Himmelkron
Anklage

Mitarbeiterin soll Behinderte misshandelt haben

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen eine Mitarbeiterin der Himmelkroner Heime erhoben, die Behinderte misshandelt haben soll.
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Eine Mitarbeiterin der Himmelkroner Heime ist wegen Misshandlung von geistig behinderten Bewohnern angeklagt. Foto: Archiv/Alexander Hartmann
Eine Mitarbeiterin der Himmelkroner Heime ist wegen Misshandlung von geistig behinderten Bewohnern angeklagt. Foto: Archiv/Alexander Hartmann

Die Vorwürfe wiegen schwer: Die Staatsanwaltschaft Bayreuth hat wegen Misshandlung von geistig behinderten Menschen Anklage gegen eine Pflegekraft der Himmelkroner Heime erhoben, wirft ihr vorsätzliche Körperverletzung, gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit Freiheitsberaubung sowie Beleidigung vor. Wie Leitender Oberstaatsanwalt Herbert Potzel gestern mitteilte, liegen die Akten beim Amtsgericht Kulmbach. Wann das Hauptverfahren eröffnet wird, stehe noch nicht fest.

In vergittertes Bett gesperrt

Die Gruppenleiterin soll im Herbst vergangenen Jahres zwei geistig Behinderte geschlagen haben - einmal auf den Mund, einmal auf die Hand -, einen Heimbewohner ohne richterliche Genehmigung in ein vergittertes, abschließbares Bett gesperrt und ihn mit Gewalt gezwungen haben, ein Medikament zu sich zu nehmen. Zudem soll die Frau einen Behinderten als "doof" bezeichnet und als "Arschloch" tituliert haben.

Mütter haben Anzeige erstattet

Die Vorfälle waren Anfang des Jahres publik geworden, nachdem die beiden Mütter Strafanzeige wegen Misshandlung Schutzbefohlener und Beleidigung gestellt hatten. Brigitte Döbereiner aus Hof, deren Sohn Martin auch jetzt noch in den Himmelkroner Heimen untergebracht ist, hatte erklärt, nicht fassen zu können, wie eine gelernte Fachkraft mit einem Schutzbefohlenen umgehe.

Die Hoferin Britta Preißinger hatte der Agentur "News 5" mitgeteilt, dass sie im November in einem Anruf aus dem Heim über die Misshandlung ihrer Tochter informiert worden sei. "Da wurde mir mitgeteilt, dass es einen Vorfall gab: Die Sandra wurde geschlagen, sie lag am Boden. Man sagte ihr, sie dürfe nicht mehr nach Hause, wenn sie nicht aufsteht. Als sie aufgestanden ist, hat meine Tochter eine Praktikantin leicht geschlagen - und daraufhin hat eine Mitarbeiterin ihr mit dem Zahnputzbecher auf die Hände geschlagen", berichtete sie.

Der Abschlussbericht

Die Gruppenleiterin hatte zunächst angeblich alle Vorfälle bestritten. Dass diese überhaupt publik wurden, hat auch mit dem Abschlussbericht einer Praktikantin zu tun. Die Tochter einer angestellten Pflegefachkraft hatte demnach vermerkt, dass eine Bewohnerin - besagte Sandra - geschlagen worden sei.

Dass mehrere Kolleginnen verschiedene Vorfälle gemeldet haben, hatte der Pressesprecher der Diakonie Neuendettelsau, Thomas Schaller, betont. Schaller nannte es unglücklich und unangemessen, dass eine Angestellte der Einrichtung versucht haben soll, die belastende Passage aus dem Bericht der Praktikantin mit Tipp-Ex zu tilgen.

Das sagt die Diakonie

Da es ein laufendendes Verfahren ist, wollte sich Brigitte Döbereiner gestern nicht zur Anklage äußern. Britta Preißinger war nicht zu erreichen.

Die Nachricht, dass das Ermittlungsverfahren abgeschlossen ist, war für die Diakonie neu. Laut Thomas Schaller hat sich dadurch am Sachverhalt auch nichts geändert. "Ermittlungen sind das eine, die richterliche Entscheidung ist das andere", so der Pressesesprecher, der darauf verwies, dass man nun den Ausgang der Gerichtsverhandlung abwarten müsse, bei der es neben einer Verurteilung ja auch einen Freispruch geben könne. Das Urteil werde auch mit darüber entscheiden, ob die betroffene Mitarbeiterin mit Konsequenzen rechnen muss.

Die Gruppenleiterin war nach den Vorfällen in die Verwaltung versetzt worden - und sie wird laut Schaller bis zum richterlichen Urteil dort auch bleiben.

Ermittlungen gegen weitere Mitarbeiterinnen

Neben der Hauptbeschuldigten stehen zwei weitere Mitarbeiterinnen im Fokus der Ermittler. Wie Leitender Oberstaatsanwalt Herbert Potzel mitteilte, sind die Verfahren noch am Laufen. Die Vorwürfe gegen diese Frauen seien allerdings "geringfügiger".

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