Kulmbach
Verbrechen

Nach 30 Jahren: Neue Spur im Kulmbacher Tankstellenmord

Verwandte und Bekannte aus dem Umfeld des Mordopfers Herbert Dippold bekommen Besuch von der Bayreuther Kripo, die Speichelproben einsammelt. Im Fokus der Ermittler stehen nur Männer. Können Kommissar Zufall und moderne technische Methoden dazu beitragen, den Raubmord von 1984 aufzuklären?
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Kann die Polizei mit einem Massengentest den Kulmbacher Tankstellenmord vor 30 Jahren aufklären? Herbert Dippolds Mörder - hier ein Phantombild der Polizei von 1984 - ist bis heute nicht gefasst.  Montage: InFranken-Grafik
Kann die Polizei mit einem Massengentest den Kulmbacher Tankstellenmord vor 30 Jahren aufklären? Herbert Dippolds Mörder - hier ein Phantombild der Polizei von 1984 - ist bis heute nicht gefasst. Montage: InFranken-Grafik
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Weil Herbert Dippold am Abend des 10. November 1984 nicht nach Hause kommt und auch nicht ans Telefon geht, fährt seine Frau zur Esso-Tankstelle am Kreuzstein. Dort findet sie im Büro die blutüberströmte Leiche ihres Mannes. Der 42-Jährige ist mit einer Abschleppstange erschlagen und mit 16 Messerstichen umgebracht worden. Der beliebte Tankstellenpächter muss wegen 8000 Mark Tageseinnahmen und 800 Mark Wechselgeld sterben.

Mord verjährt nicht

Da Mord in Deutschland nicht verjährt, hat die Polizei die Akten nie geschlossen. Im Laufe der Jahre werden die Sachbearbeiter ausgetauscht, es gibt immer wieder Ermittlungsansätze und neue Spuren. Offenbar auch jetzt: Auf Anfrage bestätigt die Bayreuther Kripo, dass seit vergangener Woche Verwandte und Bekannte aus dem Umfeld des Mordopfers überprüft werden. Sie sollen einen Speicheltest abgeben, um einen DNA-Abgleich durchzuführen.

So bekommt auch ein naher Verwandter von Herbert Dippold Besuch von der Kriminalpolizei. "Die Polizei hat angerufen und gefragt, ob ich eine DNA-Probe abgebe. Sie sind zu mir nach Hause gekommen. Es hat fünf Minuten gedauert."

Im Fokus der Ermittlungen stehen neben den Verwandten auch Freunde und Bekannte, die sich zum Beispiel in der Tankstelle aufgehalten haben, die ein beliebter Treffpunkt gewesen ist. Unbestätigten Informationen zufolge sollen rund 100 Personen in den nächsten Tagen überprüft werden.

Dazu, um welche Spur es sich handelt und warum nur Männer für den Test in Frage kommen, macht die Kripo keine Angaben. Auch die Probanden erfahren nichts. "Die Polizei hat mir gegenüber erklärt, dass sie aus ermittlungstaktischen Gründen nichts weiter sagen dürfen", so der Verwandte.

Von der Kripo ist bisher nur zu erfahren, dass eine neue DNA-Spur aufgetaucht ist, der nachgegangen wird. Man habe aber keinen konkreten Tatverdacht.

Fast 500 Spuren

Nach der brutalen Bluttat hat es immer wieder Hinweise gegeben, eine heiße Spur aber nicht. So findet zunächst ein Landwirt bei Baumgarten die beiden verbrannten Aktenkoffer und den Schlüsselbund des Mordopfers. In der Asche liegt ein Einwegfeuerzeug der Marke "Lord Extra", auf das man vergebens große Hoffnungen setzt. Wenig später taucht auf dem Parkplatz an der B 85 beim "Gründla" das blutverschmierte Mordwerkzeug auf: die Abschleppstange aus Stahlrohr. Auch ein verdächtiges Auto, ein Ford mit Landshuter Kennzeichen, bringt die Polizei nicht entscheidend weiter. Insgesamt werden fast 500 Spuren untersucht.

Großer Nachteil für die Kripo: 1984 ist die Technologie noch nicht bekannt, aus winzigen Spuren unverwechselbare Muster menschlicher Erbsubstanz zu gewinnen. Der DNA-Test kommt erst in den neunziger Jahren von England nach Deutschland.

Vor 30 Jahren: Mordserie hält Kulmbach in Atem

Vor 30 Jahren hält eine Mordserie Kulmbach und das Umland in Atem. Von den vier Gewaltverbrechen sind zwei bis heute nicht aufgeklärt.

Neben dem Tankstellenmord ist auch der Mörder von Gudrun Schiller nie gefasst worden. Die 17-Jährige aus Freiburg im Breisgau, die in Bayreuth das Markgräfin-Wilhelmine Gymnasium besucht hat, wird am 17. März 1984 bei der Parkbucht zwischen den Autobahnausfahrten Marktschorgast und Bad Berneck tot aufgefunden. Das Mädchen ist dort von seinem Mörder die zwölf Meter hohe Böschung hinuntergestoßen worden. Der Tatort bleibt unbekannt. Das Opfer ist bestialisch zugerichtet worden: mit einem schweren Gegenstand erschlagen, gewürgt und durch einen Messerstich in den Hals verletzt.
Kontakt zu US-Soldaten

In Bayreuth soll die 17-Jährige häufig Kontakt zu US-Soldaten gesucht haben. Die Überprüfung ihres Freundeskreises bleibt aber ebenso erfolglos wie die Ermittlungen der Kripo unter Fernfahrern und Zugreisenden.
Aufgeklärt sind dagegen zwei weitere Bluttaten, denen ebenfalls junge Frauen zum Opfer gefallen sind. Nur 19 Jahre alt geworden ist die Kulmbacherin Petra Nixdorf, die man in der Nähe von Gumpersdorf erstochen findet. Zwölf Messerstiche haben ihrem jungen Leben ein Ende gesetzt. Die Polizei kommt dem Mörder auf die Spur, der sich drei Tage später erhängt. In einem Abschiedsbrief bezichtigt er sich vor seinem Selbstmord der Tat. Offenbar haben ihn Gewissensbisse geplagt.

Juristisch aufgearbeitet ist ebenfalls der Mord an Manuela Braun in Thurnau. Die 22-jährige wird am 20. Februar von der sieben Jahre alten Tochter ihres Lebensgefährten blutüberströmt im Hausflur gefunden.

Verurteilter bestreitet die Tat

Nachdem zunächst vom Täter jede Spur fehlt, gerät nach geraumer Zeit der Lebensgefährte ins Fadenkreuz der Ermittler. Er wird als Manuela Brauns Mörder verurteilt, hat aber vor Gericht die Tat bestritten und bestreitet sie - auch nach Verbüßung seiner Haftstrafe - bis heute.


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