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Kulmbach
Kommunalwahl

Langsamer Anstieg: Mehr Frauen in politischen Gremien im Kreis Kulmbach

Nach den Kommunalwahlen im März sind mehr Frauen in den politischen Gremien im Landkreis vertreten als vorher. Doch der weibliche Anteil von nun 22 Prozent zeigt auch deutlich: Es ist noch viel Luft nach oben.
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Als die Bayerische Rundschau im Januar 2019 einen genauen Blick auf den Frauenanteil in allen politischen Gremien im Landkreis (Stadt- und Gemeinderäte, Kreistag) geworfen hat, war das Ergebnis ernüchternd. Die Frauenquote lag bei gerade einmal 15 Prozent. In Guttenberg und Harsdorf waren die Gemeinderäte gar eine reine Männerangelegenheit. Bürgermeisterinnen gab es in den 22 Kommunen im Kreis gerade mal eine: Doris Leithner-Bisani (CSU) in Ludwigschorgast.

Einiges hat sich nun mit den Kommunalwahlen im März getan. Im Kulmbacher Kreistag sowie in 13 von 22 Stadt- und Gemeinderäten sind mit Beginn der neuen Wahlperiode ab 1. Mai mehr Frauen vertreten. Insgesamt steigt der Frauenanteil auf künftig rund 22 Prozent. Und mit Anita Sack (Freie Wähler) in Ködnitz hat der Landkreis nun auch eine zweite Bürgermeisterin.

Eine positive Tendenz: Frauenquote von 22 Prozent im Kreis Kulmbach

"Das ist jetzt kein Quantensprung, aber das Ergebnis zeigt nach Jahren der Stagnation eine positive Tendenz, und das ist erfreulich", sagt die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Heike Söllner, die für den Kreistag und sämtliche Stadt- und Gemeinderäte eine detaillierten Auswertung mit Blick auf die Geschlechterparität vorgenommen hat. Eine Frauenquote von 22 Prozent bedeutet aber auch: da ist noch viel Luft nach oben. Zumal dieser Wert noch deutlich unter dem Frauenanteil im Deutschen Bundestag (31,2 Prozent) und auch im Bayerischen Landtag (26,8 Prozent) liegt. Und auch die Rathäuser werden bayernweit immer noch zu 90 Prozent von Männern geführt.

Nach wie vor sind Frauen in der Kommunalpolitik unterrepräsentiert, doch immerhin geht der Trend landkreisweit langsam aber sicher nach oben. Im Kulmbacher Kreistag steigt der Frauenanteil von 15 auf 22 Prozent. Ihm gehören künftig 11 Frauen - zwei mehr als bisher - an und das, obwohl sich die Gesamtzahl der Sitze von 60 auf 50 verringert hat. Mit Blick auf die Stadt- und Gemeinderäte ist außerdem positiv hervorzuheben, dass nun erstmals alle Gremien mit Frauen und Männern besetzt sind. Vorbei sind die Zeiten der reinen Männerwirtschaft in Harsdorf und Guttenberg.

Von den 304 Stadt- und Gemeinderäten im Landkreis Kulmbach sind 67 weiblich (plus 19) und 237 männlich. Spitzenreiter bei der Frauenquote ist der Gemeinderat in Himmelkron mit 43,75 Prozent (7 Frauen bei insgesamt 16 Gemeinderatssitzen). Respektabel auch die Frauenquote im Kulmbacher Stadtrat mit 30 Prozent; ihm gehören künftig neun Frauen an, das ist immerhin ein Plus von vier Rätinnen. Schon immer stark vertreten war das weibliche Geschlecht in Ludwigschorgast, wo der neu gewählte Rat (3 Frauen und 5 Männer) erneut mit einem Frauenanteil von 37,5 Prozent hervorsticht. In Trebgast hat sich der Frauenanteil verdoppelt: Seit März sind hier zwei Frauen im Gemeinderat tätig. Ausbaufähig ist der Frauenanteil in Grafengehaig, Harsdorf, Ködnitz und Wonsees, wo jeweils lediglich eine Frau dem Gemeinderat angehört.

Das grundlegende Problem: Zu wenig Kandidatinnen

Aber nicht nur die eigentlichen Wahlergebnisse hat die Gleichstellungsbeauftragte analysiert. Auch den Frauenanteil auf den Wahllisten der einzelnen Parteien und Wählergruppierungen hat sie unter die Lupe genommen. Die Bilanz zeigt, dass hier bei einer durchschnittlichen Frauenquote von 27,83 Prozent (Kreistag) und 26,33 Prozent (Stadt- und Gemeinderäte) noch viel mehr drin gewesen wäre. "Zum einen ist da die Frage, wieso Frauen nicht gewählt werden. Aber ein noch grundlegenderes Problem ist, dass Frauen gar nicht erst aufgestellt werden", sagt Heike Söllner. Dabei wisse sie, dass sich alle Listenverantwortlichen sehr darum bemüht haben, Frauen für eine Kandidatur zu gewinnen.

Dass das in vielen Fällen nur mäßig gelungen ist, könne man nicht allein an einer Zurückhaltung von Frauen gegenüber kommunalpolitischem Engagement festmachen, so die Gleichstellungsbeauftragte. Vielmehr spielten alte Rollenbilder da stark mit rein, ebenso gesellschaftliche Hürden, die es Frauen schwerer machen, Familie, Beruf und Ehrenamt unter einen Hut zu bringen und wohl auch eine männlich geprägte Debattenkultur, die auf Frauen abschreckend wirken könne. "An der Qualifikation und Ambition von Frauen fehlt es sicher nicht. Und so geht es darum, Frauen gezielt anzusprechen und zu unterstützen. Und idealerweise sollte das Bemühen nicht erst einsetzen, wenn die nächste Kommunalwahl vor der Tür steht", sagt Heike Söllner.