Kulmbach

Michael Hilbert will den Verkehr in Kulmbach revolutionieren

Michael Hilbert bietet mit "easy drive" ab 2019 in Kulmbach ein Car-Sharing-Modell. Er will Leute, die kein Auto besitzen, mit E-Autos mobil machen. Der 51-Jährige setzt auch auf einen Shuttle-Service. Und betritt damit Neuland, sagt der Bundesverband.
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Michael Hilbert will mit "easy drive" den Verkehr in Kulmbach revolutionieren. Foto: Alexander Hartmann
Michael Hilbert will mit "easy drive" den Verkehr in Kulmbach revolutionieren. Foto: Alexander Hartmann

Das Car-Sharing boomt. Laut Bundesverband bcs sind mittlerweile mehr als zwei Millionen Kunden in 677 Städten und Gemeinden bei rund 165 Anbietern angemeldet und fahren nach der Devise: Nutzen statt ein eigenes Auto besitzen.

Mobilität als Geschäftsmodell

In wenigen Wochen wird es auch in Kulmbach einen Anbieter geben: Michael Hilbert, der in der Grabenstraße ein Reisebüro und eine Werbeagentur betreibt, will den Verkehr in der Stadt revolutionieren. Er setzt jetzt auch auf die Mobilität als Geschäftsmodell - und auf Elektro-Fahrzeuge. Bei seiner Firma "easy drive", die im kommenden Jahr an den Start geht, kann der Kunde nicht nur Autos stundenweise mieten. Wer eine Mitgliedschaft erwirbt, kann auch einen besonderen Beförderungsservice buchen.

"Bewusstsein im Wandel"

"Ich will in einer Zeit, in der das Bewusstsein für die Mobilität im Wandel ist, ein neues, ökologisches Angebot unterbreiten", sagt der 51-Jährige. Wer kein eigenes Auto besitzt, sei mit "easy drive" mobil, könne mit dem Elektroauto zum Einkaufsbummel nach Bayreuth oder zum Familienausflug ins Fichtelgebirge fahren. "Man spart Geld, braucht kein eigenes Auto, keine Versicherung und keinen Sprit. Zudem wird ein Beitrag zum Umweltschutz geleistet, die Verkehrsbelastung reduziert."

Anfang 2019 will er mit drei Renault Zoe starten, die jeder für vier Euro pro Stunde mieten kann. Doch nicht nur Autos wie den Zoe oder den Renault Twizy, auch E-Roller und E-Bikes hat die Firma im Angebot. Je nach Nachfrage will Hilbert den Fuhrpark vergrößern, ist der Zuspruch groß, eine eigene Infrastruktur mit Ladestationen aufbauen. Anfangs sei der EKU-Platz quasi Car-Sharing-Zentrale. An der dortigen Ladestation sowie an weiteren öffentlichen Stationen im Stadtgebiet sollen die E-Mobile Strom tanken.

Die "Mobilitätsgarantie"

Wer auf eine kontinuierliche Mobilität setzt, der kann über einen Jahresvertrag Mitglied werden und unter unterschiedlichen Tarifen wählen. Bei "easy light" kann man Hilbert zufolge dann für 59 Euro im Monat eine Stunde am Tag ein E-Mobil nutzen. Über die Homepage sei einzusehen, ob der Wagen frei ist und wo er steht. Beim teureren "Flat-Tarif" will Michael Hilbert eine zusätzliche "Mobilitätsgarantie" bieten. Der Einzelkunde sei da unbegrenzt mobil. "Er kann nicht nur den Zoe für eine Stunde am Tag nutzen, er hat auch Anspruch darauf, abgeholt und wieder nach Hause gebracht zu werden." Bei einem Monatsbeitrag von 149 Euro könne man sich zudem von einem Chauffeur etwa auch auf die Arbeit, zum Arzt oder in die Kneipe fahren lassen.

Der Familientarif

Wer noch mehr Geld investiere, könne den Familientarif buchen. Dann ist Hilbert zufolge auch ein Hol- und Bringdienst im Angebotspaket, der die Fahrt der Kinder zum Fußballtraining oder auch zum Klavierunterricht beinhaltet. Firmen bietet Hilbert einen Business-Tarif. Er denkt da an Hotels oder Unternehmen, die für eine vertraglich vereinbarte Summe Kunden von "easy drive" chauffieren lassen.

