Kulmbach
Bierwoche

Nach der Rückkehr des Bierstadels: Wieder Leben in der Innenstadt

Aufatmen bei den Einzelhändlern in der Innenstadt. Nach einer Flaute während der Bierwoche 2017 geht das Geschäft heuer wieder besser.
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Die 69. Kulmbacher Bierwoche, die wieder auf dem Zentralparkplatz gefeiert wird, lockt Tausende an. Und viele von ihnen lassen auch Geld in Kulmbacher Gaststätten oder Einzelhandelsgeschäften.Foto: Archiv/Ronald Rinklef
Die 69. Kulmbacher Bierwoche, die wieder auf dem Zentralparkplatz gefeiert wird, lockt Tausende an. Und viele von ihnen lassen auch Geld in Kulmbacher Gaststätten oder Einzelhandelsgeschäften.Foto: Archiv/Ronald Rinklef
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August 2017: "Tote Hose in der Stadt" titelt die Bayerische Rundschau am 4. August.Und nicht wenige Händler und Gastronomen sprechen von einem Desaster.
Was war geschehen? Weil es beim den Bauarbeiten am Zentralparkplatz zu Verzögerungen und Unwägbarkeiten gekommen war, hatte sich die Kulmbacher Brauerei dazu entschlossen, die Kulmbacher Bierwoche auf das Brauereigelände an der Lichtenfelser Straße zu verlegen. Dem Aufschrei unter vielen Bierwochen-Fans, die die Innenstadt als den einzig richtigen und wahren Standort für den Bierstadel sehen, folgten Klagen der Händler und Gastronomen. Zu wenige der Bierwochen-Besucher, so hieß es, fänden den Weg in die Innenstadt.
Die Laufkundschaft fehle, und es fehlten auch die Besucher, die am Abend nahe dem Stadel, aber doch abseits vom ganz großen Gedränge ihr Bier genießen wollen.
Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass die Händlervereinigung "Unser Kulmbach" Wegweiser aufgestellt hatte, um den Bierwochen-Besuchern zu zeigen: Da geht's lang in Kulmbachs Innenstadt.
Kurzum: Während in der Lichtenfelser Straße auf dem Brauereigelände in der Lichtenfelser Straße bis spät in die Nacht gefeiert wurde, schauten die Gastronomen und Einzelhändler in der Innenstadt in die Röhre.
Der Wunsch vieler, dass die Bierwoche doch wieder zurückkehren möge in die Innenstadt, hat sich erfüllt. Auf dem neugestalteten Zentralparkplatz wird im neuen Stadel seit einer Woche bis spät in die Nacht gefeiert, und schon mehr als einmal haben die Bands und Musikkapellen auf dem Podium den Stadel zum Kochen gebracht. Aber was tut sich draußen, in der Fußgängerzone und drum herum?
Auf den Tag genau ein Jahr nach der erwähnten Umfrage haben wir unsere Gesprächspartner von damals erneut gefragt.

Vor einem Jahr hatte Marina Weichart, die mit ihrem Mann Robert sowohl das "Bierhäusla" als auch das Café "Roberts" in unmittelbarer Nähe zum Marktplatz betreibt, berichtet, dass das Geschäft tagsüber gut laufe, dass es in den Abendstunden im Vergleich zu sonstigen Bierwochen aber merklich ruhiger sei. Das sei, so sagt Robert Weichart heute, in vielen Jahren so: "Die Leute trinken ihr Bier im Bierzelt und nicht bei uns." Signifikante Unterschiede gibt es also nicht.
Allerdings wirkt sich nach Ansicht von Weichart das heiße, trockene Wetterin diesem Jahr negativ auf das Geschäft aus. "Das ist auch klar. Wenn es so heiß ist, setze ich mich auch nicht vor ein Lokal in die Sonne."

Katrin Fischer, die Wirtin der "Stadtschänke", hatte im letzten Jahr ein ernüchterndes Fazit gezogen: Vor allem am Abend sei die Innenstadt so gut wie ausgestorben. Üblicherweise pulsiere die Stadt während der Bierwoche. Nun sei es ein ganz normaler Betrieb. An manchen Tagen während der Bierwoche 2017 hatte die "Stadtschänke" schon um 20 Uhr geschlossen. Es wäre ohnehin kaum jemand mehr gekommen.
Und in diesem Jahr? Wirt Arnd Fischer ist zufrieden. Während man im letzten Jahr eher mittags gut zu tun hatte, seien heuer die Abendstunden merklich lebhafter. Für den "Stadtschänken"-Wirt gibt es keine Zweifel: Das Bierfest gehört in die Innenstadt.

Sehr kritisch hatte sich im letzten Jahr Andi Schulze geäußert, der in der Langgasse das Modegeschäft "Katz & Katz" betreibt. "Und fehlt die Laufkundschaft", hatte er damals geklagt. Bierzeltbesucher, die durch die Fußgängerzone bummeln oder auch mal Bedienungen aus dem Stadel, die in ihrer Pause vorbeikommen - 2017 seien die so gut wie nicht zu sehen.
Und was sagt Schulze ein Jahr später? Im letzten Jahr sei die Stadt ab dem frühen Nachmittag "tot" gewesen. Heuer habe man zwar zwischen 15 und 17 Uhr einen gewissen Leerlauf. "Aber am frühen Abend ist dann noch mal so richtig gut Betrieb." Schulze ist zufrieden: "Diese Woche war deutlich besser als die vergleichbare 2017."

Laufkundschaft, Spontankäufe - das hat Alexandra Hofmann, die Inhaberin der Parfümerie Benker, im letzten Jahr sehr vermisst. Die Vorsitzende der Händlervereinigung "Unser Kulmbach" sprach damals auch im Namen vieler Kollegen von negativen Auswirkungen der Bierwochen-Verlagerung in die Lichtenfelser Straße.
Die Entwicklung nach der Rückkehr des Bierfestes gibt ihr Recht. "Das Geschäft läuft deutlich besser als im letzten Jahr", sagte sie gestern. Sie habe in ihrer Parfümerie - neben den Stammkunden, die es unter den Bierwochen-Besuchern und Mitarbeitern gibt - auch viel Laufkundschaft. "Das zeigt doch: Der Bierstadel gehört in die Innenstadt."

Karin Herold, die Inhaberin von "Kathrins Geschenkstadel", die unter anderem eine große Auswahl an Trachten anbietet, klagte im letzten Jahr nicht. Dank vieler Stammkunden war auch 2017 das Geschäft gut gelaufen. Die Laufkundschaft freilich hatte die Geschäftsinhaberin doch vermisst. Die fand den Weg vom Festgelände in der Lichtenfelser Straße in die Langgasse wohl nicht so leicht.
Und wie war ihr Geschäft heuer, nach der Rückkehr des Stadels an den alten Platz? "Deutlich besser!" sagt sie. Sie registriere wieder deutlich mehr Laufkundschaft - und viele Stammkunden, die beruflich mit der Bierwoche zu tun haben, seien froh, "dass man sich wieder sieht".



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