Kulmbach
Mittelaltermarkt

Mittelaltermarkt in Kulmbach: Zeitreise, Show und altes Handwerk

Eine Zeitreise ermöglichte der Mittelaltermarkt in Kulmbach. Geboten wurden Show-Elemente und Vorführungen alter Handwerkskunst.
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Christine Menz nähte einen Faltenrock per Hand. Foto: Sonny Adam
Christine Menz nähte einen Faltenrock per Hand. Foto: Sonny Adam
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Mystische Musik klang aus Lautsprechern auf dem Marktplatz. Und die Feuergruppe der Formation "Malleus Medicinae" präsentierte eine tolle Show. Die unerschrockenen Feuerkünstler streichelten sich mit brennenden Fackeln über die nackte Haut, sie ließen Funken regnen. Die halbstündige Feuershow war eine Mischung aus faszinierendem Tanz und beeindruckenden Kunststücken: Feuerschlucken, Feuerzauber, Seilspringen über ein brennendes Seil und tolle Tanzchoreographien kamen beim Publikum bestens an.

Doch nicht nur nachts faszinierte die Gruppe. Tagsüber präsentierte die Formation eine Fakirshow und eine Medizinshow. "Ich bin die Magistra physicae", erzählt Clarissa Petzold. Nicht nur bei Mittelaltermärkten schlüpft Clarissa Petzold in diese Rolle, auch im echten Leben studiert sie Medizin. "Ich bin fast fertig. Beim Mittelaltermarkt wollen wir einmal zeigen, wie ein Aderlass funktioniert, wie die Feldchirurgen gearbeitet haben", so Petzold. In den Altstadtgassen wurden "ein Bein amputiert", eine ziemlich blutige Angelegenheit. "Wir zeigen auch eine Zahnextraktion und Kariesbehandlung. Es stimmt nämlich nicht, dass es im Mittelalter keine Medizin gab", erklärte Petzold. Doch nach der Show waren sich alle Zuschauer einig: Die moderne Wissenschaft hat doch viele Vorteile, egal, wie sehr man das Mittelalter auch liebt.

Beim Mittelaltermarkt gab es einen Pestumzug, mit den entsprechenden Pestmasken und eine Fakirshow.

Inana, die Reine, legte sich auf ein Nagelbett. Und Fakir Jojakim stellte auch noch ein Kind auf die Nagelkünstlerin. "Das ist reine Konzentrationssache. Man muss sich nur trauen"; erklärte Inana. Verletzt hat sie sich bislang noch nie. Jajakim indes spielte mit Nägeln, steckte sie sich in die Nase und balancierte auf Scherben.

Insgesamt gaben sich alle Lagergruppen viel Mühe, um die alten Zeiten in den Kulmbacher Altstadtgassen wiederaufleben zu lasen.

Rund dreißig Stände und Attraktionen sorgten auf dem Mittelaltermarkt mitten in der Stadt für erlebbare Geschichte. Die Palette reichte von der Kasendorfer "Seifenfrau" Regine Bär über den Sarwürker Holger Bär, der Kettenhemden herstellte bis hin zu Kräutersalz-Herstellern oder anderen Handwerkern. Markus, der Mönch, bot Met-Kreationen an.

Dominik Petzold mimte den "Lord of Cork & Brideswell" und zeigte, wie früher Werkzeug in einer Schmiede hergestellt wurde. Dazu verwendete er einen mehr als 300 Jahre alten Riesen-Blasebalg, um das Feuer immer wieder zu entfachen. "Ich bin durch Zufall zum Mittelalter gekommen. 2005 steckte mich jemand in ein Kettenhemd. Ich war dann so fasziniert, dass ich 2005 einen eigenen Verein gegründet habe", erzählt der Lord.

Einblicke ins Lagerleben gewährten auch die heimische Gruppe "Burg Augenglas" und die "Fahrend Leut". Die "Fahrend Leut" backten Fladen,solange der Teig reichte, zeigten Axt- und Speerwurf und hatten sich tolle Aktionen für Kinder ausgedacht. Grex Confusus initiierte ein Abend-Konzert und unterhielt die Mittelalterfans immer wieder.

Fasziniert waren die jungen Besucher auch von Ralf zur Megede, dem Propellermann. Denn er zeigte im Oberhaken Kunststücke mit seinen hölzernen Propellern. "Diese Spielzeuge sind 2500 Jahre alt", erklärte er.

Kräuterfrau Birkaia alias Birgit Bauer und Andra Neumann, eine Renaissance-Darstellerin, bummelten einfach zum Spaß durch die Altstadt. In mittelalterlichen Kostümen. "Die Gassen und das Ambiente sind gut", konstatierte Andrea Neumann. "Aber ich wünsche mir bessere Stände, weniger Kommerz und mehr Stände, die auch für Gewandete interessant sind. Und mehr Gewandete", sagte Birkaia. Beide schwärmten von den Märkten in Wunsiedel und freuen sich schon auf das Mittealalterspektakel "Crana Historica" in Kronach. Denn für die Darsteller und Mittelalterbegeisterten zählt eben auch Authentizität.
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