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Kulmbach
Entdecker-Tour (163)

Name für Kulmbacher Gymnasium: Markgraf sticht Maler aus

Wie kam das Kulmbacher Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium zu seinem Namen und warum zieren römische Zahlen die Fassade des Schulgebäudes?
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So wie auf dieser Postkarte sah das heutige Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium vor der Aufstockung aus. Foto/Repro: Erich Olbrich
So wie auf dieser Postkarte sah das heutige Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium vor der Aufstockung aus. Foto/Repro: Erich Olbrich
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Am Schulgebäude des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums am Schießgraben glänzen an der Fassade die goldenen römischen Zahlen MDCCCXCIII (M = 1000, D = 500, C = 100, CCC = 300, XC= 90, I =1, III = 3). Sie stehen also für die Jahreszahl 1893. Was hat es mit dieser Jahreszahl auf sich?

Bereits 1891 hatte die Regierung von Oberfranken die Genehmigung zur Errichtung einer vierklassigen Realschule in Kulmbach erteilt. Auch der Magistrat der Stadt mit dem rechtskundigen Bürgermeister Flessa an der Spitze begrüßte die Errichtung eines neuen Schulgebäudes. Mit dem ehemaligen Prinzessinnengarten fand sich schnell ein Grundstück, nahe an der Altstadt gelegen.

1891 wurde Ferdinand Brandt zum neuen Baurat berufen.

Lokale Bier- und Malzsteuer erhoben

Er fertigte die Pläne für ein innen zweckmäßiges Schulgebäude, das außen mit einer ins Detail gehenden Fassadengestaltung vollkommen der neuen Zeit entsprach. Die Finanzierung erfolgte durch eine Gemeinschaftsleistung der Kulmbacher Bürgerschaft, die durch das Entrichten einer "lokalen" Malz- und Biersteuer das Vorhaben ermöglichte. 1893 erfolgte schließlich die feierliche Einweihung.

Steigende Schülerzahlen, vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, führten zu Erweiterungen und Umbauten. Die Aufstockung des Hauptgebäudes 1955/56 veränderte das Mittelteil nur geringfügig, die römischen Zahlen blieben.

Wie kam nun die Schule zu ihrem heutigen Namen? Hierzu findet sich in der Jubiläumsschrift 1993 ein Beitrag des Historikers Wolfgang Schoberth, damals selbst Lehrer am MGF, der uns weiterhilft. Bis zum Jahr 1962 hieß die Einrichtung demnach "Oberrealschule mit Gymnasium".

Mit Erlass des Kultusministeriums vom 12. Februar 1962 sollten die bayerischen Gymnasien die bloße Schulartbezeichnung ablegen und sich einen Namen wählen, der einen Bezug zur Geschichte des Ortes besaß oder der mit einer bedeutenden Persönlichkeit in Verbindung stand. Damit wollte man den Bezug zu Region und Geschichte herstellen. Das Kultusministerium bat nun die Schule, den Elternbeirat und den Stadtrat um eine Stellungnahme zu ihrer Wahl.

In der Lehrerschaft wurden verschiedene Namen vorgeschlagen: Georg-Friedrich-Schule, Markgraf-Georg-Friedrich- Schule, Georg Fridericianum, Kulmbacher Oberrealschule mit Gymnasium Markgraf Georg Friedrich, Hans-Sueß-Oberrealschule mit Gymnasium Kulmbach,

Hans Sueß von Kulmbach Oberrealschule mit Gymnasium Kulmbach oder

Hans-von-Kulmbach- Oberrealschule mit Gymnasium Kulmbach.

Da man sich nicht einigen konnte, wurden die Oberstudienräte Franz Pietsch und Alfred Födransperg gebeten, jeweils umfassende inhaltliche Begründungen für ihre Vorschläge "Markgraf Georg Friedrich" und "Hans von Kulmbach" auszuarbeiten.

Die Vorschläge der Oberstudienräte

Franz Pietsch plädierte für Georg Friedrich, den letzten Markgrafen aus der fränkischen Linie der Hohenzollern, die im Jahre 1603 ausgestorben war. Ihm folgte unmittelbar die jüngere fränkische Hohenzollernlinie, die mit dem Markgrafen Christian einsetzte.

Markgraf Georg Friedrich führte das Ansbacher und das durch seinen Vorgänger Albrecht Alcibiades im Krieg mit den Bundesständen zerstörte Kulmbacher Land wieder in einer Hand zusammen. Von den Bundesständen erstritt er eine enorm hohe Entschädigungssumme wegen des mutwilligen Niederbrennens der Plassenburg.

Dann berief der Markgraf den Baumeister Caspar Fischer und ließ unter Mitwirkung des Bildhauers Daniel Engelhard die Plassenburg, die zerstörte Stadt und die Dörfer wiederaufbauen. Auch um die Reform des Schulwesens erwarb er sich große Verdienste.

Unter seiner Herrschaft wurde nicht nur die Lateinschule wiedergegründet, die dann so namhafte Persönlichkeiten wie Friedrich Taubmann zu ihren Schülern zählte, sondern es wurden auch Volksschulen für Knaben und Mädchen eingerichtet. Da sich die "Staatliche Oberrealschule mit Gymnasium" als Nachfolgerin der alten hohen Schule von Kulmbach betrachten darf, war es nach Pietschs Ausführungen wohl gerechtfertigt, sie eng mit dem Namen des Markgrafen Georg Friedrich zu verknüpfen.

"Sein Name ist Verpflichtung"

Alfred Födransperg begründete, warum Hans Sueß von Kulmbach aus seiner Sicht der richtige Namenspatron für die Schule wäre: "Der Maler Hans Sueß, um 1480 geboren, ist als Hans von Kulmbach in die Kunstgeschichte eingegangen. Sein Lebenslauf wird von nur wenigen Urkunden mehr gestreift als erhellt, umso deutlicher sprechen seine Werke: Altartafeln, Bildnisse, Zeichnungen, Glasgemälde, Scheibenrisse. Der Maler taucht nach abgeschlossener Lehrzeit im Umkreis von Dürer auf, der sich einen weitreichenden Ruf erworben hatte und bedeutende Anziehungskraft besaß.

Als Meister einer eigenen Werkstatt wurde er mit einer großen Auftragsfülle überschüttet; so blieb er an Nürnberg gebunden. Seit 1511 datiert er seine Werke und signiert sie mit dem Monogramm HK. Er starb 1522. Sein Ruf geht heute über den Erdkreis. Sein Name ist Verpflichtung, seine Gestalt verehrungswürdig, sein Werdegang beispielhaft."

Die Entscheidung der Schule fiel in einer Lehrerversammlung. In einer Abstimmung entfielen 19 Stimmen auf den Markgrafen, 13 Stimmen auf den Künstler, es gab drei Enthaltungen.

In nichtöffentlicher Sitzung stimmte der Kulmbacher Stadtrat dem Vorschlag der Lehrerschaft zu. Der Weg war frei für den neuen Namen Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium.

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