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Kulmbach
Eröffnung

Nach Corona-Lockerungen: Kulmbach eröffnet die Biergarten-Saison

Die Biergärten in Bayern haben seit Montag wieder geöffnet. Auch in Kulmbach strömten die Menschen in die Cafés und Restaurants und genossen die wiedergewonnene Freiheit.
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"Der Abstand ist eingehalten", misst Norbert Hahn mal nach - auch Stammtischkollegin Martina Albrecht muss lachen.  Fotos: Sonny Adam
"Der Abstand ist eingehalten", misst Norbert Hahn mal nach - auch Stammtischkollegin Martina Albrecht muss lachen. Fotos: Sonny Adam

Kommunbräuwirt Frank Stübinger steht in seinem Biergarten. Obwohl er Mund-Nasen-Maske trägt, sprühen seine Augen vor Lachen. Und diese gute Stimmung des Wirtes sprang auf die Besucher über: ausnahmslos, alle waren glücklich. "Ich fühle mich heute fünf Mal besser als in den letzten Wochen. Es bewegt sich wieder was, ich habe wieder ein Ziel", sagt Stübinger.

Der Biergarten der Kommunbräu ist voll. Rippla, Klöße, Bratwürste, die Menschen sind regelrecht hungrig nach den fränkischen Spezialitäten. Marco und Irina Eggloff waren der "Kommun" auch in der Krise treu, nicht nur, weil sie selbst Anteilseigner sind. "Wir haben auch Bier nach Hause geholt, aber das ist nicht dasselbe. Das dumme Gewaaf fehlt, die Atmosphäre. Es ist nicht das Gleiche, zu Hause das Bier zu trinken", sagt Marco Eggloff. "Als unser Söders Markus verkündet hat, dass die bayerischen Biergärten wieder aufmachen dürfen, hab' ich sofort reserviert", erzählt Eggloff. Wirt Frank Stübinger konnte es erst gar nicht glauben. Aber er hat "dem Heilsbringer" natürlich einen Platz freigehalten.

Willkommene Abwechslung: Biergärten in Kulmbach wiedereröffnet

"Das Wetter passt, alles ist perfekt und wir haben Urlaub. Wir wären eigentlich in Südtirol, aber das geht ja jetzt nicht", sagt Irina Eggloff. So bewusst und so intensiv haben die beiden das weiß-blaue oder weiß-rote fränkische Biergartenflair schon lange nicht mehr erlebt.

Auch für Konstantin Kaiser und Sara Heyerth gab es kein Halten. "Wir wohnen in einer Drei-Zimmer-Wohnung ohne Garten, und wir wussten schon nicht mehr, was wir noch kochen sollen", sagt Konstantin Kaiser. Das Paar bestellte in der Kommunbräu Bratwürste mit Bratkartoffeln und Blaugsudna und war einfach glücklich. "Anfangs war es etwas beklemmend, doch wenn man erst mal sitzt, dann ist es fast schon wieder wie früher", sagte Sara Heyerth.

Im Mönchshof-Biergarten dagegen war richtig was los. Michael Klose und Norbert Hahn haben sich an den Stammtisch "Rote Kastanie" gesetzt und genossen das fast schon vergessene Lebensgefühl. "Man hat natürlich ein bisschen gemischte Gefühle. Aber wir halten den Mindestabstand ein", sagt Michael Klose. "Dass die Biergärten offen sind, ist befreiend, aber auch irgendwie komisch", bestätigt Norbert Hahn.

Mindestabstand gilt auch im Biergarten

Hahn hat einen Meterstab mitgebracht. "Der Mindestabstand wird eingehalten", maß er nach - und Nachbarin Martina Albrecht musste lachen. Stammtischmitglied Stephan Stenglein würde normalerweise auch mit am Stammtisch sitzen, doch stattdessen hat er sich an der Bar niedergelassen. So hält er den Mindestabstand ein, kann aber trotzdem mit seinen Kumpels sprechen. Denn genau das ist jetzt das Wichtigste: sprechen, plaudern, waafn oder Witze machen. "Dass man die Namen angeben muss und dass Adresse und Telefonnummer aufgeschrieben wird, ist für mich okay", sagt Stenglein.

Wirtin Anika Pettrich hat kaum Zeit, um überhaupt etwas zu sagen. Sie steht in ihrem kleinen Ausschankhäuschen, reicht den Fans der Mönchshof die Registrierungszettel und die bestellten Getränke. Kein einziger macht Probleme. Bereitwillig geben die Menschen ihre Daten preis. "Die Leute wissen ja, dass wir die Namen aufschreiben müssen. Bisher machen alle mit", sagt Pettrich. Am ersten Biergartentag ist mehr los als an anderen Montagen. Denn die Kulmbacher genießen es, andere Menschen zu sehen, zu plaudern, in der Sonne zu sitzen.

In der Zunftstube bereitet Rita Hofmann alles vor. Nur vier Tische mit 16 Plätzen stehen zur Verfügung. "Ich fühle mich heute wie am ersten Ausbildungstag: ein bisschen aufgeregt, die Abläufe sind neu", sagt Rita Hofmann und wischt noch einmal mit Desinfektionsmittel über die Tische.

Schon am Nachmittag erwachten auch die Eiscafés in Kulmbach wieder langsam aus ihrem Dornröschenschlaf: Im Opera verzichtete man auf einen Tisch, es herrschte fast normaler Betrieb. Im Eiscafé Sanremo kanalisierten Beniamino und Augusto de Pellegrin die Besucher, indem sie alle durch einen Eingang zu den Tischen bugsierten.

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