Limmersdorf
Entdecker-Tour (137)

Bis heute ungeklärt: Das Geheimnis des mysteriösen Doppelmords in Franken von 1806

Eine Begräbnisstätte im Limmersdorfer Forst erinnert an eine Tragödie. Hier liegen die beiden Opfer eines Doppelmordes.
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Das Weinreichsgrab von der Seite. Foto: Erich Olbrich
Das Weinreichsgrab von der Seite. Foto: Erich Olbrich
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Vor einer Woche, in Folge 136, haben wir von der Ermordung des Feldjägers und Forstmanns Carl Weinreich und seines Begleiters, des Bauern Philipp Pfaffenberger, am 4. Mai 1806 berichtet. Die Regierung ordnete an, dass die beiden Toten in einem der schönsten Waldreviere beigesetzt werden sollten.

Diese letzte Ruhestätte befindet sich in westlicher Richtung von der Stelle, an der die schreckliche Tat geschah. In einer Biegung steht ein Fachwerkhäuschen und rund 20 Meter davon entfernt entdeckt man die Weinreichsruh. Dicht daneben, mitten im herrlichen Wald und überschattet von mächtigen Buchen, liegt das Weinreichsgrab.

Wie ein Haus geformt

Der Grabstein besteht aus Sandstein und hat die Form eines Hauses mit Satteldach. Er ist 135 Zentimeter lang, 110 Zentimeter hoch und 63 Zentimeter breit und trägt folgende Inschrift:

"Hier ruhet der Königl. Preuß. Feldjäger Carl Weinreich aus Berlin gebürtig und ihm zur linken sein treuer Begleiter, der redliche Bauersmann Philipp Pfaffenberger.

Es zeichnete sich ersterer in jeder Lage, sowohl als Militair Person in Campagne wie auch als Beaufsichtigender hiesigen Forstei beständig ganz vorzüglich als ein brauchbarer Mann aus, welcher beides noch mehr durch die Art seines Todes und vieler von ihm vollführter Forst-Culturen unter welchen auch die Erlenpflanzung im Leren Loche zu zählen ist hervorgehet.

Am 4ten May 1806 zu früh gingen beide wie gewöhnlich aus um den einheimischen Wilddieben, von welchen man bei der Markgräflichen Regierung nie etwas gehört, sondern sich erst von der Zeit an, nachdem nach solchen nicht mehr geschoßen wurde, hier in Menge eingestellt hatten, nachzustellen, wurden aber von solchen Mördern durch vier Flintenschüsse im Beersteig beim Kreuzstein ermordet, in der Begleitung des Forstmeisters v. Bothmer + Forstverwalters Frank und der ganzen Gräflich Giechischen löblichen Jägerei aus Thurnau als eine besondere Ehrenbezeugung, die in der Art nur einem guten Forst und Weidmanne als Weinreich war, widerfahren kann, am 9ten May 1806 im Walde unter diesen schönen Buchenbaum beerdigt."

Auf der Rückseite findet man zudem die Inschrift: "Restauriert Manfred Jarosch, Kasendorf/Reuth Anno 1983."

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Unter großer Anteilnahme beigesetzt

Am Freitag, 9. Mai 1806, wurden hier Weinreich und Pfaffenberger unter großer Anteilnahme beigesetzt. Forstmeister von Bothmer, Forstverwalter Frank und die gesamte Gräflich Giechsche löbliche Jägerei aus Thurnau gaben den Toten das Ehrengeleit.

Alle behördlichen Nachforschungen nach den Mördern blieben ohne Erfolg. Noch im Herbst des gleichen Jahres brach der Krieg aus. Französische Truppen besetzten auch unser Land, und am 7. Oktober ergriff Napoleon Besitz vom Bayreuther Fürstentum.

Gerüchte um ein Geständnis

Vielleicht mag der Regierungswechsel mit dazu beigetragen haben, dass die Mordtat nie gesühnt werden konnte. Wohl hörte man im Volke hie und da Gerüchte, dass einer der Mörder auf dem Sterbebette ein Geständnis abgelegt hätte, sie haben sich aber nicht bestätigt. Die Täter schwiegen wie der Wald, in dem die Untat geschah.

Kommen heute Spaziergänger am Grab vorbei, sollten sie der beiden Männer gedenken und sich deren tragisches Schicksal ins Gedächtnis rufen.

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