Melkendorf
Entdecker-Tour (138)

Melkendorf lädt zu "Machtpause" unter der Luther-Eiche ein

Eine achteckige Sitzbank im Kulmbacher Stadtteil Melkendorf erinnert an das Jubiläum "1000 Jahre Bistum Bamberg".
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Die Form der achteckigen Sitzbank unweit der Melkendorfer St.-Aegidius-Kirche erinnert an die Ornamentik des Sternenmantels Kaiser Heinrichs II.  Foto: Erich Olbrich
Die Form der achteckigen Sitzbank unweit der Melkendorfer St.-Aegidius-Kirche erinnert an die Ornamentik des Sternenmantels Kaiser Heinrichs II. Foto: Erich Olbrich
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Der Ortsname Melkendorf taucht erstmals im Zusammenhang mit der Gründung des Bistums Bamberg im Jahr 1007 auf. Daher war es durchaus naheliegend, dass das Bamberger Künstlerhaus "Villa Concordia" 2007 das Kunstwerk "Machtpause" im Kulmbacher Stadtteil aufgestellt hat.

"Wer sitzt, ruht - und kämpft nicht."

Der Künstler Rolf Wicker entwickelte für diesen Standort ein völlig neues Konzept: Nahe der heute evangelisch-lutherischen Dorfkirche St. Aegidius errichtete er eine Holzbank um die zuvor gepflanzte Luther-Eiche. Es handelt sich um eine achteckige Sitzbank, deren Form an die Ornamentik des Sternenmantels Kaiser Heinrichs II. erinnert.

Der Machtanspruch dessen, der den herrschaftlichen Mantel trägt, ist Ausgangspunkt der Arbeit. Rolf Wicker möchte mit der Ruhebank an den Hochmut erinnern, dem jeder handelnde Mensch verfallen kann: "Wer sitzt, ruht - und kämpft nicht." Er denkt vielmehr nach, er meditiert oder betet.

Ineinander verschlungen

Wer sich eingehender mit der "Bank" beschäftigt, wird merken, dass es sich nicht um eine einfache Sitzgelegenheit handelt. Das Besondere ist ihre Form, gebildet aus zwei Quadraten, die um 45 Grad zueinander verdreht sind. Die Sitzflächen der beiden Quadrate sind dabei ineinander verschlungen. Daraus ergibt sich ein Achteck.

Die Abmessungen betragen 4,80 mal 4,80 Meter, die Sitzfläche hat eine Tiefe von 45 Zentimetern und eine durchschnittliche Sitzhöhe von etwa einem halben Meter.

Das Untergestell aus Metall besteht aus Vierkantprofilen, der "geflochtene" Sitzbelag ist aus jeweils vier Balken massiver deutscher Eiche gefertigt.

Mit einer Andacht eingeweiht

Sowohl durch die gewählte Form als auch durch den Standort um die Luther-Eiche, nicht zuletzt aber mit dem Titel "Machtpause" weckt Wicker vielfältige Assoziationen. Wer würde nicht an die verschlungenen Beziehungen zwischen Bamberg und Kulmbach, zwischen Protestantismus und Katholizismus denken?

Am Samstag, 22. Dezember, um 14 Uhr wurde das Kunstwerk mit einer Andacht in der St.-Aegidius-Kirche feierlich eingeweiht. Pfarrer Klaus Spyra freute sich über die Aufnahme von Melkendorf in den internationalen Skulpturenweg, der zum Bistumsjubiläum entstand.

In der Predigt sprach der Pfarrer unter anderem die Gemeinsamkeiten zwischen dem katholischem Bistum Bamberg und der evangelischen Kirchengemeinde Melkendorf an.

Teil des Skulpturenwegs

Auch Oberbürgermeister Henry Schramm freute sich, dass Melkendorf nun ein Teil des "Internationalen Skulpturenwegs" sei und damit in einer Reihe mit bekannten Städten wie Ansbach, Bamberg, Bayreuth, Coburg, Forchheim, Fürth, Nürnberg, Villach, Stettin und Chichester stehe. Kultur und Kunst brächten Menschen zueinander.

Das Jubiläum "1000 Jahre Bistum Bamberg" sollte bleibende Spuren hinterlassen, so begann der Leiter der "Villa Concordia", Bernd Goldmann, seine Rede. Künftige Generationen könnten einen Eindruck bekommen, wie sich bildende Künstler zu Beginn des 21. Jahrhunderts mit Glauben und Religion auseinandersetzten. Und wie sie Themen wie Endlichkeit, Erlösung und Schöpfung umsetzten.

Auf Einladung des Künstlerhauses "Villa Concordia" haben sich international renommierte Künstler aus Deutschland, Portugal, Spanien, Tschechien, den USA und Japan von der Idee begeistern lassen. In einem spannenden Prozess bei zwei Begegnungen im Bistum Bamberg konnte sich jeder Künstler "seinen" Ort aussuchen. Ohne jede weitere Vorgabe haben die Künstler dort ihre Marksteine gesetzt, die dauerhaft von der Geschichte des Bistums und seiner europäischen Verflechtung zeugen sollen.

Bedeutender Bildhauer

Rolf Wicker wurde 1965 in Ravensburg geboren. Er gilt als bedeutender zeitgenössischer deutscher Bildhauer. Nach einer handwerklichen Ausbildung zum Steinbildhauer studierte er ab 1990 Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Wicker ist freier Bildhauer und Gastdozent für das Fach Künstlerische Grundlagen an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. 2015 erhielt er eine Professur für Grundlagen und Plastik an der Kunsthochschule Halle auf der Burg Giebichenstein. Er ist Mitglied im Deutschen Künstlerbund.

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