Kulmbach
Gericht

Nach einem "Spaß" flogen in Kulmbach die Fäuste

Weil sich ein anderer einen dummen Spaß mit seiner Freundin erlaubt hatte, wurde ein 29-Jähriger Kulmbacher handgreiflich.
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Eine Schlägerei vor einer Spielhalle hatte jetzt ein Nachspiel vor Gericht. Symbolfoto: Christopher Schulz
Eine Schlägerei vor einer Spielhalle hatte jetzt ein Nachspiel vor Gericht. Symbolfoto: Christopher Schulz

Eine ziemlich brutale Schlägerei vor einer Spielhalle in der Albert-Ruckdeschel-Straße hatte jetzt ein Nachspiel vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft warf dem 29-jährigen Angeklagten vor, in der Nacht des 28. November auf einen anderen Mann eingeschlagen zu haben. Er soll sein Opfer mit den Fäusten malträtiert und mit den Füßen getreten haben. Als der Angegriffene bereits am Boden gelegen habe, sei der Beschuldigte auf ihn gesprungen und habe nicht von ihm abgelassen.

Außerdem soll der 29-Jährige den anderen am Hals gepackt und zugedrückt haben. Der Geschädigte trug einen Riss im Ohr, Prellungen und eine Nasenbeinfraktur davon. Das alles, so die Anklage, erfülle den Straftatbestand der vorsätzlichen Körperverletzung.

Roller eingeparkt

Ausgangspunkt für den Streit war wohl ein schlechter Scherz, den sich das Opfer und dessen Freunde erlaubt hatten. Die beiden hatten den Motorroller der Freundin des Angeklagten zugeparkt. Die junge Frau arbeitet in der Spielothek.

Sie selbst erzählte vor Gericht, dass die beiden nicht zum ersten Mal solche "Späße" gemacht hätten. Einmal hätten sie den Roller sogar weggetragen. Sie habe ihren fahrbaren Untersatz nach Dienstschluss mitten in der Nacht dann suchen müssen, was sie alles andere als lustig gefunden habe.

In besagter Novembernacht, so die junge Frau, sei sie mit ihrem Freund nach Dienstschluss ausgegangen. Den Roller habe sie vor der Spielothek stehen lassen. Nach der Rückkehr hätten beide entdeckt, dass der Roller schon wieder zugeparkt war. Der Angeklagte habe die beiden "mutmaßlichen Täter" ziemlich deutlich aufgefordert, ihr Auto wegzufahren.

"Die anderen haben mir nicht zugehört"

Dies taten die beiden Freunde dann auch und nutzten die Gelegenheit, um eine Runde durch die Stadt zu drehen. Dann kamen sie wieder zurück. Um sich zu beruhigen, waren der Angeklagte und seine Freundin noch einmal in die Spielothek gegangen. "Ich wollte die Sache selbst klären, bin noch einmal rausgegangen. Aber die anderen haben mir nicht zugehört, haben nur gefragt, ob mein Freund keine Eier hätte und dass er rauskommen solle", schilderte die Frau.

Der Angeklagte tat dann genau dies - und die Schlägerei begann. Der 29-Jährige gab an, dass der Geschädigte eine Bierflasche in der Hand gehabt habe und auf ihn losgegangen sei. Er habe sich nur gewehrt.

Das Opfer indes erzählte die Geschichte genau andersherum. Der Angeklagte sei unvermittelt auf ihn losgegangen und habe ihn sofort geschlagen. Jedenfalls entwickelte sich ein Handgemenge, bei dem gegenseitig die Fäuste flogen.

Richterin Sieglinde Tettmann vernahm noch einen Angestellten der Spielothek. Er konnte sich jedoch nicht an Details erinnern. Nur an Tritte erinnerte er sich.

Gefängnis oder Freispruch

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft plädierte auf eine siebenmonatige Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, sowie eine Geldstrafe von 950 Euro. Der Angeklagte habe sich schon dreimal wegen vorsätzlicher Körperverletzung, fahrlässiger Körperverletzung und Beleidigung und Bedrohung vor Gericht verantworten müssen.

Verteidiger Ralph Pittroff forderte einen Freispruch. "Es gibt unterschiedliche Aussagen, wer angefangen hat", betonte er.

Richterin Sieglinde Tettmann wählte den Mittelweg. Sie sah den Vorwurf der vorsätzlichen Körperverletzung als erfüllt an. Sie verhängte jedoch "nur" eine Geldstrafe in Höhe von 150 Tagessätzen zu je 30 Euro. Schwer wog bei der Bemessung der Strafe, dass der Angeklagte auch dann noch zugetreten habe, als sein Kontrahent schon auf dem Boden lag. Zugunsten des Angeklagten wertete die Richterin, dass er von seinem Opfer erheblich provoziert worden sei.

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