Kulmbach
Burggeflüster

Meicherla und Geistesblitz

Manche Erklärungen sind gut gemeint - verfehlen aber ihr Ziel.
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Ein "Meicherla", also ein Kopftuch, gehörte  früher zur Grundausstattung der Frauen in Franken. Die englische Königin Elizabeth II. trägt es heute noch hin und wieder.Archiv
Ein "Meicherla", also ein Kopftuch, gehörte früher zur Grundausstattung der Frauen in Franken. Die englische Königin Elizabeth II. trägt es heute noch hin und wieder.Archiv

Ich war als Referentin geladen zu einer Veranstaltung, in der es um Mundart und um Mundart-Texte ging. Im Saal saßen, das hatte ich herausgehört, auch einige "Reigschlaafta", also Zugezogene - möglicherweise des Dialekts des Kulmbacher Landes nicht so ganz mächtig.

Ich bat also zu Beginn meiner Ausführungen darum, sich einfach zu melden, wenn ein Begriff nicht bekannt oder eine Redewendung nicht geläufig sei.

Wenig später fiel das Wort "Greinmeicherla". Ein sehr junger Zuhörer fragte: "Was ist ein Greinmeicherla?" Ich versuchte mich in einer Erläuterung, erklärte, dass "greinen" so viel bedeutet wie jammern, heulen, und das ein "Meicherla" ein Kopftuch sei - wobei der Begriff durchaus auch für "Mädchen" stehen kann. Um zu verdeutlichen, was man sich unter einem "Greinmeicherla" vorzustellen habe, riet ich dem Frager: "Stell Dir eine Frau vor, ein bisschen gebückt vielleicht, die Hände ringend, ein Kopftuch auf dem Kopf ..."

Da ging dem jungen Mann ein Licht auf: "Ach so", sagte er, und man hörte, wie er sich über seine Erkenntnis freute: "Eine Türkin!"

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