Logistisch zu stemmen?

Ob das Geschäftsmodell logistisch zu stemmen ist? Michael Hilbert hat da keine Zweifel. "Easy drive" soll kontinuierlich wachsen. Der 51-Jährige rechnet damit, dass Ende 2019 zehn Zoe im Fuhrpark stehen und er die Nachfrage mit drei fest angestellten Fahrern bedienen kann.

Stadt und Landkreis unterstützen sein Geschäftsmodell ideell. "Ein Car-Sharing mit Elektroautos ist begrüßenswert", betont Umweltexpertin Ingrid Flieger vom Landratsamt. Hilberts Projekt sei richtungsweisend, könne man so doch womöglich den Individualverkehr minimieren. "Wie es funktioniert, wird man aber erst in der Praxis sehen."

Bundesverband: Kein einfacher Weg

Dass Hilbert quasi deutschlandweit Neuland betritt, sagt Willi Loose vom Bundesverband "CarSharing". Er kenne keinen Anbieter, der das Car-Sharing mit einem Beförderungsdienst kombiniere. "Wie das funktioniert, wird man sehen." Generell, so Loose, sei ein Neustart in einer Kleinstadt wie Kulmbach nicht einfach, weil es noch keine begeisterten Nutzer gebe, die das Angebot weiterempfehlen. "Und das ist für Car-Sharing die günstigste und beste Werbung."

Wirtschaftlich erfolgreiche Anbieter setzen laut Loose zudem auf einen Angebots-Mix aus E-Mobilen sowie Benzin- und Diesel-Fahrzeugen. "Denn es gibt auch viele Kunden, die mit dem Car-Sharing-Auto in den Urlaub fahren wollen. Mit Elektro-Fahrzeugen ist das mangels Reichweite ja heutzutage leider oft noch kaum möglich."

Hierzu auch ein Kommentar von Alexander Hartmann

Von Vernunft und Emotionen

Auf den eigenen Wagen verzichten - im Autoland Deutschland ist das für viele nach wie vor unvorstellbar. Dennoch: Car-Sharing-Modelle boomen. Vor allem in Großstädten, in denen das Autoteilen im Trend liegt. Dabei wird das Sharing nur bedingt als Möglichkeit gesehen, die Umwelt- und Verkehrsbelastung zu reduzieren. Weil es zur "Bequemlichkeitsmobilität" führen kann, wenn Leute lieber ins Sharing-Modell statt in öffentliche Verkehrsmittel einsteigen. Und so witterte sogar die Umwelthilfe schon mal den Verrat an Bus und Bahn. Kritisch gesehen wird nicht das stationsbasierte Modell, bei dem der Wagen an einem festen Ort abgeholt und dorthin zurückgebracht werden muss, sondern das Free-Floating-System, das es in einigen Großstädten gibt. Da kann der Fahrer den Wagen irgendwo im Geschäftsgebiet abstellen. Nachfolge-Kunden orten die Autos über die App des Anbieters. So sind Ein-Richtungs-Fahrten möglich, die es beim stationsbasierten Sharing nicht gibt.

Eine Alternative?

Kulmbach ist keine Großstadt. Wer auf Bus und Bahn setzt, ist im ländlichen Raum bei weitem nicht so flexibel wie in Ballungszentren. Und so könnte das neue Sharing-Angebot für manchen eine Alterative sein und den einen oder anderen im Stadtgebiet sogar dazu ermuntern, auf ein eigenes, mitunter kostspieliges Autos zu verzichten. Einen Wagen teilen statt Anschaffungs-, Fix- und Betriebskosten zahlen - ein Modell, das nicht nur dem Umweltschutz dienen, sondern sich gerade für all die finanziell lohnen könnte, die selten auf vier Räder angewiesen sind. Dabei fällt der Umstiegsgedanke sicherlich all denen leichter, deren Verhältnis zum Auto mehr rational denn emotional geprägt ist.

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