Schwarzach bei Kulmbach
Strahlung

Wie gefährlich ist Mobilfunk-Strahlung? Experte warnt vor 5G

Wie gefährlich ist die Strahlung von Handys und Sendemasten? Nach den Worten von Ingenieur Jörn Gutbier besteht Grund zu großer Besorgnis.
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Jeder nutzt ein Handy. Doch wie gefährlich ist Mobilfunkstrahlung? Symbolbild: Christin Klose/dpa-tmn
Jeder nutzt ein Handy. Doch wie gefährlich ist Mobilfunkstrahlung? Symbolbild: Christin Klose/dpa-tmn
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Wie gefährlich ist Mobilfunkstrahlung? Welche Auswirkungen gibt es auf die Gesundheit? Der Streit um Gesundheitsgefahren durch Handystrahlung schwelt seit Langem. Und mit der steigenden Zahl auch junger Menschen, die ihr Smartphone dauernutzen, wächst die Gruppe der potenziell Betroffenen.

Betroffen sind auch die Anwohner, wenn in ihrer Nähe ein neuer Mobilfunkmast gebaut wird. So wie in Schwarzach, wo die Telekom einen solchen Mast errichten will. Im Vorfeld veranstaltete die Initiative "Diagnose Funk" aus Stuttgart einen Info-Abend. Knapp 100 Besucher kamen in den Saal des "Fränkischen Hofs." Ingenieur Jörn Gutbier gab in der fast vierstündigen Veranstaltung den Besuchern einige beunruhigende Informationen mit auf den Weg:

Ist Mobilfunkstrahlung wirklich so gefährlich?

Jörn Gutbier: Ja. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Mobilfunkstrahlung schon länger als "möglicherweise krebserregend" eingestuft. Die Ergebnisse neuster Studien sind eindeutig: Mobilfunkstrahlung erzeugt Krebs. Und das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz stellt fest: Die Strahlung lässt Krebs schneller wachsen. Bereits 2015 haben über 220 Wissenschaftler aus mehr als 40 Ländern vor Gesundheitsschäden gewarnt. Wir von der Initiative "Diagnose: Funk" legen bei unseren Veröffentlichungen größten Wert darauf, dass unsere Aussagen zu 100 Prozent richtig sind und streng wissenschaftlich gearbeitet wird. Alles andere können wir uns gar nicht leisten und wären angreifbar.

Wie kann man sich vor Mobilfunkstrahlen schützen?

Mobile Geräte wie Handys nicht am Körper tragen und beim Telefonieren am besten Abstand halten und über einen Lautsprecher reden oder ein Headset beziehungsweise eine Freisprecheinrichtung nutzen. Wlan-Router und Handy nachts abschalten, kabelgebundene Festnetztelefone verwenden. Die mobilen Daten auf dem Handy abschalten, weil die Apps im Hintergrund Strahlung im Minutentakt verursachen, egal, ob man das Gerät nutzt oder nicht.

Kommunen können dafür sorgen, dass Sendeanlagen dort aufgestellt werden, wo mit einer möglichst geringen Strahlung ein relativ guter Versorgungsgrad erreicht wird. Die Strahlenbelastung könnte weiter reduziert werden, würde nicht jeder Mobilfunkanbieter ein eigenes Netz unterhalten. Hier werden bis zu zwölf Mobilfunknetze parallel betrieben. Ähnlich wie beim Strom könnte nur ein Netz von verschiedenen Anbietern genutzt werden. Dann hätten wir nur ein Drittel der jetzigen Grundlast.

 

Warum ist das Thema Mobilfunkstrahlung so heikel?

Weil wir etwas kritisieren, das alle nutzen und das das Suchtmittel schlechthin ist. Wir sind als Gesellschaft digital betrunken. Und wie wollen Sie mit einem Betrunkenen über sein Alkoholproblem vernünftig sprechen?

Was ist vom neuen Mobilfunkstandard 5G zu halten?

as ist ein Begriff, den sich die Industrie ausgedacht hat, um wieder mehr neue Geräte verkaufen zu können. Dazu kommt mit der Automobilindustrie und dem autonomen Fahren ein neuer Player, der einen enormen Datenverkehr benötigt. Die Politik macht mit, um den Wohlstand zu erhalten. Das 5G-Konzept sieht die komplette Zwangsverstrahlung aller Lebensbereiche vor. Es gibt die Vorgabe, 98 Prozent der Haushalt mit mindestens 100 MBit/s abzudecken. 5G bedeutet eine Verdoppelung bis Verzehnfachung der Sendemasten. Und wir sollen das akzeptieren. Ohne eine Bewertung der Forschungsergebnisse über die Wirkungen der 5G-Frequenzen auf Mensch, Tier und Natur darf dieser Mobilfunkstandard nicht eingeführt werden. Mehr zum Thema: Was ist 5G und was bringt das?

Wie verhält sich die Industrie zu den Vorwürfen?

Es wurde bereits in den 90er Jahren eine PR-Agentur beauftragt, die folgendes Vorgehen vorgeschlagen hat: die Wissenschaftlichkeit von Studien, die besorgniserregende Ergebnisse liefern, anzweifeln und notfalls kritische Wissenschaftler diskreditieren. Eigene Forschung finanzieren und kontrollieren. Weltweit einheitliche Pressemitteilungen herausgeben. Die Schulung ausgesuchter Wissenschaftler für kritische Presseanfragen. Generell jedes Gesundheitsrisiko abstreiten. Das alles hat nur ein Ziel: Zweifel säen und die Politik handlungsunfähig machen.

Welche Möglichkeiten hat eine Kommune wie der Markt Mainleus, wenn es um die Aufstellung von Mobilfunkmasten wie in Schwarzach geht?

Sie kann auf den so genannten Minimierungsaspekt pochen. Dazu braucht es lediglich einen Gemeinderatsbeschluss. Dann kommt der Mast an den Standort, auf dem die Versorgung bei geringster Belastung möglich ist. Da muss der Betreiber mitspielen. Die gerne vorgebrachte Drohung, auf ein privates Gelände auszuweichen, ist Nonsens und rechtlich nicht haltbar. Das gilt auch für bereits abgeschlossene private Mietverträge. Die Kommune kann über das Baurecht grundsätzlich solche Standorte untersagen, wenn sie eine immissionsreduzierte Standortalternative anbieten kann.

Brauchen wir diese hohen Datenübertragungsraten überhaupt?

80 Prozent der Netzlast ist Videostreaming, sprich das Schauen der berühmten Katzenvideos. Das Problem ist zudem, dass das Handy eigentlich für die Nutzung im Außenbereich erfunden wurde, damit man unterwegs telefonieren kann. Das hat sich inzwischen geändert. 80 Prozent der Abfragen kommen aus Innenbereichen, dort, wo Festnetztelefon und Router stehen und man eigentlich keinen Mobilfunk von außen bräuchte.

 

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