Oberzettlitz
Naturschutz

Naturschutz im Rotmaintal bei Kulmbach: "Ein Schatz direkt vor der Haustür"

Das Rotmaintal bietet gute Lebensbedingungen für das Braunkehlchen. Der Landesbund für Vogelschutz informiert am Sonntag über die selten gewordenen Tiere.
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Braunkehlchen  Foto: Archiv/Frank Schneider
Braunkehlchen Foto: Archiv/Frank Schneider
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Es ist der erste sonnige Vormittag nach vielen, vielen trüben Tagen, und das Rotmaintal bei Oberzettlitz präsentiert sich als Idylle wie gemacht fürs Kalenderblatt: Vögel zwitschern, gelber Raps duftet betörend nach Honig, weiße Schäfchenwolken ziehen über den blauen Himmel.

Frank Schneider allerdings hat dafür gerade wenig Sinn. Er hat auf einem dürren Strauch einen Vogel entdeckt, positioniert sein Fernrohr. In der Tat: Da sitzt ein Braunkehlchen. Das freut Frank Schneider sehr. Der ehrenamtliche Mitarbeiter der Kreisgruppe Kulmbach im Bund Naturschutz ist Koordinator eines Projektes, an dem viele Helfer beteiligt sind und das ein großes Ziel hat: den Schutz und den Erhalt der Braunkehlchen-Population im Rotmaintal.

Das Braunkehlchen, ein etwa spatzengroßer Singvogel, ist selten geworden. Der Grund: Feuchtwiesen, die dem Vogel als Lebensraum dienen, gibt es immer weniger. Zudem hat die intensive Landwirtschaft die Bestände an Braunkehlchen erheblich dezimiert, ebenso wie die Bestände an Kiebitz, Rebhuhn, Wachtelkönig und Co. Wo Wiesen schon zeitig im Jahr gemäht werden, wird manches Gelege zerstört.

Anders im Rotmaintal: "Wir haben hier einen großen Schatz direkt vor der Haustür", sagt Frank Schneider. "Kleinräumige Strukturen, verhältnismäßig viele Brachflächen - und Landwirte, die sehr kooperativ sind, wenn es um den Naturschutz geht." Vielleicht deswegen gibt es hier noch einige Kiebitz-Brutpaare, die anderswo längst aus der Landschaft verschwunden sind. Und vielleicht deshalb fühlt sich hier auch die Feldlerche, der "Vogel des Jahres" wohl. Damit sich auch das Braunkehlchen wohlfühlt, ist der Landesbund für Vogelschutz 2017 erstmals aktiv geworden. Seither werden jedes Jahr im Frühling, bevor die Braunkehlchen aus ihren Winterquartieren im subtropischen Afrika zurückkehren, knapp 2000 Bambusstecken in den Boden der Brachflächen eingeschlagen. So findet der Vogel in der offenen Landschaft nicht nur Plätze fürs Brutgeschäft, die sicher sind vor schweren landwirtschaftlichen Maschinen, sondern auch sogenannte Ansitzwarten, die für sie Ausgangspunkt für die Jagd nach Insekten oder kleinen Schnecken und Würmern sind, die die Hauptnahrung darstellen.

Es scheint, als hätte der Einsatz der Ehrenamtlichen des LBV Erfolg. "2018 haben wir sechs Brutpaare gezählt," so Frank Schneider.

Beim LBV weiß man freilich auch, dass ein geeigneter Lebensraum und eine extensive Landwirtschaft allein nicht ausreichen, um die Vögel zu schützen. "Wir müssen die Menschen sensibilisieren, so dass sie zum Beispiel jetzt in der Brutzeit ihre Hunde nicht frei laufen lassen", so Frank Schneider.

Deshalb findet am Sonntag in Oberzettlitz ein großer Info-Tag statt (siehe Infobox), an dem es auch Führungen ins Brutgebiet geben wird. Sein großes Fernrohr hat Frank Schneider da sicher dabei. Und mit etwas Glück werden auch die Besucher dann das eine oder andere Braunkehlchen auf seiner Ansitzwarte beobachten können.

Der Informationstag findet am Sonntag, 19. Mai, von 9 bis 17 Uhr beim Gasthof Räther in Oberzettlitz statt. Um 9 Uhr beginnt die erste Führung in das Braunkehlchen-Gebiet. Weitere Führungen folgen dann im Laufe des Tages nach Bedarf.

Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag über eine ungewöhnliche Protestaktion.

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