Kulmbach
Gericht

Nach Sachbeschädigung im Suff: Straftäter verdienen sich Rabatt

Warum zwei Männer, die eine Spur der Verwüstung durch Himmelkron gezogen hatten, vom Amtsgericht Kulmbach nicht verurteilt wurden.
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Eine Spur der Verwüstung zogen zwei Männer im November 2018 durch Himmelkron. Dabei gingen auch acht Autoscheiben zu Bruch.  Symbolfoto: dpa
Eine Spur der Verwüstung zogen zwei Männer im November 2018 durch Himmelkron. Dabei gingen auch acht Autoscheiben zu Bruch. Symbolfoto: dpa

Es war eine Spur der Verwüstung, die sich an jenem Morgen durch Himmelkron zog: acht Autos mit eingeschlagenen Scheiben sowie sieben Garagen und Fassaden, eine Trafostation und ein Telekom-Verteilerkasten, die mit Lackfarbe besprüht worden waren. Einmal sogar mit einem Hakenkreuz. Der Gesamtschaden lag bei 16 000 Euro.

Trotzdem wurden die beiden Straftäter nicht mit der ganzen Härte des Gesetzes bestraft. Das Amtsgericht Kulmbach stellte das Verfahren gegen die Angeklagten (32 und 28 Jahre alt) ein. Wie geht so was?

Schnaps floss in Strömen

Der 4. November 2018 war ein kühler Sonntagmorgen. Die zwei Männer hatten sich damals auf einer privaten Geburtstagsfeier volllaufen lassen. Vor allem Schnaps floss in Strömen. "Es muss unglaublich viel gewesen sein, mir war am Tag danach noch übel", sagte einer der Männer gestern vor Gericht.

Von den Taten wissen sie so gut wie nichts mehr. "Ich habe nur noch Erinnerungsfetzen", meinte sein Kumpel. Beide konnten nicht erklären, warum sie so gesoffen hatten.

Es schepperte an jeder Ecke

Weil der Rausch noch nicht reichte, pilgerten sie zwischen 5 und 6 Uhr zu einer Tankstelle, um Bier zu holen. Auf dem Weg dahin schepperte es beinahe an jeder Ecke: Mit einem Spazierstock schlugen die Übeltäter wahllos Autoscheiben ein. Sie hatten auch Sprühdosen dabei und verunzierten etliche Fassaden mit blauer und schwarzer Farbe. Bei der "Frankenfarm" musste auch ein Fenster dran glauben.

Neben dem Kater plagte die Angeklagten hinterher das schlechte Gewissen. "Ich war wie in Trance. Aber ich wusste, dass das, was passiert ist, nicht in Ordnung war", sagte der 32-Jährige. Deshalb entschlossen sie sich, zur Polizei zu gehen und sich zu stellen.

Bei der Polizeiinspektion Stadtsteinach waren bereits zahlreiche Anzeigen wegen Sachbeschädigung eingegangen. "Wir hatten noch nicht mit den Ermittlungen begonnen", so der zuständige Sachbearbeiter, da hätten ihm die Täter die Arbeit abgenommen. Bei der Polizei erst erkannten sie das ganze Ausmaß der Verwüstungen.

Nicht rechtsextrem

Der Anklagevorwurf lautete nun: gemeinschaftlich begangene Sachbeschädigung und Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Im Laufe der Verhandlung deutete Staatsanwalt Christopher Feulner an, dass die Taten auch als fahrlässiger Vollrausch gewertet werden könnten. Außerdem versicherten die Männer, dass sie mit rechtsextremem Gedankengut nichts am Hut haben. Die Selbstanzeige allein hätte freilich nicht gereicht, um das Verfahren einzustellen, wie Richterin Sieglinde Tettmann erläuterte. Entscheidend seien die Anstrengungen gewesen, den Schaden wiedergutzumachen.

"Wir sind zu allen Geschädigten hingegangen und haben uns entschuldigt", sagten die Angeklagten. Teilweise erledigten sie eigenhändig den Neuanstrich der Fassaden.

Damit beeindruckten sie das Gericht, den Staatsanwalt und ihre Rechtsanwälte Wolfgang Schwemmer, Bayreuth, und Jochen Kaller, Bamberg. Solche Straftäter dürfte es ganz selten geben. Der Ältere hat seine Hälfte des Schadens schon fast bezahlt, der Jüngere nimmt dafür jetzt einen Kredit auf. In Kürze dürfte die Sache erledigt sein.

Denkzettel vom Gericht

Obwohl bei der Einstellung keine Strafe verhängt wird, gab es für die beiden Männer dennoch - wie es das Gesetz vorsieht - einen Denkzettel. Jeder von ihnen muss eine Geldauflage von 2000 Euro an den Caritas-Kreisverband Kulmbach und an die Aktion "Deutschland hilft" bezahlen.

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