Kulmbach
Kultur

Michael Altinger in Kulmbach: Im Schweinsgalopp zur Lichtgestalt

Scharfzüngig und pointenreich - so präsentierte der Kabarettist Michael Altinger sein Programm "Hell" in Kulmbach.
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Michael Altinger gastierte bei "Kultur unterm Dach".Foto: Uschi Prawitz
Michael Altinger gastierte bei "Kultur unterm Dach".Foto: Uschi Prawitz
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"Hell" heißt das Programm, mit dem Michael Altinger am Samstagabend das Kulmbacher Publikum begeisterte. Dabei steht der Programmtitel nicht etwa für den englischen Begriff für die Hölle, obgleich der Kabarettist sich durchaus in die menschlichen Abgründe bewegte und Scheinheiligkeiten und vorherrschende Doppelmoral ans Tageslicht zerrte. Vielmehr will er mit seinem Programm den Drang des Menschen zum Licht darstellen, den Zwang, etwas anderes, etwas Besseres sein zu wollen oder zu müssen.

"Wir wollen Lichtgestalten sein, wir sind getrieben von der Angst, unsere Kinder werden nichts ohne Abitur, oder auch mit", sagte er. Der Arschloch-Grad eines Lehrers verhalte sich schließlich direkt proportional zu den Noten seines Sohnes. Wir würden neuen Trends hinterher jagen stets danach trachtend, uns von der Masse abzuheben - um dann doch wieder in ihr zu verschwinden. "Wir müssen weiter wachsen, bevor die anderen größer sind", sang er daher auch in einem Lied, begleitet wurde er von seiner Ein-Mann-Band Martin Julius Faber.

Natürlich seien wir ohnehin alle ferngesteuert, eine Gruppe von 16 Personen lenke alle Geschicke auf dieser Welt. Darunter die Automobilindustrie, Alexander Dobrinth und der imaginäre Helmut Lux, der Erfinder aller sinnlosen Bedürfnisse. Dazu gehörten sogenannte Gabionen, das heißt Flusskiesel, die in Eisengitter gezwängt als Gartenzäune dienen, grüne Smoothies oder Stand-Up-Paddling. "Warum paddelst du Stand? - Da trainierst du einfach alles!" Altingers Witz ist schnell, die Informationen dicht, an einem roten Faden hangelt er sich durch das Programm, bricht immer wieder nach links und rechts aus - das erfordert aufmerksame Zuschauer, um seine vielen kleinen Seitenhiebe und Anspielungen nicht zu verpassen.

"Ist es Ihnen auch schon aufgefallen? Unsere Kinder sind nicht negativer als wir, aber konservativer", sagte er, und Ed Sheeran sei sowas wie Jesus - nur mit Gitarre. "Die Pädagogik kippt, unsere Kinder nehmen uns gerne mit zu ‚Rock im Park' und sind stolz auf Mami und Papi", stellte er fest, "wir werden vorgeführt wie dressierte Dackel." Ob Weber-Grill, Gutachter oder Gleichberechtigung - "oft arbeiten die Frauen nämlich selbst gegen die Gleichberechtigung", was Altinger sogleich mit dem Song ‚Aperol-Spritz-Tussi' belegte - kein Lebensbereich blieb unterm Dach des Kulmbacher Mönchshofs unberührt, kein Zuschauer ging trockenen Auges nach Hause.

Dabei ist es für einen Kabarettisten wie Michael Altinger heutzutage gar nicht mehr so leicht, eine satirische Überhöhung zu finden. "Man muss im Kabarett schneller sein als in der Politik, in der die Wahrheit immer mehr zur Option verkommt." Massiv stört Altinger aktuell an der Gesellschaft, dass so viele Leute gescheit reden, ohne eine Ahnung zu haben. "Zum Beispiel bei Abstimmungen wie zum Volksbegehren zur Artenvielfalt, da stimmen viele dafür oder dagegen, weil sie einer Laune folgen, nicht weil sie sich damit auseinandergesetzt haben."

In der Gesellschaft würde eine Sehnsucht nach der Einfachheit in allem liegen, dabei müsse man sich auch Zeit nehmen, sich auf etwas einlassen. Ganz nach dem Motto: "Gib mir ganz schnell einen Lebensplan an die Hand, ich hab ned so viel Zeit."Auch sich selbst hinterfragt Michael Altinger ständig, "das muss man als Kabarettist auch, um authentisch zu bleiben." Den Rest erledigt er mit solidem Handwerkszeug, das sich der studierte Sozialpädagoge durch Schauspiel- und Sprechunterricht angeeignet hat.

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