Grillgut nicht mehr Budget übrig bleibt als drei Euro. Wie das Tier gehalten wurde? Wen interessiert's. Wenn man dann aber besieht, was an zusammengeschnorrtem Rest-Fleisch vom Rost gekratzt wird, muss man konstatieren: 1,49 Euro sind sauteuer für 70 Gramm schnittfestes Wasser!


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