Kulmbach
Verkehr

Nach Anfangsschwierigkeiten funktioniert die neue Verkehrsregelung in Kulmbach

Im Kulmbacher Kreisel wird der Verkehr übergangsweise linksherum geführt. Nach einigen Anlaufproblemen klappte das am Montag schon ganz gut.
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So ganz weiß der Fahrer des dunklen Autos nicht, wo er nun hin soll. Carina Schwemmlein von der Tiefbauabteilung der Stadt weist den Weg.Foto: Katrin Geyer
So ganz weiß der Fahrer des dunklen Autos nicht, wo er nun hin soll. Carina Schwemmlein von der Tiefbauabteilung der Stadt weist den Weg.Foto: Katrin Geyer
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Linksrum durch den Kreisel? Als die Stadt Kulmbach in der letzten Woche die Pläne für die Umleitungsstrecke vorstellte, die für die Dauer der Vollsperrung der Klostergasse notwendig ist, gab es viele Skeptiker. "Das klappt nie!" mutmaßten diese unter anderem auf diversen Internet-Plattformen.

Die Skepsis war unberechtigt: Nach einigen Anfangsproblemen direkt nach der Umstellung floss der Verkehr am Montag dann so gut wie problemlos. Von größeren Schwierigkeiten ist zur Stunde nichts bekannt.

Wegen Bauarbeiten an den Versorgungsleitungen muss die Klostergasse bis voraussichtlich Mitte April komplett gesperrt werden. Solange wird der stadteinwärts fließende Verkehr entgegen der üblichen Fahrtrichtung durch die Webergasse zum großen Kreisel geleitet. Durch den geht es dann linksherum in die Sutte und an der Stadthalle entlang - wiederum entgegen der sonst üblichen Fahrtrichtung - zum kleinen Kreisel. Dort bleibt die Fahrtrichtung wie bisher. Der Verkehr stadtauswärts wird durch die Spitalgasse bzw. durch die Grabenstraße zur Fischergasse und über den Pörbitscher Weg zum Schwedensteg geführt.

Die Zufahrt zum Eku-Platz ist derzeit nur über die Einfahrt beim Restaurant "Patchwork" möglich. Die Ausfahrt aus den beiden Tiefgaragen erfolgt ausschließlich über die Rampe an der Dr.-Stammberger-Halle. Damit soll die Situation am großen Kreisel etwas entschärft werden.

Am Montagmorgen ist alles vorbereitet für die Umleitung. An den neuralgischen Punkten liegen Verkehrsschilder bereit, die nur noch aufgestellt werden müssen. Weitere Schilder liegen auf dem Transporter einer Fachfirma für Verkehrsleittechnik aus Thüringen. Stück für Stück arbeiten sich deren Mitarbeiter voran.

Zunächst wird das Straßenstück zwischen den Kreiseln "dicht" gemacht. Der eine oder andere Autofahrer nimmt das nicht so ganz ernst und umkurvt die Absperrung. Kritisch ist das zu diesem Zeitpunkt noch nicht: Aus der Webergasse kommt noch kein Auto.

Eine knappe halbe Stunde dauert es, dann heißt es endgültig: Linksrum durch den Kreisel. Was einigen Autofahrern nicht auf Anhieb ganz klar zu sein scheint. Einige fahren unverzagt so, wie sie in den letzten Monaten immer gefahren sind: Rechts herum.

Andere stoppen an der Einfahrt zum Kreisel erst einmal. In manchen Gesichtern ist eine leichte Irritation zu erkennen. Vorsichtig tasten sie sich dann voran. Carina Schwemmlein von der Tiefbauabteilung der Stadt - gelbe Weste, rosa Mütze und damit gut sichtbar - hilft mit energischen Handzeichen jenen Autofahrern weiter, die noch nicht so recht wissen, wo sie nun hinsollen.

Kritisch wird es, als der Fahrer eines Kombi vorschriftsmäßig in der Sutte Richtung Grabenstraße fährt - und unversehens Gegenverkehr hat: Der Fahrer eines Lastwagens hat, bewusst oder nicht, die Änderung der Fahrtrichtung nicht beachtet.

Dem Fahrer eines Golf macht die neue Regelung offensichtlich Angst: Aus Richtung Bahnübergang steuert er den großen Kreisel an, stoppt auf Höhe der Pizzeria "Fäßla", überlegt deutlich mehr als nur einen Moment - und wendet auf mitten auf der Straße, um Richtung Schwedensteg den Schauplatz des für ihn so ungewohnten Geschehens zu verlassen.

Klaus-Peter Lang, den Verkehrssachbearbeiter der Kulmbacher Polizei, wundert das nicht. "Die Autofahrer sind halt bestimmte Strecken gewohnt. Das braucht einige Zeit, dann wird sich das schon einspielen."

Ähnlich äußert sich auch der Pressesprecher der Stadt Kulmbach, Simon Ries, der ebenso wie Carina Schwemmlein diversen Autofahrern den richtigen Weg weist: "Wir erwarten jetzt keine großen Probleme. Wir sind zuversichtlich, dass das nach einer kurzen Eingewöhnungszeit gut klappt."

Und in der Tat: Wenig später am Vormittag scheint es kaum noch Probleme zu geben. Mancher Autofahrer zögert noch, stutzt vielleicht. Aber an sämtlichen Kreuzungen und Kreiseln stehen hinreichend genug Schilder, die zeigen, wo's lang geht.

Vielleicht zahlt es sich ja auch aus, dass die Stadt Kulmbach im Vorfeld der Maßnahme in verschiedenen Medien ausführlich über die Umleitungsmaßnahme informiert und darauf hingewiesen hat, dass die Umstellung ab 8 Uhr am Montagmorgen wirksam wird.

Ein Autofahrer hat das wohl zu wörtlich genommen: Schon einige Minuten vor 8 Uhr steuert der Pkw von der Tränkbrücke aus auf den Kreisel zu, biegt nach links ein - und nur weil der ihm entgegenkommende Fahrer eine Vollbremsung hinlegt, kann eine Kollision verhindert werden. Wenig später gibt sich eine Frau bei Polizist Klaus-Peter Lang als Beifahrerin aus diesem Auto zu erkennen: Warum das mit dem Linksherum nicht stimme: "Das war doch so in der Zeitung gestanden!"

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar.



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