Lanzendorf
Schule

Mit der Einsernote in den Stall

Louisa Riedl ist die beste Absolventin der Carl-von-Linde-Realschule. Obwohl ihr viele Wege offenstehen, will sie den Hof ihrer Eltern übernehmen.
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Sie hat sich für den Beruf der Landwirtin entschieden: Louisa Riedl.Werner  Reißaus
Sie hat sich für den Beruf der Landwirtin entschieden: Louisa Riedl.Werner Reißaus
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Nicht alle verstanden die Entscheidung von Louisa Riedl, die beim Abschluss an der Carl-von-Linde-Realschule zusammen mit Nico Dörfler mit einem Notendurchschnitt von 1,09 das beste Zeugnis in den Händen hielt. Die erst 16-jährige Lanzendorferin entschied sich zur Freude ihrer Eltern, den Beruf der Landwirtin zu erlernen, um später einmal das Werk ihrer Großeltern und Eltern fortzusetzen.

Louisa weiß, was auf sie zukommt, aber auch, welch schöne Seiten dieser Beruf oder besser gesagt die Selbständigkeit hat, denn sie ist von klein auf in den landwirtschaftlichen Betrieb reingewachsen. Das beste Zeugnis stellte ihr aber ihre Mutter Andrea Riedl aus: "Sie hat noch keinen Fehlerpunkt in ihrem Leben gemacht! Sie war immer ein Kind, das warum und wieso gefragt hat."

Ihre Schulzeit begann Louisa Riedl an der Grundschule Himmelkron-Lanzendorf nicht etwa als Ausnahmeschülerin, sondern als ganz normale Grundschülerin. Ihre Leistungen steigerten sich, so dass sie sich mit ihren Eltern entschloss, nach der 4. Klasse an die Carl-Von -Linde Realschule nach Kulmbach zu wechseln. Hier erfolgte dann auch der "Durchbruch" und ab der 5. Klasse hatte Louisa immer einen Einserschnitt im Zeugnis.

Ans Gymnasium?

Louisa Riedl: "Ab der 5. Klasse hatten mit die Lehrer auch nahegelegt, an das Gymnasium zu wechseln, aber für mich war da entscheidend, dass ich eine längere Schulzeit hätte durchlaufen müssen und das wollte ich damals einfach nicht. Ich wäre immer später von der Schule heimgekommen und ich hätte mich viel mehr hinsetzen müssen zum Lernen. Wenn ich jetzt überlege, dass ich noch zwei Jahre in der Schule wäre, bin ich auch froh drum."

Und ihre Entscheidung war auch im Sinne ihrer Eltern, Markus und Andrea Riedl, denn schon während ihrer Realschulzeit war Louisa nicht selten eine willkommene Mithilfe in der Landwirtschaft. Die sechs Jahre in der Realschule meisterte sie ohne Probleme und die Eins vor dem Komma war bis zum Abschluss schon Standard. Dass sie am Ende einen Notendurchschnitt von 1,09 im Zeugnis hatte, kam dann auch nicht von ungefähr: "Ich bin sehr froh über dieses Ergebnis, aber überrascht war ich nicht, denn ich wusste ja meine Noten von der Vorzensur."

Direkt angepeilt hat Louisa diesen Schnitt allerdings nicht: "Ich wollte auf alle Fälle gute Noten haben und meine Eltern haben mich einfach immer unterstützt und gut entwickeln lassen." Vater Markus Riedl wirft ein: "Einen Stress hat es da von uns nicht gegeben."

Ohne Druck geht's besser

Und genau darin sieht Louisa Riedl auch ein klein wenig das Geheimnis ihres Erfolges: "Ich denke, es ist ein großer Unterschied, ob man unter Druck gesetzt wird, oder wie ich die Schule von sich aus macht. Ich muss dazu sagen, dass ich so viel auch nicht gelernt habe, sondern immer im Unterricht aufgepasst und auch mitgearbeitet habe. Da muss man einfach nicht so viel lernen, wie Jemand, der schwätzt."

Die Entscheidung, jetzt nach dem Realschulabschluss den Beruf Landwirtin zu ergreifen, fiel Louisa nicht schwer: "Ich hatte schon überlegt, ob ich vorher noch etwas anderes lerne, wie zum Beispiel den praktischen Beruf des Schreiners oder Elektronikers, aber dadurch, dass ich auf dem Hof aufgewachsen bin und weiß, wie die Arbeit ist, stand das schon sehr bald fest."

Hilfe ist willkommen

Ihre Eltern haben sie dabei nicht beeinflusst, aber Markus Riedl verrät: "Unser Wunsch war es auf jeden Fall und wir sind froh und dankbar, dass sie die Entscheidung getroffen hat, denn Mithilfe können wir auf unserem Betrieb, der von der Größe durchschnittlich ist, immer gebrauchen. Ich weiß, für was ich arbeite und wenn unsere Tochter jetzt weiter macht, dann weiß ich, ich kann den Betrieb eines Tages übergeben, er bleibt in der Familie."

Markus und Andrea Riedl haben ihren Betrieb mit Rinderzucht erst vor zehn Jahren wesentlich erweitert, so dass dieser auch Zukunft hat und eine Basis für Tochter Louisa ist, auch wenn der Vater mit Blick auf die derzeitige Trockenperiode hinzufügt: "Momentan macht die Landwirtschaft keinen Spaß!"

In der 9. Klasse entschied sich Louisa Riedl bereits für den Beruf der Landwirtin und absolvierte auch ein Praktikum in einem landwirtschaftlichen Betrieb. Natürlich steht ihr der Weg zur Agrar-Ingenieurin offen, aber dazu ist der Abschluss an der Fachoberschule notwendig. Louisa hat auch das abgewogen: "Im Endeffekt, was bringt mir das, wenn ich ein studierter Bauer bin?"

Zeit für Hobbys

Zur Frage, wir ihre Mitschüler in der Klasse auf ihre Berufswahl reagierten, stellte Louisa fest: "Es gab unterschiedliche Reaktionen. Die, die wie ich vom Land kommen, fanden die Entscheidung super. Andere wieder ließen mich wissen, dass ich meine Noten einfach wegschmeiße, so nach der Meinung, dass ein Bauer halt dumm wäre. Mein Klasslehrer war zwar nicht gerade begeistert über meine Entscheidung, aber er hatte nichts dagegen."

Louisa wird jetzt im September erst für ein Jahr in Bayreuth ein Berufsgrundschuljahr absolvieren und danach für zwei Jahre in fremden Betrieben die Ausbildung zur Landwirtin beginnen und auch abschließen. Ihren Hobbys will Louisa aber weiterhin nachgehen: "Ich spiele noch Fußball in der Damenmannschaft des TSV Himmelkron und bin Mitglied bei der Landjugend in Bad Berneck-Bindlach."

Wenn sie Schülern einen Rat geben kann, dann würde Louisa mit einfachen Worten sagen: "Am besten ist es, in der Schule aufpassen und einfach sein Zeug machen, was man machen soll. Zu viel Stress ist nicht gut, aber sich gar nicht hinhocken und nichts machen, bringt nicht viel." Jetzt hat sie nur einen Wunsch: "Meine Lehre gut zu machen und irgendwann den Betrieb übernehmen kann."

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